Stromproduktion: Diese Möglichkeiten hat der Landkreis Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.08.2025 09:00

Stromproduktion: Diese Möglichkeiten hat der Landkreis Ansbach

Photovoltaik ist nur eine der Säulen für die Stromerzeugung im Landkreis. Auch Windräder und Biogasanlagen tragen erheblich bei und sorgen so für einen guten Mix. (Foto: René Chlopotowski)
Photovoltaik ist nur eine der Säulen für die Stromerzeugung im Landkreis. Auch Windräder und Biogasanlagen tragen erheblich bei und sorgen so für einen guten Mix. (Foto: René Chlopotowski)
Photovoltaik ist nur eine der Säulen für die Stromerzeugung im Landkreis. Auch Windräder und Biogasanlagen tragen erheblich bei und sorgen so für einen guten Mix. (Foto: René Chlopotowski)

In Sachen erneuerbare Energie ist der Landkreis Ansbach schon sehr gut aufgestellt und liefert rechnerisch mehr Strom als hier verbraucht wird. Wie sich das Potenzial besser nutzen lässt und vor allen Dingen, wie sich Erzeugung und Bedarf weiter entwickeln, zeigt ein neuer Energienutzungsplan.

Dieser ist nun im Wirtschafts- und Strukturförderungsausschuss des Kreistages vorgestellt worden. Den Plan ließ der Landkreis erstellen, doch es gibt Daten für jede Kommune. Die genaue Analyse bekommen Städte und Gemeinden zur Verfügung gestellt und können sie beispielsweise für ihre kommunale Wärmeplanung nutzen, wie Landrat Dr. Jürgen Ludwig deutlich machte.

Der Landkreis sei mit dem digitalen Energienutzungsplan (ENP+) in Bayern vorne dabei, befand der Landrat. Er lobte die Zusammenarbeit mit Stadt- und Gemeindewerken, der N-Ergie oder dem Campus Feuchtwangen der Hochschule Ansbach. Thomas Merkel, der Leiter der Wirtschaftsförderung, hob hervor, dass der ENP nicht bindend sei. Er könne als Planungsinstrument jedoch hervorragende Dienste leisten.

Ein deutlicher Stromüberschuss

Erarbeitet hat den Plan das Institut für Energietechnik (IfE) aus Amberg. Im Jahr 2023 – auf dieser Basis fand die Analyse statt – lag der Strombedarf im Landkreis Ansbach demnach bei knapp 815.000 Megawattstunden (MWh). Spitzenreiter ist Feuchtwangen vor Dinkelsbühl, Rothenburg, Herrieden, Heilsbronn, Wilburgstetten, Petersaurach und Dietenhofen, zeigte Maximilian Conrad vom IfE auf. Heizstrom und Elektromobilität sind allerdings nicht erfasst. Gut drei Viertel des Stroms fließen in die Wirtschaft, etwas mehr als 20 Prozent in die privaten Haushalte.

Erzeugt wurden 2023 im Landkreis mehr als 1,3 Millionen MWh, also rein rechnerisch gut das eineinhalbfache des Bedarfs. Aus Conrads Sicht ist auffällig, dass sich Ansbach hierbei nicht nur auf eine einzige Quelle stützt, sondern auf einen bunten Energiemix setzt.

Wasserkraft ist vernachlässigbar

Der Landkreis Ansbach ist Biogas-Gebiet. 480.000 Megawattstunden Strom wurden in Biogasanlagen erzeugt. Photovoltaik ist mit rund 500.000 nur geringfügig stärker – davon kommen 300.000 MWh von Dächern und 200.000 von Freiflächenanlagen. Die Windkraft lieferte gut 340.000 MWh. Wasserkraft und Kraftwärmekopplung sind vernachlässigbar.

Nimmt man den Wärmebedarf in die Berechnungen mit hinein, verändert sich das Bild. Dann reicht die erzeugte Energie nicht mehr aus. Fast 2,5 Millionen Megawattstunden werden in privaten Haushalten (zwei Drittel) und Wirtschaft (ein Drittel) benötigt.

Mehr Photovoltaik auf den Dächern

Spitzenreiter ist auch hier Feuchtwangen. Es folgen Wilburgstetten, Dinkelsbühl, Rothenburg, Steinsfeld, Herrieden, Heilsbronn, Windsbach, Neuendettelsau und Bechhofen. Auffällig: Die Kommunen auf den vorderen zehn Plätzen haben jeweils einen deutlich höheren Anteil an Wärme für die Wirtschaft als nur ein Drittel. Ebenfalls auffällig ist, dass der Verkehr im Landkreis in der Energiebilanz ebenfalls deutlich zu Buche schlägt. Hier geht es vor allem um fossile Kraftstoffe.

Aus dieser Analyse heraus haben die Fachleute in Amberg prognostiziert, wie sich die Situation bis 2040 verändern wird. Bis dahin strebt Bayern an, klimaneutral zu sein. Conrad und seine Kollegen haben ein konservatives und ein ambitioniertes Szenario sowie einen Mittelweg untersucht. Dabei geht es darum, wie viele Gebäude jährlich saniert werden oder wie viele Gasheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden.

Das IfE erwartet deutlich mehr PV-Anlagen auf den Dächern, weitere Freiflächen-PV-Anlagen und zusätzliche Windräder. Auf der anderen Seite sehen die Fachleute einen Rückgang beim Biogas-Strom und mehr Bedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität. Alles in allem würde beim Mittelweg die erzeugte Energiemenge den Bedarf um gut 20 Prozent übersteigen. Im ambitionierten Szenario wäre sogar ein doppelt so hoher Wert zu erreichen. Mit nur wenigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen könnte der Landkreis hingegen seinen Bedarf nicht decken. Aus Sicht von Conrad zeigen die Zahlen klar, welche Möglichkeiten sich für den Landkreis hier auftun. „Da stecken Euros dahinter.”

Speichermöglichkeiten helfen nur bedingt

Conrads Kollege Patrick Dirr hat die Zahlen noch etwas differenzierter betrachtet und kam zum Schluss, dass selbst mit Batteriespeichern in Zukunft „immer noch sehr viel Strom, den wir nicht selbst verbrauchen können” übrig bliebe, so Dirr. Mit einem Elektrolyseur, der aus Strom Wasserstoff erzeugt, ließe sich die Energie zwar speichern. Doch sind die Verluste bei diesem Vorgang und der Rückumwandlung immens groß, gab er zu bedenken.

Renate Hans (Freie Wähler), die Bürgermeisterin von Lehrberg und Kreisvorsitzende des Gemeindetages, bedankte sich, dass der Landkreis den Kommunen die Daten zur Verfügung stellt. Aus ihrer Sicht ist „eine komplette Autarkie nicht greifbar”, weil es sich ja nur um rechnerische Werte handelt und immer wieder Strom importiert werden müsste.

Die Diskussion selbst driftete dabei in grundsätzliche Überlegungen zum Strommarkt ab. Klaus Schülein (CSU) sprach einen Appell für „bezahlbaren Strom” aus. Jürgen Schilling (ÖDP) kritisierte, dass Netzbetreiber selbst bisher keine Batteriespeicher vorhalten dürfen.

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