Auf dem kurzen Weg vom Rat- zum Schäfer-Haus kommt Toni Schiefer aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus. Der Bürgermeisterkandidat kennt seinen Heimatort und die Ortsteile, und die Leute kennen ihn – aus den Sportvereinen, weil er schon immer in Sugenheim lebt und sicher auch, weil er seit zehn Jahren Gemeinderat ist.
2020, nach der letzten Kommunalwahl, wurde Schiefer stellvertretender Bürgermeister. Seit Amtsinhaber Klein krankheitsbedingt immer wieder pausieren musste, ist er schon vielfach in der Kanzlei für den Gemeindechef eingesprungen. Leitungsfunktionen sei er gewohnt, sagt der 56-Jährige.
Schon in der Bundeswehr habe man ihm, dem damals 20-Jährigen, eine Gruppe Soldaten anvertraut. Damals, 1988, am Ende des Kalten Krieges mussten sie Flugbewegungen aus dem Ostblock überwachen. „Die russischen Zahlen kann ich noch.“ Ein künstlerisches, kreatives Talent spiegelt sich bei Schiefer in seinem ersten Lehrberuf wider.
Verantwortung macht mir keine Angst.
Nach einer ersten Ausbildung als Textilmustergestalter folgten 24 Jahre als Gruppenleiter bei der Spanplattenfirma in Markt Bibart. Danach hatte er die Personalführung und die Touren beim Getränkelieferanten Hilf in Scheinfeld unter seinen Fittichen. „Nein, Verantwortung macht mir keine Angst“, sagt Schiefer. Und dass ein Bürgermeister bisweilen ein dickes Fell braucht, weil Leute auch mal ihren Frust abladen – „das halte ich aus“, sagt er.
Sugenheim wählt am 27. April einen neuen Bürgermeister. Gegeneinander treten die Kandidaten Toni Schiefer (SPD) und Günther Schell (Freie Wähler) an.
Liegen die Wurzeln für Schiefers gesellschaftliches Engagement in seiner Familie? „Ja, möglicherweise“, sagt er. Schon sein Urgroßvater Tobias Zink habe eine genossenschaftliche Bank betrieben und zugleich einen Krämerladen in Sugenheim.
Vielleicht ist das eine der Erklärungen dafür, dass örtliche Unternehmer sich für Schiefer aussprechen. In einem Flyer und beim Social-Media-Auftritt werben einige Sugenheimer Mittelständler für den Kandidaten mit SPD-Parteibuch. Zusammen mit seinen Ratskolleginnen Sandra Billmann und Eva Bauer hob Schiefer den Mittelstandsstammtisch aus der Taufe.
Zu Schiefers Anliegen gehört es, Flächen zu finden, auf denen sich Gewerbe ansiedeln kann. Zudem liegt ihm die Jugend am Herzen, zu der er durch die Vereinsarbeit einen guten Draht habe. Ebenso wichtig sei ihm, dass in seiner Heimat die Senioren nicht allein gelassen werden.
Keine Illusionen macht er sich, dass die Kassenlage wegen der Sanierung der Ehegrundschule für längere Zeit keine weiteren großen Sprünge zulässt. Aber es gebe viele kleine Probleme, die man lösen kann, auch wenn der Finanzrahmen eng ist, zeigt sich Schiefer zuversichtlich. Auf jeden Fall möchte er für alle ein offenes Ohr haben und eine Bürgersprechstunde einführen.
Schiefer versteht sich als Macher, als Impulsgeber. Alle Fragen zur Sugenheimer Kommunalpolitik beantwortet er prompt. Dass er kein Verwaltungsspezialist ist, beunruhige ihn nicht, sagt er. Dafür gebe es die Verwaltungsgemeinschaft Scheinfeld mit ihren Fachleuten. Dort wie auf Kreisebene oder auch bei der Bezirksregierung in Ansbach seien ihm die Ansprechpartner vertraut. Und wenn ein etwas größeres Rad zu drehen ist: „Ich scheue mich nicht, den Kontakt mit Harry Scheuenstuhl im Landtag oder Carsten Träger im Bundestag zu suchen.“
Dass bei der Energieversorgung ein Umdenken nötig ist, da geht Schiefer mit der „großen Politik“ konform. Beim Juli-Hochwasser 2021 traf es auch sein Haus. Die Entscheidung für eine Wärmepumpe mit Heizkörpern hat Schiefer nicht bereut. „Es funktioniert“, sagt er. Auch habe er es im Gemeinderat immer befürwortet, wenn über Hackschnitzel-, Biogas- oder Photovoltaikanlagen entschieden wurde, wie etwa beim Klärwerk oder der Schule.
Wo findet der in zweiter Ehe verheiratete Bürgermeisterkandidat, der mit seiner Frau fünf Kinder und zudem zwei Enkel hat, seinen Ausgleich? Die Familie ist sein Anker, sagt er. Außerdem freue er sich, wenn er in der Natur mit dem Mountain-Bike unterwegs sein kann.