Zum Weltwassertag 2026 am Sonntag: Wie steht es um die Versorgung in der Region? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.03.2026 07:30, aktualisiert am 22.03.2026 10:09

Zum Weltwassertag 2026 am Sonntag: Wie steht es um die Versorgung in der Region?

Prof. Dr. Oliver Christ beschäftigt sich schon lange mit den Themen Wasser und Energie. (Foto: Antonia Müller)
Prof. Dr. Oliver Christ beschäftigt sich schon lange mit den Themen Wasser und Energie. (Foto: Antonia Müller)
Prof. Dr. Oliver Christ beschäftigt sich schon lange mit den Themen Wasser und Energie. (Foto: Antonia Müller)

Für den Kaffee, beim Duschen oder bei der Gartenpflege: Wasser benötigen wir in unserem Alltag überall. Zum Weltwassertag am 22. März haben wir mit Professor Dr. Oliver Christ von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) über den Umgang mit der wichtigen Ressource gesprochen. Der Wasser-Experte hat einige Tipps und Ratschläge.

Zur Person

Professor Dr. Oliver Christ ist Professor für Siedlungswasserwirtschaft und seit 2025 Dekan der Fakultät Umweltingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Der 61-Jährige lehrt seit 2010 in Triesdorf und war vorher als Bauingenieur tätig.

    Welche Bedeutung hat der Weltwassertag?

    Er erinnert daran, dass Wasser das wertvollste Lebensmittel überhaupt ist. Aber er ruft auch ins Bewusstsein, dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem und gesundem Trinkwasser haben.

    Wie steht es um die Wasserversorgung in unserer Region?

    Hier ist die Lage, im Vergleich zu anderen Bereichen der Welt, nahezu paradiesisch. Wir sehen natürlich auch, dass die Grundwasserstände sinken, dass wir Nitrateinträge ins Grundwasser haben, ansonsten sind wir aber relativ gut aufgestellt. Das ist jedoch keine Aufforderung, besonders viel und achtlos Wasser zu verbrauchen.

    Wie wird sich die Wassersituation mit Blick auf den Klimawandel verändern?

    Das hat sich schon verändert. Die massiven Starkregenereignisse führen zu Überschwemmungen in den Städten. Wir müssen also zusehen, dass das Wasser zurückgehalten wird. Wenn wir zum Beispiel Sportplätze um 20 Zentimeter aufhöhen und das Wasser da hineinführen, haben wir schon viel Speicherraum. Dass es im Zuge der Erderwärmung immer häufiger zu solchen Ereignissen kommt, ist eine physikalische Tatsache.

    Wo sollten wir beim Thema Wasser noch genauer hinschauen?

    Ich plädiere immer dafür, beim Thema Abwasser anzufangen, weil man das vielfältig nutzen kann. Die Nährstoffe im Abwasser werden viel zu wenig berücksichtigt. Wir eliminieren in unseren Kläranlagen Stickstoff und Phosphor. Weil es eine seltene, endliche Ressource ist, muss Phosphor zukünftig auch aus dem Klärschlamm zurückgewonnen werden. Wenn wir aber alle Nährstoffe aus dem Abwasser wiedergewinnen würden, könnten wir 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche damit düngen. Die Mikroschadstoffe wie Medikamentenrückstände oder Hormone müssen wir dagegen herausholen, damit sie nicht in die Umwelt gelangen. Ich spreche mich außerdem dafür aus, Grauwasser aufzubereiten. Das ist all das Wasser, das kein sanitäres Abwasser ist. In den Haushalten produziert jeder von uns täglich rund 50 Liter davon. Das könnte man mit Anlagen im Haus relativ einfach aufbereiten. Zudem hat Grauwasser viel Wärme. Wir duschen alle bei 38 Grad. Das könnte man prima wiederverwenden, um das Warmwasser zu erwärmen und die Heizung zu betreiben.

    Was können Hausbesitzerinnen und -besitzer tun?

    Regenwasser nutzen, Trinkwasser ist einfach zu wertvoll. Sie sollten Dächer begrünen und Flachdächer bauen, wenn sie die Chance haben. Dadurch kann man den Wasserabfluss bei starkem Regen verzögern.

    Nicht alle haben Eigentum. Was kann jede und jeder von uns tun, um die Ressource Wasser im Alltag zu schonen?

    Pflanzen nicht mit Trinkwasser gießen und die Spartaste an der Toilette nutzen. Aber das Beste, was der Einzelne tun kann, ist, sich nicht gegen die neuen Maßnahmen aufzulehnen. Die Begrünung von Dächern und Fassaden beispielsweise stößt nicht überall auf Gegenliebe. Aber: Die Menschen sollten mehr Wandel zulassen.

    Gibt es eine Sache, auf die Sie als Experte ganz genau achten?

    Ich achte extrem darauf, dass nur das in die Toilette kommt, was auch hineingehört. Feuchtpapier gehört nicht rein. Und nur wenn man ein Running-Sushi für Ratten aufziehen möchte, kippt man Fleisch und Essensreste in die Toilette.

    Welche Hausaufgaben haben die Kommunen?

    Unsere Kanäle sind stark sanierungsbedürftig, die sind meist schon 80 Jahre alt. Viele Kanäle und Schächte sind undicht. Dadurch tritt Grundwasser in den Kanal ein und landet in der Kläranlage. Das ist nicht im Sinne des Erfinders. Bei den Kläranlagen selbst haben die Kommunen schon relativ viel getan.

    Für die Kommunen ist die Beratung entscheidend, in Behörden ist Expertise gefragt. Dafür braucht es Fachleute – und die bilden Sie aus. Was ist das Besondere an der Ausbildung an der HSWT?

    Hier sind viele Fachgebiete vereint. Ich selbst bin Bauingenieur. Wir haben auch Ökologen, die die Auswirkungen von Verschmutzungen auf die Umwelt darstellen, sodass die Studierenden auch ein Gespür dafür bekommen. Interessant ist auch unser Kontakt zu Landwirten und die Zusammenarbeit mit der Fakultät Landwirtschaft. Außerdem lehren wir hier außerordentlich praxisnah. Ab dem kommenden Wintersemester wird es einen neuen Bachelorstudiengang geben: Energie- und Wasserwirtschaft. Dort kombinieren wir die beiden Themen, die untrennbar miteinander verkoppelt sind. Wir schauen uns unter anderem Themen wie die Abwasserwärmenutzung oder die Wasserstoffinfrastruktur an.

    Wie steht es um die Zukunft der Wasserversorgung bei uns in der Region?

    In Mittelfranken müssen wir uns keine großen Sorgen um die Menge machen. Die Qualität haben unsere leistungsfähigen Wasserversorger selbstverständlich im Auge.

    Wir haben am Anfang über die Lage weltweit gesprochen. Welche Probleme gibt es in anderen Ländern?

    Während wir über die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen sprechen, haben weltweit drei Milliarden Menschen keine sichere Sanitärversorgung und zwei Milliarden kein sauberes Trinkwasser. Das diesjährige Motto des Weltwassertages ist „Water and Gender”. Das zielt auf die Beziehung zwischen Wasser und Frauen ab. In Subsahara-Afrika sind viele Frauen für die Wasserversorgung zuständig. Sie müssen oft weite Wege gehen. Außerdem ist das wenige vorhandene Wasser gefährdet oder verschmutzt. Viele Menschen werden krank. Weil es keine ausreichende Sanitärversorgung gibt, warten viele Frauen bis in die Nachtstunden, um ihre Notdurft außen zu verrichten. Dabei kommt es häufig zu Übergriffen. Viele Schülerinnen gehen während der Menstruation nicht zur Schule, weil es dort keine ausreichende Versorgung gibt. Das ist eine Situation, die man ändern muss.

    Zum Weltwassertag und dem diesjährigen Thema referiert Prof. Dr. Oliver Christ am Dienstag, 24. März, ab 19 Uhr beim Forum Triesdorf. Die Veranstaltung findet in Präsenz an der Hochschule statt und wird online live übertragen. Information und Anmeldung unter:
    www.triesdorf.de/event


    Antonia Müller
    Antonia Müller
    Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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