Bei der Bürgermeisterwahl am Frühjahrsmarkt-Sonntag in Sugenheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) hat Toni Schiefer975 Stimmen erhalten. Sein Kontrahent Günther Schellbekam 479 Stimmen. Von 1909 Berechtigten haben 1454 gewählt, das ist eine Beteiligung von 76,2 Prozent.
Damit wurde die Wahlbeteiligung ein klein wenig nach unten korrigiert. Im vorläufigen Ergebnis vom Sonntagabend waren acht Wahlbriefe einbezogen, die wegen Formfehlern nicht ins Abstimmungsergebnis mit einfließen durften, wie Wahlleiter Georg Münich erläuterte.. Sie wurden aus dem Ergebnis herausgenommen und damit dem Nichtwähler-Lager zugerechnet.
Kurz vor 19 Uhr verkündete Münich am Sonntagabend auf der Treppe vor dem Rathaus vor schätzungsweise hundert Zaungästen das Ergebnis: Und bereits als er die Zahl für den auf den gelben Wahlzetteln als ersten aufgeführten SPD-Kandidaten verkündete, war klar, dass dies der neue Bürgermeister ist. Die Zahl von 975 konnte sein Kontrahent von den Freien Wählern Oberer Ehegrund (FWOE), der auch von der CSU nominiert worden war, nicht mehr überbieten.
Günther Schell aus dem Ortsteil Ingolstadt war in seinem Umfeld im oberen Ehegrund – in den Wahllokalen Krassolzheim und Krautostheim – klar vorne. In Krassolzheim, wo auch die Ingolstädter wählten, hatte er eine Drei-Viertel-Mehrheit (121 zu 40 Stimmen), in Krautostheim 70 Prozent (89 zu 38). In Deutenheim, dem Wohnort des bisherigen Bürgermeisters Reinhold Klein (FWOE) hatte Schell noch knapp (73 zu 71) die Nase vorn.
Im Kernort Sugenheim hingegen war Schiefer unumstrittener Stimmenkönig. Im Urnenwahllokal im Schäfer-Haus brachte er es auf fast 90 Prozent (466 zu 60). Und auch in Ullstadt, wo es eine eigene Freie-Wähler-Gruppierung gibt, die keine offizielle Wahlempfehlung ausgesprochen hatte, war Schiefers Vorsprung überdeutlich (119 zu 36).
Die Kernort-Außenort-Schere zeigte sich auch bei der Briefwahl. Im Bezirk I, dem im Wesentlichen der Kernort zugeordnet war, brachte es Schiefer auf 177 Stimmen (80 Prozent), Schell nur auf 44. Im Bezirk II, zuständig für die meisten Ortsteile, war es merklich knapper: 64 zu 56 für Schiefer (in Prozent: 53,3 zu 46,7). Der Anteil der Briefwähler hielt sich mit rund einem Sechstel in Grenzen
Es sind zwei gute Kandidaten im Rennen gewesen.
„In dieser Deutlichkeit habe ich das Ergebnis nicht erwartet, denn es sind zwei gute Kandidaten im Rennen gewesen“, sagte der künftige Bürgermeister in einer ersten Reaktion gegenüber der FLZ. Bei den Versammlungen habe er zwar viel Zuspruch erfahren, das sei aber nicht repräsentativ. Hier träfen doch eher die Unterstützer zusammen. Doch sei der Wahlkampfabend in Sugenheim mit etwa 120 Teilnehmern überragend gut besucht gewesen. Im Nachhinein könnte man es so werten, dass sich hier das starke Abschneiden in der Kerngemeinde abzeichnete.
Schiefer spricht von einem sehr fairen Wahlkampf. „Günther Schell und ich, wir achten uns beide sehr“, betonte der Wahlsieger. Bezeichnend für den kollegialen Umgang in Sugenheim sei auch, dass zu den ersten Gratulanten der scheidende Bürgermeister Reinhold Klein gehörte. „Er hat mir viel Kraft gewünscht.“
Ich werde einige Tage brauchen, damit sich das setzen kann.
Die Fairness im Wahlkampf war auch aus Schells Sicht gegeben. Der ohnehin als sehr sachlich geltende Ingolstädter gestand seine Niederlage unumwunden ein: „Ich nehme es mit Fassung.“ Allerdings habe er diese Deutlichkeit des Ergebnisses nicht erwartet. „Ich werde einige Tage brauchen, damit sich das setzen kann“, sagte er kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Die Resonanz der Bevölkerung bei seinen Wahlkampfauftritten hatte für den FWOE-Bewerber auf einen knappen Ausgang hingedeutet.
Wie es politisch für den amtierenden dritten Bürgermeister weitergeht, ob er etwa die durch Schiefers Sieg freiwerdenden Stellvertreteraufgabe übernimmt, darüber müsse er jedenfalls erst eine Nacht schlafen und das sei auch gar nicht seine alleinige Entscheidung.
Bürgermeister Kleins Amtszeit endet - auf seinen eigene Wunsch - mit Ablauf des Aprils. Ab 1. Mai ist Schiefer das neue Gemeindeoberhaupt. Seine erste Ratssitzung in neuer Funktion wird der bisherige stellvertretende Bürgermeister voraussichtlich am Dienstag, 7. Mai, leiten.
Toni Schiefer wird das Amt für die kommenden acht Jahre innehaben - bis zu den turnusmäßigen Kommunalwahlen 2032. Der außerturnusmäßige Urnengang war nötig geworden, weil Amtsinhaber Klein nach knapp 24 Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Im Wahlkampf hatten beide Kandidaten neben der persönlichen Präsenz in den Ortsteilen auch auf digitalen Kanälen für sich geworben.