Mit rund 13 Millionen Euro ist der neue Kultur-Bauhof des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim das teuerste Projekt in dessen Geschichte. Der Umzug des bisherigen Bauhofes, mit seinen Stationen innerhalb und außerhalb des Museums, war für die 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus herausfordernd.
Aufgrund der Dimension des Umzuges war es eine zeitliche Herausforderung für die Handwerker des bisherigen Betriebsbauhofes des Fränkischen Freilandmuseums unter der Leitung von Ernst Baßler. Der zeigte sich beim Gespräch mit unserer Redaktion selbst überrascht vom guten Gelingen. „Im Vorfeld hätte ich nicht an diesen schnellen Umzug gedacht. Aber die Gewerke arbeiten Hand in Hand“, sagt Baßler.
Maurer, Schmiede und Schlosser, Schreiner, Zimmerer, Maler, Putzer, Mitarbeiter der Ziegelei und des Depots sowie eine Elektrofachkraft sind im Bauhof tätig. Dazu kommt der Hausmeister. Außerdem ist das Freilandmuseum auch Ausbildungsbetrieb. Mit den neuen Hallen und Räumen wächst im Museum „zusammen, was zusammen gehört“. Die Handwerker profitieren dabei vor allem von den weitaus geräumigeren Arbeitsbedingungen sowie der unmittelbaren Nachbarschaft der verschiedenen Lager, die nahezu alle mit integriert wurden. Zusätzlich wurden, wo nötig, neue Maschinen angeschafft.
Beispielsweise erleichtert ein neuer Portalkran mit fünf Metern Höhe den Bauhofmitarbeitern das Heben schwerer Lasten. Bisher musste dazu jeweils ein Kran einer externen Firma angefordert werden. Eine neue Band- und eine Kappsäge gehören nun ebenfalls zum Inventar. Investitionen, die sich für die tägliche Arbeit auszahlen.
Die Mitarbeiter des Kultur-Bauhofes sind allesamt hochspezialisiert für die Tätigkeiten an und in den historischen Gebäuden. Der sensible Umgang mit der jeweiligen Hausgeschichte fordere nicht nur die entsprechenden Werkzeuge, sondern „ein besonderes Wissen um die historischen Arbeitstechniken“, erklärt Dr. Markus Rodenberg, stellvertretender Museumsleiter.
Auch er zeigte sich zufrieden mit dem Umzug der „Keimzelle des Museums“. Noch vor dessen Beginn seien die Sammlungen verschiedener historischer Baumaterialien konsequent neu bewertet und das Inventar überprüft worden, erläutert Rodenberg, der intern als Teamleiter „Wissenschaft & Sammlung“ agiert. Beispielsweise lagerten historische Türbeschläge in Gitterboxen im bisherigen Bauhof.
Ein Blick in das neue Betriebsgelände am westlichen Eingang des Museums zeigt, mit welchen Herausforderungen die Mitarbeiter zu kämpfen hatten. Auf großen Schwerlastregalen lagern, durch Überdachungen von Wind und Wetter geschützt, lange Bretter und Balken. Sie wurden mittels eines museumseigenen Langholzanhängers dorthin transportiert.
Dass neben den optimalen Arbeitsbedingungen auch die Arbeitssicherheit einen Sprung nach vorne machte, liegt auf der Hand. Und der Aufenthaltsraum im ersten Stock, in dem unter anderem Büros Platz gefunden haben, steht nun auch Angestellten aus dem unmittelbar neben dem Bauhof liegenden umfangreichen Sammlungsbereich des Freilandmuseums zur Verfügung. Dass Durchfahrtshöhen für Lastkraftwagen, beispielsweise für die Anlieferung größerer Gebäudeteile historischer Anwesen, ebenfalls berücksichtigt wurden, ist fast schon selbstverständlich – nichts geht schließlich über gute Vorbereitung.
„Wir sind unter den deutschen Freilichtmuseen das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk.“
Doch wieso heißt das neue Domizil „Kultur-Bauhof“? Um Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster zu zitieren: Ihm sei wichtig, „dass der neue Kulturbauhof der zentrale Ort der Wissensvermittlung und der Museumspädagogik sein wird”. Möglich wird dies unter anderem durch einen Raum, der rund 80 Personen aufnehmen kann. In diesem flexibel nutzbaren Kursraum sollen künftig zentral für die Museumspädagogik Tagungen, Veranstaltungen und Workshops zu historischen Arbeitstechniken durchgeführt werden, samt praktischer Arbeit.
Museumsdirektor Dr. Herbert May würdigte schon bei der Grundsteinlegung das Konzept: „Wir sind unter den deutschen Freilichtmuseen das Kompetenzzentrum für historisches Handwerk“. Und selbst an die Besucher wurde gedacht. Durch ein groß dimensioniertes Fenster können sie Bauhofmitarbeitern in der Abbundhalle gelegentlich bei deren verantwortungsvoller Tätigkeit zum Erhalt historischer Bausubstanz zusehen. Offiziell eröffnet wird das neue Domizil am 13. September.