Völlig losgelöst: Die siegreiche SpVgg Ansbach schwebt wie Major Tom | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.08.2024 16:00

Völlig losgelöst: Die siegreiche SpVgg Ansbach schwebt wie Major Tom

Tarkan Ücüncü (am Ball) war sowohl Bewunderer als auch Leidtragender der Leistung von Max Grün (links) im Tor der Aschaffenburger. (Foto: Martin Rügner)
Tarkan Ücüncü (am Ball) war sowohl Bewunderer als auch Leidtragender der Leistung von Max Grün (links) im Tor der Aschaffenburger. (Foto: Martin Rügner)
Tarkan Ücüncü (am Ball) war sowohl Bewunderer als auch Leidtragender der Leistung von Max Grün (links) im Tor der Aschaffenburger. (Foto: Martin Rügner)

Der 80er-Jahre-Heuler vom völlig losgelösten Major Tom hat es, von der Europameisterschaft noch gut im Ohr, als Feierlied auf die Kabinen-Playlist der SpVgg Ansbach geschafft und dröhnte nach dem 4:1-Sieg in derFußball-Regionalliga über Viktoria Aschaffenburg von dort durch den Xaver-Bertsch-Sportpark.

„Effektivität bestimmt das Handeln. Man verlässt sich blind auf den andern. Jeder weiß genau, was von ihm abhängt“. Diese Liedzeilen trafen auch auf die Ansbacher Fußballer zu, die mit dem ersten Saisonsieg abgehoben haben zu einem Höhenflug in der Tabelle. Ob sie eine stationäre Umlaufbahn im Bereich der einstelligen Tabellenplätze erreichen und so auf Dauer den Gravitationskräften der Abstiegsregion widerstehen können?

Ein klares Ja! leuchtete einem aus den freudig-erhitzten Gesichtern entgegen.


Mit Führung spielt sich alles etwas leichter.

Lukas Schmidt

Lukas Schmidt, der zwei Tore erzielt und einen Elfmeter rausgeholt hatte, schien nach diesem Erfolgserlebnissen fast schwerelos durch den Sportpark zu schweben. „In den ersten zwei Spielen sind wir in Rückstand geraten, jetzt lagen wir in Führung, da spielt sich alles etwas leichter“, sagte Schmidt. Vielleicht sogar zu leicht, denn wie Major Tom in seiner Kapsel kamen auch die nullneuner zwischendurch vom Kurs ab.

Schnelle Antwort auf das ärgerliche Gegentor

„Durchhänger“ sah SpVgg-Trainer Niklas Reutelhuber bei „diesem alles in allem hoch verdienten Sieg“ Mitte der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten, als die mit frischen Kräften neu formierte Viktoria durch „ein ärgerliches Gegentor, wir köpfen uns da gegenseitig an“, zum Anschlusstreffer kam. Das dritte Tor nur wenige Minuten später zündete aber die nächste Stufe der Ansbacher Rakete, während Aschaffenburg danach wie ein leergebrannter und abgeworfener Tank zu Boden taumelte.

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Dass Aschaffenburg in Hälfte zwei überhaupt noch mal Hoffnung auf der Mission zum ersten Punktgewinn finden durfte, lag an Ex-Profi Max Grün im Tor, der tolle Paraden zeigte. „Wenn wir den Max nicht drin gehabt hätten, wäre das Spiel früh entschieden gewesen“, meinte SVA-Trainer Simon Goldhammer, der mit der Leistung etlicher Feldspieler so gar nicht einverstanden war, gar „Grundtugenden“ vermisste.

Leidtragender und zugleich Bewunderer von Grüns Künsten war Tarkan Ücüncü, der auf der rechten Seite viele gute Szenen hatte, einmal gleich ein ganzes Rudel Abwehrspieler alt aussehen ließ und das frühe 2:0 auf dem Fuß hatte. „Den hält er super“, gestand Ücüncu dem Torhüter zu. Nach seinem zweiten Startelf-Einsatz sieht sich der 21-Jährige endgültig im Team angekommen.


Ich freue mich für jeden, der neu dazu kommt.

Tarkan Ücüncü

Der Teil der Karriere ist bei Michael Sperr schon viele Jahre her, allerdings war der Stürmer zuletzt wegen Problemen am Sprunggelenk nicht spielfähig. Die Beschwerden sind zwar nicht völlig verschwunden und können insbesondere bei Belastung auf harten Plätzen zurückkehren, berichtete der Stürmer, der mit seinem Tor zum 4:1 – mal wieder – ein perfektes Comeback hinlegte. Bereits bei der Rückkehr nach seinem Kreuzbandriss vor einem Jahr dauerte es nur kurz, bis er wieder auf der Torschützenliste auftauchte.

Sperr war einer von drei Ansbachern, die nach längerer Pause wieder Spielminuten sammelten. Die anderen beiden waren Daniel Schelhorn und Jonas Bayerlein, womit sich die Auswahl auf diversen Positionen deutlich erhöht.

Das freut nicht nur den Trainer, sondern auch Ücüncü: „Bei uns herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf, ich freue mich für jeden, der neu dazu kommt. Man wird sehen, wer am Ende spielt.“

Zum Beispiel am Dienstag im Pokal. Anders als Major Tom hat das SpVgg-Raumschiff wieder einen neuen Kurs bekommen. Es geht zum SV Hahnbach in die Oberpfalz.

Mehr Fotos von diesem Spiel gibt es hier.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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