Seit Juli sollten Bauwerber in Oberntief, einem Ortsteil von Bad Windsheim, eigentlich schon ihr Eigenheim errichten können. Bakterien in der Wasserleitung machen einen Anschluss ans Ortsnetz momentan aber noch unmöglich. Die Hoffnung liegt nun auf der Probe vom Freitag, das Ergebnis wird Anfang der Woche erwartet.
„Seit 30 Jahren bin ich jetzt in dem Geschäft, aber so einen Fall hatte ich tatsächlich noch nie.“ Reinhold Ströbel ist bei den Stadtwerken Bad Windsheim zuständig für Wasser, Gas und Wärme. Er gibt einen Rückblick auf die vergangenen Monate im Baugebiet Oberntief. So seien die Wasserleitungen für die drei Bauplätze im Norden des Ortsteils eigentlich Anfang Juli verlegt gewesen. Bei einer ersten Probenentnahme allerdings seien Bakterien im Wasser gefunden worden.
Das sei erstmal nichts Ungewöhnliches, erklärt Ströbel. Es komme schon vor, dass auch bei einer zweiten Beprobung Grenzwerte überschritten werden, dann brauche man eine dritte, „aber sowas wie in Oberntief, hab’ ich noch nicht erlebt.“
Die Leitungen wurden gespült, desinfiziert, das Wasser erneut beprobt. Immer wieder wurde der Vorgang wiederholt. Immer wieder waren die Werte für coliforme Keime, die auf menschliche oder tierische Ausscheidungen zurückzuführen sind, koloniebildende Einheiten und Pseudomonas aeruginosa oberhalb der zulässigen Grenzwerte. Einer der Werte habe nie gepasst. Insgesamt wurde das Wasser bislang zehn Mal beprobt, das heißt, es haben 20 Entnahmen durch ein zertifiziertes Labor stattgefunden.
Alle Experten vor Ort seien momentan ratlos. Da man die Quelle nicht gefunden habe, wurden Ende August sogar die Leitungen noch einmal komplett ausgetauscht, erklärt Ströbel. Eine Druckprüfung sei dann zunächst fehlgeschlagen, was erneut zu einer Verzögerung der Baustelle führte. Nachdem diesbezüglich alles gepasst habe, erfolgte erneut die erforderliche Beprobung. Und wieder tummelten sich die drei Bakterienarten im Wasser, wenn auch in geringerer Menge, als zuvor.
Die nahe liegende Vermutung, dass das Wasser selbst und nicht die Leitungen der Auslöser für das Problem sein könnten, verneint Ströbel. Man haben auch an der Entnahmestelle im Ort, die sich im Feuerwehrhaus befindet und an der ohnehin regelmäßig Proben genommen werden, Wasser entnommen und testen lassen. „Diese Proben waren einwandfrei“, sagt Ströbel.
Auch müssten sich die Oberntiefer keine Sorgen bezüglich des Wassers machen. „Das ist ein abgeschlossenes Netz.“ Angeschlossen werde erst, wenn im Baugebiets-Kreislauf alle Werte eingehalten sind, beruhigt Ströbel. Die Stadtwerke und auch die Fachfirmen arbeiten dabei besonders gewissenhaft.
Die Leitungen seien „nicht klinisch rein“, wenn sie auf die Baustelle kommen. Sie werden in mehreren Lagern untergebracht, bis sie den Endverbraucher erreichen. Zwar schützen Plastikdeckel davor, das grober Dreck reingelangt, aber „sie werden in der freien Natur verlegt.“ Auf Baustellen sei nun mal Dreck. Deshalb sei Spülen und in den meisten Fällen auch Desinfizieren Pflicht, erklärt Ströbel.
Die warmen Temperaturen in den Sommermonaten könnten laut Ströbel eine Rolle gespielt haben, dass sich die Bakterien stark vermehrt hätten. Bislang sei das aber reine Spekulation. Genau wie ein Fehler bei der Probenentnahme. Momentan blieb nur die Hoffnung darauf, dass die letzten beiden Proben, die Donnerstag und Freitag genommen wurden, frei sind von Erregern. Dann kann auch der erste Bauwerber loslegen, für die anderen beiden Plätze gibt es laut Claus Düll vom Liegenschaftsamt zwei Interessenten. Sind immer noch Keime da, müsse man weitersehen.