„Super Mario“ Farnbacher aus Ansbach bekommt in den USA eine neue Aufgabe | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.01.2025 18:00

„Super Mario“ Farnbacher aus Ansbach bekommt in den USA eine neue Aufgabe

Sonnyboys: Der vierte Fahrer fehlt noch, aber (von links) Mikhail Goikhberg, Mario Farnbacher und Parker Kligerman werden beim IMSA-Auftakt in Daytona den Lamborghini von Forte Racing steuern. (Foto: Brayan Castiblanco)
Sonnyboys: Der vierte Fahrer fehlt noch, aber (von links) Mikhail Goikhberg, Mario Farnbacher und Parker Kligerman werden beim IMSA-Auftakt in Daytona den Lamborghini von Forte Racing steuern. (Foto: Brayan Castiblanco)
Sonnyboys: Der vierte Fahrer fehlt noch, aber (von links) Mikhail Goikhberg, Mario Farnbacher und Parker Kligerman werden beim IMSA-Auftakt in Daytona den Lamborghini von Forte Racing steuern. (Foto: Brayan Castiblanco)

Lamborghini statt Aston Martin: Nach einem Jahr beim Rennstall Heart of Racing wechselt Mario Farnbacher erneut die Farben und die Automarke. Das überrascht nicht nur ein wenig, der Rennfahrer aus Ansbach ist auch ziemlich enttäuscht darüber, dass es so weit kam.

Das Positive vorneweg: Farnbacher hat mit Forte Racing ein neues Team gefunden, mit dem er weiter in der IMSA Sportscar Championship fahren kann, 2025 sogar in allen elf Läufen der nordamerikanischen Rennserie. In der abgelaufenen Saison war er nur sechsmal im Einsatz.

Farnbacher fährt damit das dritte Auto in drei Jahren. Ende 2023 war er nach mehreren Jahren als Werksfahrer bei Acura (gehört zu Honda) zu Heart of Racing gewechselt. Bei dem von Werksseite unterstützten Rennstall hatte er sich einen Karrieresprung erhofft, wie er sagt.

Hoffnungen auf einen Start in Le Mans

Beim Wechsel habe „ganz klar eine Rolle gespielt“, dass Aston Martin einen neuen Prototypen entwickelt hat, der ab 2025 in der höchsten Kategorie in der Langstrecken-Weltmeisterschaft und der IMSA-Serie eingesetzt wird. Farnbacher, der seit elf Jahren in der GT3-Klasse beheimatet ist, saß dann sogar bei den Testfahrten ab Mitte des Jahres am Steuer des neuen Wagens – und machte sich auch Hoffnungen auf Renneinsätze in einem der drei Aston Martin Valkyrie AMR-LMH.

„Es ist natürlich ein Traum, in der Königsklasse der Sportwagen zu fahren“, sagt der 32-Jährige. Stichwort: 24 Stunden von Le Mans. Dort wird die „Walküre“ um den Gesamtsieg mitfahren. Doch es kam alles anders, als er sich das ausgemalt hatte.

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Eine extrem schwierige Saison

Was im Hintergrund alles geschah, behält Farnbacher für sich. Er wolle keine schmutzige Wäsche waschen. Nur so viel: Die Nachricht habe ihn „sehr spät“ erreicht, er sei enttäuscht und nennt es „eine politische Entscheidung“, dass er keinen Vertrag für 2025 erhielt. Sein vorheriges Arbeitspapier lief nur ein Jahr.

Er spricht im Rückblick von einer „extrem schwierigen Saison“. Er war als dritter Fahrer bei den langen Rennen im Auto von Ross Gunn und Alex Riberas vorgesehen. Das sei „ein großes Manko“ im Hinblick darauf gewesen, sich möglichst schnell auf den Aston Martin Vantage AMR GT3 Evo einzustellen, meint der Ansbacher. „Es war nicht meine stärkste Saison“, muss er im Fazit zugeben.

Dennoch sei er von der Entscheidung überrascht worden und stand plötzlich ohne Cockpit für 2025 da. Er habe dann versucht, seine Kontakte in den USA, wo er nun schon seit 2012 Rennen fährt, spielen zu lassen. Am 14. Dezember kam ein Anruf: Forte Racing würde ihm einen Platz im Team anbieten. Zwei Tage später saß Farnbacher im Flieger nach Florida, um alles in trockene Tücher zu bringen.

Mikhail Goikhberg wird Kollege

Dort lernte er seine neuen Kollegen kennen und saß erstmals im Auto. „Ich kannte die Truppe nicht, aber ,Misha‘ kenne ich“, erzählt Farnbacher über das Jahr 2020, als Mikhail Goikhberg den Schwester-Acura im Team von Farnbacher fuhr. Die beiden bilden nun das Stammfahrer-Duo im Lamborghini Huracan GT3 Evo in der GTD-Klasse für Forte.

Goikhberg, ein 38-jähriger Kanadier mit russischen Wurzeln, ist ein Amateur, der schon viele Jahre bei IMSA unterwegs ist – ein gentleman driver.

„Aber er ist ein schneller Gentleman-Fahrer“, betont Farnbacher. Goikhberg geht in seine dritte Saison bei Forte, wurde in der abgelaufenen Saison Fünfter in der GTD-Wertung.

Auftakt beim 24-Stunden-Rennen von Daytona

Für die fünf langen Rennen im Rennkalender sucht das Team noch einen dritter Fahrer. Der vierte Kollege, der zum Saisonauftakt beim 24-Stunden-Rennen von Daytona nötig ist, steht derweil fest und ist eine interessante Figur: Parker Kligerman.

Der 34-Jährige kommt vom Nascar-Sport, fuhr dort 2023 und 2024 in der zweiten Liga (Xfinity Series) und arbeitet seit 2013 als Fernsehreporter für den Sender NBC, auch schon bei einigen IMSA-Rennen. Die Sportwagen-Welt ist somit nicht ganz neu für ihn. Die 24 Stunden von Daytona werden aber sein Renndebüt in einem GT3-Auto sein.


Es war nicht meine stärkste Saison.

Mario Farnbacher

Der Auftakt beim prestigeträchtigen Marathon in Florida dürfte also spannend für Farnbacher werden. Bis dahin bleibt wenig Zeit, sich auf den Huracan einzustellen. „Es ist ein tolles Auto, aber jedes Auto hat so bissel seine Eigenheiten. Jetzt ging es erstmal darum, Erfahrungen mit den Torque-Sensoren zu sammeln, die nun vorgeschrieben sind. An den Details müssen wir noch arbeiten.“

Wie der Fahrplan bis zum Rennen am 25./26. Januar, für das 61 Wagen gemeldet sind, aussieht, stehe noch nicht genau fest, meint Farnbacher. Er hoffe, auch vor dem offiziellen Test-Wochenende „Roar Before The 24“ (17. bis 19. Januar) nochmal in den Lamborghini steigen zu können.

Farnbacher will jetzt nach vorne schauen

Nach der Enttäuschung mit Aston Martin will „Super Mario“, wie er in den USA oft genannt wird, jedenfalls nach vorne schauen. „Ich bin happy, diese Chance zu bekommen, und sehr dankbar.“

Seine ersten Erfahrungen mit dem Team hinter Forte Racing seien sehr gut gewesen. Er spricht sogar schon von einem „Glücksgriff“.

Was die Saison bringt, muss sich zeigen. Vielleicht lohnt nochmal ein Blick zurück auf 2020. Mikhail Goikhberg steuerte damals das Schwesterauto des Mannes, der die Fahrermeisterschaft der GTD-Klasse gewann. Der hieß: Mario Farnbacher.

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