Aller guten Dinge sind zwei? Die Kirchengemeinde St. Nikolai und die Kommune wagen einen neuen Anlauf, im Zentrum von Neuendettelsau gemeinsam ein Gemeindezentrum aufzubauen. Ein kleiner Architektenwettbewerb soll dafür Möglichkeiten aufzeigen. Mit Ergebnissen ist Mitte 2026 zu rechnen.
Der Plan, bei einem neuen Gemeindezentrum gemeinsame Sache zu machen, ist nicht neu. In den vergangenen Jahren wollten Kirche, Gemeinde und Mission EineWelt das Großprojekt Gemeinde Centrum EineWelt (GCEW) realisieren. Weil sich aber die Landeskirche aus dem Vorhaben zurückgezogen hatte, ist das ambitionierte Vorhaben im Jahr 2023 geplatzt.
Da das Löhehaus, in dem das Gemeindezentrum der Kirchengemeinde St. Nikolai aktuell untergebracht ist, aber in die Jahre gekommen ist und räumlich aus allen Nähten platzt, musste sich die Kirche eine Alternative suchen. Weil eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2018 zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ein Gemeindezentrum an Ort und Stelle nicht realisierbar ist, wich man auf eine grüne Wiese in Friedhofsnähe aus, wie Gemeindereferent Andreas Güntzel im Gespräch mit der FLZ sagt.
Es sei nicht so gewesen, dass man die Ortsmitte habe zwingend verlassen wollen, betont er. „Aber wir hatten keine Alternative.” Deshalb wurden Planungen beauftragt und über Spenden eine Summe von rund 700.000 Euro gesammelt, um das Gemeindezentrum in Friedhofsnähe zu bauen.
Bürgermeister Christoph Schmoll ist das Vorhaben freilich nicht verborgen geblieben. Für die Nöte der Kirche hatte Schmoll natürlich Verständnis, so richtig begeistert war er von dem Vorhaben aber nicht. „Mir ist daran gelegen, die Kirchengemeinde im Ortszentrum zu halten, weil die Kirchengemeinde einen enorm wichtigen gesellschaftlichen Beitrag liefert”, erklärt er. Dadurch gebe es auch eine entsprechend hohe Frequenz am Gemeindezentrum.
So ein Frequenzbringer ist nach den Worten von Schmoll Gold wert – vor allem, wenn eines der Ziele im städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) lautet, den Ortskern zu vitalisieren. Deshalb gab es Gespräche zwischen Kirche und Kommune sowie eine Überprüfung, ob das Gemeindezentrum denn nicht doch an Ort und Stelle realisiert werden könnte.
Laut der Überprüfung ist das Vorhaben möglich. In die Karten spielt den Verantwortlichen dabei die Tatsache, dass sich in der Zwischenzeit die rechtlichen Vorgaben beim Thema Abstandsflächen verändert und liberaler wurden. Der Grund: So sollten innerörtliche Verdichtungen leichter möglich werden.
Der Plan sieht jetzt vor, dass auf dem Grundstück des Löhehauses ein neues Gemeindezentrum gebaut wird und die Gemeinde das Löhehaus übernimmt. Ergänzt werden die Bauten durch einen Dorfplatz, wie Schmoll und Güntzel berichten. Auf Wunsch der Regierung von Mittelfranken soll eine Mehrfachbeauftragung, also ein Wettbewerb mit vier Architekturbüros, Möglichkeiten für das Projekt aufzeigen.
Gleichzeitig hat die Regierung Schmoll zufolge attraktiver Fördermöglichkeiten – bis zu 80 Prozent der anrechenbaren Kosten für die Sanierung des Löhehauses und für den Dorfplatz – angekündigt. Mit Ergebnissen rechnen Schmoll und Güntzel bis Ende Juni 2026.
In dem Gemeindezentrum will die Kirche die Platzprobleme der vergangenen Jahrzehnte lösen. Güntzel zufolge sind hier unter anderem angemessene Räume für die Jugendarbeit, Gruppenräume, Platz für Veranstaltungen und Chöre sowie ein Gemeindesaal entstehen. Im Vergleich zur Friedhofswiese müsse die Kirche Abstriche in Kauf nehmen, macht der Gemeindereferent deutlich. „Aber die Attraktion in der Ortsmitte hat das alles geschlagen.” Man wolle sich nicht hinter Kirchenmauern verschanzen. „Die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort ist uns ein Anliegen.”
Die Kooperation mit der Kirche bringt auch für die Kommune Vorteile. „Für uns ist das ein Glücksfall, weil wir eine große Zahl an Bedarfen haben.” Als Beispiele nennt Schmoll das Bündnis für Familie mit dem Bürgertreff, die Volkshochschule, den Musikverein sowie den Heimat- und Geschichtsverein. Ein wesentlicher Punkt ist auch der Zugriff auf den Gemeindesaal. Der Bürgermeister sieht nämlich auf absehbare Zeit keine Chance, dass sich die Kommune selbst einen Veranstaltungssaal baut.
Beide Partner sind zuversichtlich, dass die Kooperation im zweiten Anlauf erfolgreich wird. „Es muss uns gelingen, dass die Kirche nicht mehr Geld braucht als am Friedhof.” Schlauer dürften die Verantwortlichen mit den Ergebnissen der Mehrfachbeauftragung werden. Klar ist schon jetzt: Es wird ein Millionenprojekt im einstelligen Bereich, das Kommune und Kirchengemeinde da miteinander realisieren wollen.