Der ganze Marktplatz samt Umgebung ist in weihnachtliches Licht getaucht, Buden reihen sich um die große Tanne in der Mitte, Menschen lassen sich treiben und genießen die vorweihnachtliche Stimmung auf dem Reiterlesmarkt. Dieser hat heuer seit dem 21. November, also ein Wochenende vor Adventsbeginn, geöffnet.
Über die Extra-Woche wird Montagvormittag viel gesprochen. Während Touristinnen und Touristen die zusätzliche Zeit begrüßen, geraten manche Ehrenamtsbuden unter Druck. Das Fazit zum Auftaktwochenende fällt gemischt aus.
Gerade ist der Reiterlesmarkt fast leer, ein paar Menschen stehen an den Tischen und genießen ihr Mittagsessen. Über den Grünen Markt tönt heimelig die Melodie von „Winter Wonderland” von Bing Crosby, jemand pfeift laut mit. Es hat geschneit, eine dünne Schneeschicht bedeckt das Pflaster, die geschmückten Bäume tragen weiße Hauben auf ihren Ästen.
Am ersten Wochenende zum Auftakt des Weihnachtsmarktes war deutlich mehr los, aber nicht so viel, wie es die Budenbetreibenden sonst gewohnt sind.
„Der Freitag war eher ein mittelmäßiger Donnerstag und der Samstag war ein nicht so schlechter Freitag”, sagt zum Beispiel Martin Wegele, Vorsitzender des Meistertrunk-Vereins, vor der Meistertrunk-Bude auf dem Grünen Markt. Diese teilt sich der Verein mit der Schützengilde Rothenburg: Anfangs ist sie durch die Festspiel-Gruppe besetzt, später übernimmt die Gilde.
„Das Fazit ist durchwachsen”, kommentiert Wegele die Zusatzwoche. Besonders Stände mit Ehrenamtlichen hätten Schwierigkeiten, genug Helferinnen und Helfer zu finden. „Es ist nicht so, dass uns die Menschen da die Bude einrennen”, gesteht er. „Deshalb müssen wir schauen, dass wir den Stand besetzt kriegen.” Auch die Schließung am Totensonntag sei für den Verein problematisch gewesen. Die Brötchen vom Samstag hielten sich nicht bis Montag. „Deshalb ist es schon schwierig, dass da der Tag frei ist.“
Als vor einem Jahr in der Stadt diskutiert wurde, den Reiterlesmarkt zu verlängern, habe sich der Meistertrunk-Verein dafür ausgesprochen, alles beim Alten zu belassen. Wegele: „Jetzt können wir damit arbeiten oder müssen damit arbeiten. Es ist auf jeden Fall ein Plusgeschäft. Aber man muss natürlich auch die Leute finden.”
Während an der Festspielbude eher gemischte Gefühle herrschen, berichten andere von einem gelungenen Start. Gerda Müller etwa, die ebenfalls am Grünen Markt mit ihrem Team verschiedene regionale Spezialitäten verkauft, ist überzeugt: „Die Leute nehmen das sehr gut an. Die wollen das auch.“ Übers Wochenende habe sie sehr gut verkauft. „Es läuft bisher alles positiv.“
Nur wenige Meter entfernt, im Lichthof des Rathauses, zeigt sich ein anderes Bild. Dort lief das Wochenende eher verhalten an. Martin Tambe, der dort Cremes, Seifen und andere Pflegeprodukte verkauft, beschreibt den Auftakt als „okay“ und betont, dass er nun gespannt sei, wie sich der Markt weiterentwickele.
Johannes Raithel, Pfarrer in Adelshofen, arbeitet in der Tansaniabude des Dekanats Rothenburg mit. Zu der Verlängerung sagt er: „Ich finde es ein bisschen schwierig, wenn Advent schon im November gefeiert wird.” Die Ehrenamtsbude sei damit in einem Dilemma: „Einerseits sind da Menschen in Tansania, für die die Einnahmen wichtig sind. Andererseits haben wir schon Probleme, die Woche vor dem Advent vollzubekommen.” Damit die Bude immer besetzt ist, müssen einige der Ehrenamtlichen öfter einspringen. Raithel: „Es würde genügen, wenn man erst am Freitag, vor dem ersten Advent öffnet.” Dass der Markt am Totensonntag geschlossen war, begrüßt er.
Auch Barbara Mohl, Ehrenamtliche vom Arbeitskreis Südindien, sieht das ähnlich. „Da konnte ich mich kurz ausruhen“, sagt sie. Sie war Freitag, Samstag und nun auch am Montag am Stand des Arbeitskreises. „Insgesamt finde ich, dass die Verlängerung nicht unbedingt gut ankommt.” Auch hier gebe es Probleme, den Stand zu besetzen. Beim Verkauf war der Samstag sehr gut, während der Freitag eher mager ausgefallen sei.