Ein Solo zum Auftakt: Mit ausgewählten „Herzensliedern“ seines Programms „Bei mir“ hat Werner Schmidbauer die neue Saison der „Wehlmäusler Forstkultur“ eröffnet. Erstmals nach vielen Jahren steht der Oberbayer bei dieser Tour wieder alleine auf der Bühne.
Ein Hocker, drei Gitarren und eine Mundharmonika – Werner Schmidbauer braucht nicht viel. Sein Auftritt lebt von seiner unaufdringlichen, sympathischen Art, den charmant und launig erzählten Anekdoten zu einzelnen Stücken und seinem musikalischen Können.
Lieder mit poetisch anspruchsvollen und persönlich gefärbten Texten sind eine Spezialität Schmidbauers, der im nächsten Jahr sein 45. Bühnenjubiläum feiert.
Schmidbauer ist nachdenklich und kritisch, aber nie von Hoffnungslosigkeit oder Mutlosigkeit geprägt. So besingt er den „Momentensammler“, der erkennt, dass es die schönen, kleinen, alltäglichen Momente sind, die ein gutes Leben ausmachen. Und er gibt den Zuhörenden im ausverkauften Saal noch etwas mit auf den Weg: Sie sollen nie anfangen aufzuhören und nie aufhören anzufangen.
Der Oberbayer erweist auch seiner Liebe zu den Bergen Reverenz. In „Herobn“ etwa beschreibt er die befreiende Stimmung nach dem Aufstieg auf einen Gipfel. Die Liebe zu den Bergen habe sein Vater schon früh in ihm geweckt, erzählt Werner Schmidbauer. Doch in der Pubertät ließ die Begeisterung, wenn sein Vater am Wochenende um fünf Uhr morgens am Bett stand und aufbrechen wollte, doch spürbar nach.
Als Mittzwanziger ist Schmidbauer erstmals wieder mit seinem Vater in den Bergen unterwegs gewesen. Termine hinderten ihn dann bei einer geplanten Skitour dabei zu sein. Sein Vater ging ohne ihn – und verunglückte tödlich. Nachdem die Trauer glücklichem Erinnern gewichen war, schrieb der Sohn das Lied „Dei Liacht“. Er singt es an diesem Abend. Es berührt ihn und das Publikum.
Für Schmidbauer eine besondere Bedeutung hat auch der Hit „One“ der irischen Rockband U2. Er hat für diese „Jahrhundertwerk“, für dieses Liebeslied über die Mitte einer Beziehung eine Fassung auf Bayerisch gefunden, „Oans“ heißt sie.
Erschreckend findet der Künstler, wie aktuell die Kerngedanken älterer Songs zum Teil noch immer sind. Ein Beispiel: Das Lied „Zeit der Deppen“, verfasst 2001 nach der Wahl von George W. Bush zum amerikanischen Präsidenten.
Schmidbauers Musik kann ganz still und dezent begleiten, aber auch rockig und bluesig sein. Das Publikum lauscht andächtig und gespannt, ist da, wenn es gefragt ist. Dann wird wie bei dem Stück „Mandela“ begeistert mitgesungen und mitgeklatscht. Am Ende gibt es stürmischen Applaus, der zwei Zugaben einbringt.