2016 war die Westtangente gebaut worden, mit einem klaren Ziel: Der Schwerlastverkehr sollte durch die Maßnahme zu mindestens 50 Prozent umgeleitet werden. Das scheint zu funktionieren, erfordert aber Geduld und keine zusätzlichen Schilder.
Das ist das Credo von Bürgeramts-Leiter Thomas Schmidt, der die aktuellen Zahlen und die Entwicklung in der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses präsentierte. Aber der Reihe nach: Im Januar dieses Jahres waren in dem Gremium verschiedene Vorschläge besprochen worden, wie weitere Beschilderungen vor allem den Schwerlastverkehr weg von der Dinkelsbühler Straße und Crailsheimer Straße vermehrt über die Westtangente leiten könnten.
Ein zusätzliches Hinweisschild in Richtung Autobahn sollte im Kreisverkehr platziert werden, so der Wunsch der Mehrheit im Ausschuss. Doch da machen die übergeordneten Behörden in Form des Staatlichen Bauamts und des Landratsamtes nicht mit. Die entsprechende Stelle der Bundesstraße 25 sei bereits in ausreichendem Maße mit Hinweisen für die Verkehrsteilnehmer versehen, bekam der Feuchtwanger Amtsleiter als Antwort. Stattdessen solle man doch eine Verkehrsflusszählung vornehmen, „um die Verkehrsströme festzustellen”, wie es in der Vorlage der Verwaltung heißt.
Nur ist so eine Verkehrszählung nun mal nicht ganz billig, erklärte Schmidt im Ausschuss und sprach von Kosten im Bereich zwischen 15.000 und 20.000 Euro für eine achtstündige Videoerfassung nebst statistischer Auswertung. Gebe man die für einen Tag in Auftrag, könne man das nicht mehr kurzfristig ändern –etwa bei einem Unfall auf der Autobahn mit entsprechendem Ausweichverkehr. Verfälschte Zahlen wären in diesem Fall die nicht wegzudiskutierende Konsequenz.
Daher schlug der Amtsleiter pragmatisch vor, die seit dem Jahr 2022 erfolgenden eigenen Zählungen in den kommenden beiden Jahren fortzuführen, um die Verlagerung des Verkehrs auf die Westtangente sicher dokumentieren zu können.
„Der Weg
passt”
Dabei stellte Thomas Schmidt fest, dass der 2016 vor dem Bau der Westtangente berechnete Planfall durchaus bereits jetzt greift. Die damaligen Werte bestätigten sich in doppelter Hinsicht, wie Schmidt ausführte. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 4950 Fahrzeuge pro Tag sind auf der Westtangente unterwegs, lautete die Voraussage für das Jahr 2030. Aktuell nehmen 4650 Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer pro Tag diese Route.
Das Ziel, den Verkehr auf der Dinkelsbühler und Crailsheimer Straße abzuschwächen, habe der Bau der Tangente erreicht, befand Schmidt auf Rückfrage der FLZ. „Der Weg passt.” Die dazugehörigen Statistiken, die er im Ausschuss präsentierte, untermauern seine Deutung. Der Verkehr auf der Tangente nahm in jüngerer Vergangenheit um knapp zehn Prozent zu, von durchschnittlich 4262 Fahrzeugen täglich (2023) zu 4652 im laufenden Jahr.
Gleichzeitig weist die Statistik auf den stark frequentierten Durchgangsstraßen einen Rückgang des Verkehrs aus. In der Dinkelsbühler Straße ging die durchschnittliche Zahl von 9874 (2023) auf 8524 Fahrzeuge täglich zurück. In der Crailsheimer Straße zeigt sich ein ähnliches Bild: Fuhren hier im Jahr 2024 noch durchschnittlich 13.220 Fahrzeuge pro Tag durch, sind es im zu Ende gehenden Jahr nur noch 12.210. Ein klarer Trend, der sich auch in der Abnahme des Schwerlastverkehrs widerspiegle.
Solche Entwicklungen gingen allerdings nicht über Nacht, da sei Geduld gefragt, meint Thomas Schmidt, der die Umstellung für die Nutzerinnen und Nutzer als Prozess beschrieb. Die Strecke am Röschenhof zeige aber beispielhaft, dass es auch an der Tangente funktionieren werde. Zudem sei es ja auch nicht das erklärte Ziel gewesen, den Verkehr auf den beiden stark frequentierten Straßen auf nur 3000 Fahrzeuge pro Tag zu reduzieren.
Sorgen bereitet dem Amtsleiter allerdings noch die Navigationsgeräte so machen Lasters. Gerade bei Nacht, also wenn Ampeln ausgeschaltet sind und der Fahrzeugverkehr im Stadtverkehr weitestgehend ruht, nehmen viele Fahrer noch immer die Route durch die Dinkelsbühler Straße. Da aber seien der Stadt die Hände gebunden, da es sich „noch immer um eine Bundesstraße handelt”.