Zum Doppeljubiläum: Ein eigenes Oratorium für den Burgbernheimer „JohannisChor” | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.12.2025 09:30

Zum Doppeljubiläum: Ein eigenes Oratorium für den Burgbernheimer „JohannisChor”

Der JohannisChor Burgbernheim – hier ein Bild aus 2023 – feiert heuer sein 95-jähriges Bestehen. Das ist nicht das einzige Jubiläum. (Archivbild: Hartmut Assel)
Der JohannisChor Burgbernheim – hier ein Bild aus 2023 – feiert heuer sein 95-jähriges Bestehen. Das ist nicht das einzige Jubiläum. (Archivbild: Hartmut Assel)
Der JohannisChor Burgbernheim – hier ein Bild aus 2023 – feiert heuer sein 95-jähriges Bestehen. Das ist nicht das einzige Jubiläum. (Archivbild: Hartmut Assel)

Der „JohannisChor” Burgbernheim feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Vor 95 Jahren wurde die Gruppierung gegründet und seit 25 Jahren gestaltet sie am Samstag vor Heiligabend ein geistliches Weihnachtskonzert. Heuer wurde dafür ein eigenes Oratorium komponiert. Die Sängerinnen und Sänger bereiten sich intensiv darauf vor.

1930 gegründet, startete der JohannisChor zunächst unter der Leitung von Lehrer Rudel und Oberlehrer Hupfer, wie es in der Chronik heißt. Verschiedene Männer hatten über die Jahre das Zepter in der Hand. Ab 1996, also seit nunmehr 29 Jahren, leitet Hans Hauptmann den Kirchenchor.

Über die Jahre habe er sich entwickelt, sei vor allem größer geworden. Menschen verschiedenen Alters sind dabei und auch das Repertoire ist breit aufgestellt. Stücke aus dem Frühbarock gehören ebenso dazu wie Lieder zeitgenössischer Autoren, christliche Musik, Gospels oder afrikanische Lieder. Weltliches Liedgut, Volkslieder oder Stücke aus der Renaissance bot man schon dar. Hauptmann ist es stets ein Anliegen, immer wieder Neues einzubringen, um die Abwechslung zu erhalten.

Das Weihnachtskonzert als Höhepunkt

Regelmäßig gestaltet der Kirchenchor Gemeindegottesdienste mit. Ein jährlicher Höhepunkt ist das Weihnachtskonzert in der St.-Johannis-Kirche in Burgbernheim. Verschiedene Schwerpunkte wurden da in den vergangenen Jahren gesetzt. 2024 wurden beispielsweise Weihnachtslieder aus der ganzen Welt dargeboten. Regelmäßig wirkten bei diesen Konzerten Gastmusikerinnen und Gastmusiker oder auch andere Chöre mit. Sängerinnen und Sänger aus der Region waren ebenfalls teils projektbezogen dabei. Je nachdem, was man sich vorgenommen hatte, waren die Proben sehr intensiv. Heuer werden beim Weihnachtskonzert 47 Sängerinnen und Sänger zu hören sein, sagt Hauptmann.

Beide Jubiläen waren für den Chorleiter Anlass, heuer am Samstag, 20. Dezember, ab 19 Uhr in der Kirche St. Johannis in Burgbernheim – Einlass ist ab 18 Uhr – ein ganz besonderes Programm zu bieten. Im Sinn hatte er ein Oratorium, also ein geistliches, musikalisches Werk für Solisten, Chor und Orchester, das die Weihnachtsgeschichte ohne szenische Darstellung erzählt. Schon vor gut einem Jahr fragte er bei dem Komponisten und Kirchenmusiker Christian Glowatzki an, ob er ein Weihnachtsoratorium schreiben würde. Schnell sagte der Musiker zu, hat er doch auch Erfahrungen mit solchen Kooperationen durch ähnliche Projekte. Das entstandene Werk trägt den Namen „Burgbernheimer Christnacht”.

„Ein Oratorium haben wir noch nie gemacht”, erklärt Hauptmann. Wie das Zusammenspiel bei einem solchen Werk funktioniert, mussten die Chormitglieder also erst kennenlernen und in die neue Aufgabe hineinwachsen. Schon im Frühsommer startete man deshalb mit den Vorbereitungen. Weil es wichtig war, dass die Gruppe dafür genug Zeit hat, schrieb Glowatzki den Chor-Teil zuerst.

Einige Profis wirken mit

Auch weitere Mitwirkende sind bei dem Konzert zu hören. Das Burgbernheimer Rohm-Bläserquartett musziert ebenso mit wie Streicher vom Kammerorchester Ansbach. Donata Drummer (Sopran) und Dr. Almut Drummer (Alt) sowie Ulrich Beigel (Tenor) und Andreas Glowatzki (Bass) sind als Vokalsolistinnen und Vokalsolisten dabei. Almut Drummer spielt zudem die Altflöte. Christian Glowatzki selbst begleitet am Klavier. Die Altflöte sei kein typisches Instrument für ein Oratorium, betont der Komponist. Denn im Vergleich zu den anderen Instrumenten ist sie wesentlich leiser. Deshalb hat er spezielle Stellen geschaffen, an denen die Flöte zur Geltung kommt.

Wie lange er bis zur Fertigstellung eines Werkes braucht, ist unterschiedlich, erzählt Glowatzki. Manchmal sei eine erste Idee 20 Sekunden lang, daraus entsteht dann in harter Arbeit ein 25-Minuten-Stück. „Es gibt viele Impulse. Aus ihnen versucht man, organische Musik zu machen.” Sie ist für Glowatzki sehr wichtig. „Die Musik transportiert dann textliche Inhalte mit.” Beim Eingangschor beispielsweise spielen die Geiger Tonleitern von oben nach unten über eine Oktave. „Gott kommt in die Welt”: Das ist die Botschaft, erklärt Glowatzki. „Das mache ich nicht aus Spaß oder nur, weil es sich gut anhört, sondern weil es eine Bedeutung hat.” Alles, was er komponiert, soll einen Sinn und eine Aussage haben.

„Ich bin sehr froh, dass der Chor von Anfang an höchstmotiviert mitgezogen hat. Die Idee war immer: Wenn wir es machen, dann wollen wir es so gut machen, wie es geht”, erklärt Hauptmann. Die Gemeinschaft im Chor ist ihm wichtig. Deshalb ist es ihm ein Anliegen, dass alle Mitglieder so lange wie möglich mitmachen können. Damit das auch beim Weihnachtskonzert geht, hat man eigens Barhocker angeschafft. Sängerinnen und Sänger, die keine 45 Minuten mehr stehen können, können so trotzdem dabei sein.

Weiterhin kein Eintritt

Übrigens: Bei den Konzerten des Chores wurde noch nie Eintritt verlangt. Das soll auch heuer bei der „Burgbernheimer Christnacht” so bleiben. Dennoch müssen die Profimusikerinnen und Profimusiker bezahlt werden. Also machte sich Chorleiter Hauptmann gemeinsam mit einem weiteren Mitglied auf die Suche nach Sponsoren, die das Projekt unterstützen möchten. Zahlreiche Unternehmen spendeten, sodass die Finanzierung lückenlos steht. Mehr als froh und dankbar ist Hauptmann über diesen Zusammenhalt in Burgbernheim.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin in Bad Windsheim
north