Bei Starkregen tritt der Mühlgraben in Dorfgütingens Norden immer wieder über seine Ufer. Die Folge sind massive Überflutungen vor allem im Bereich der Tankstelle an der B25. Doch das soll bald ein Ende haben: Der Bau- und Verkehrsausschuss des Feuchtwanger Stadtrats hat sich nun für eine deutliche Verbesserung des Hochwasserschutzes ausgesprochen.
Zwar dient eine von der B25 abzweigende Straße im Nordwesten des Feuchtwanger Ortsteils, unter der der Mühlgraben von Westen her hindurchfließt, bereits als Deich. Doch der hält bei kräftigen Niederschlägen das vom Hang her strömende Wasser nicht hinreichend zurück.
Um Abhilfe zu schaffen, hat die auf Risikomanagement und Frühalarmsysteme bei Starkregen spezialisierte Firma Spekter mit Sitz in Herzogenaurach bereits mögliche Maßnahmen für den Hochwasserschutz in Dorfgütingen erarbeitet. Diese hat das Herriedener Planungsbüro Heller inzwischen weiterentwickelt.
Dessen Mitarbeiterin Daniela Wolf stellte in der Sitzung des Fachausschusses zwei mögliche Varianten für den Hochwasserschutz vor. Bei der ersten würde der Straßendamm um etwa 90 Zentimeter erhöht und der Abfluss auf maximal einen Kubikmeter Wasser pro Sekunde gedrosselt. Diese mit rund 700.000 Euro veranschlagte Lösung würde zur Rückhaltung bei einem Hochwasserereignis, wie es im Schnitt alle 30 Jahre vorkommt (HQ 30), genügen.
Gleichwohl sprachen sich die Ausschussmitglieder einmütig für die zweite, sehr viel weitergehende Variante aus, die nach Aussage der Planerin für ein 100-jährliches Hochwasser (HQ 100) plus einem 15-prozentigen Klimazuschlag ausgelegt ist. Dazu soll der Deich um bis zu zwei Meter höher als bisher und noch ein Stück entlang der B25 in Richtung Norden weitergeführt werden, um ganz Dorfgütingen gegen die Fluten möglichst zu schützen.
Für den Ablauf des Mühlgrabens sieht diese Lösung ebenfalls eine Begrenzung auf einen Kubikmeter pro Sekunde vor. Dazu kommt eine gezielt anzulegende Überlaufstelle in der Deichkrone. Dort soll Wasser kontrolliert abfließen können, wenn im Fall der Fälle das 20.000 Kubikmeter fassende Rückhaltebecken überfüllt sein sollte. In diesem Zusammenhang räumte Daniela Wolf allerdings ein, dass es nie einen 100-prozentigen Schutz gegen die Fluten bei Sturzregen geben könne.
Diese zweite Variante, deren Umsetzung auch Tiefbauamtsleiter Jörg Körner ausdrücklich als „etwas Gescheites“ empfahl, schlägt nach aktueller Berechnung mit 900.000 Euro zu Buche. Allerdings winken der Planerin zufolge da – im Gegensatz zu Variante eins – Zuschüsse in Höhe von 50 bis 75 Prozent.
Ergänzend dazu riet Daniela Wolf mit Blick auf drohende Überschwemmungen, über ein Frühwarnsystem für die Bevölkerung nachzudenken. Wie es in der Sitzung hieß, würde diese App, die den drohenden Anstieg der Pegel zeigt, zwischen 30.000 und 40.000 Euro zusätzlich kosten.
Als „nächsten Schritt“ kündigte Tiefbauamtsleiter Körner an, auf Dorfgütingens Einwohner zuzugehen, zumal die Umsetzung der in der Sitzung vorgestellten Pläne „vom Grunderwerb abhängig“ sei. Aber: „Die Leute wissen, dass wir da etwas machen und Land dazu brauchen.“
In diesem Zusammenhang meinten Fraktionsvorsitzender Thomas Heidecker und Werner Hirsch (beide UBF), die Stadt möge nur diejenigen Flächen kaufen, die konkret für die Baumaßnahmen benötigt werden. Indes ließen sich mit den Grundeigentümern, deren Flächen aufgrund der Rückhaltung zeitweilig überschwemmt werden können, Verträge mit einer Entschädigungsregelung abschließen.
Zum Zeitplan erklärte Jörg Körner, nach dem Grunderwerb sollten die wasserrechtlichen Fragen bis Frühjahr 2025 geklärt sein, um danach die Aufnahme in das Förderprogramm anzustreben. Davon abhängig sei schließlich der Baubeginn, der spätestens im Jahr 2026 erfolgen sollte.
„Alles, was wir zurückhalten, fließt nicht in die Sulzach“, hob Bürgermeister Patrick Ruh die über die Verbesserungen in Dorfgütingen weiter hinaus reichende Bedeutung dieser Planungen hervor. Denn: „Wenn wir einen Teil abfedern, dann bekommen wir auch im gesamten Unterlauf der Sulzach ab Dorfgütingen und damit in der Kernstadt eine Entlastung.“