Für die Rettung von Obstbäumen sind die westmittelfränkischen Initiativen „EinHeimischer“ und „hesselberger“ deutlich gewachsen. Unter dem Dach der Metropolregion haben sie mit vier anderen Partnern das Projekt „Streuobstwiesenliebe“ begonnen.
„Obstbäume sind ein fränkisches Thema. Hier steht die Wiege des deutschen Obstanbaus“, sagt Norbert Metz vom mittelfränkischen Landschaftspflegeverband mit Sitz in Ansbach. Er engagiert sich seit langem für die Bäume, die an vielen Ortsrändern, in sanften Hängen und vor Wäldern stehen. Obstbäume im traditionellen Sinn, mit hohen Stämmen, keine Zwergenbäumchen wie in den Plantagen, die ständig gespritzt werden, damit sie im Turbotempo Produkte für die Supermärkte mit perfekter Optik abwerfen.
Norbert Metz meint die echten Obstbäume. „In diesen Wochen verzaubern sie wieder unsere Landschaft“, schwärmt er. „Nach den Schlehen blühen Zwetschgen, Kirschen, Birnen und Äpfel.“ Der Name Streuobstwiese hat sich entwickelt, weil sie oft einen größeren Abstand zueinander haben und wirken, als seien sie über die Landschaft verstreut. „Aber viele Streuobstwiesen sind bedroht“, sorgt sich Metz. Ihnen kommen Neubauten und intensiv genutzte Äcker gefährlich nahe.
„Wer Obstbäume schützt, erhält auch Flächen.“ Flächen, die für die Natur extrem wertvoll sind. Bis zu 5000 Pflanzen- und Tierarten leben unter den Zweigen. „Die Bäume haben unsere Großeltern und Eltern gepflanzt. Wir müssen alles tun, damit auch unsere Kinder und Enkel die Wiesen erleben.“
Weil sie Arbeit machen und immer mehr Besitzer die Früchte im Herbst einfach auf dem Boden liegen lassen, geht die Rettung nur über den Geldbeutel. „Wir müssen den Wert deutlich machen“, fordert Metz. In der Metropolregion Nürnberg gibt es etliche Mostereien und Initiativen, die aus frisch gepressten Früchten, Säfte, Schorlen und Seccos abfüllen. Je mehr davon verkauft werden, desto mehr Geld steht den Besitzern für den Erhalt alter und das Pflanzen neuer Bäume zur Verfügung.
Deshalb gibt es in der Metropolregion, die 23 Landkreise und elf kreisfreie Städte bilden, jetzt das Projekt „Streuobstwiesenliebe“. Bei ihm sind die Initiativen „EinHeimischer“ aus Burgbernheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und „hesselberger“ für die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen dabei, dazu „Pomme200“ von der Hersbrucker Alb, „Brombachseer“ aus Absberg in Weißenburg-Gunzenhausen, „Apfel-Grips“ aus dem Landkreis Bayreuth und „Jura-Distel“ von den Landschaftspflegeverbänden Amberg-Sulzbach, Neumarkt, Regensburg und Schwandorf.
Unter der Dachmarke „Streuobstwiesenliebe“ behalten sie ihre Eigenständigkeit, ihre Namen und ihre Etiketten. Gegenüber Firmen, Großkunden und Verbrauchern treten sie jedoch als Einheit auf, um wahrgenommen zu werden und ihre Absatzkanäle zu erweitern. Erste Erfolge sind erzielt, berichtet Norbert Metz. „Wir sprechen gezielt mögliche Kunden an, die auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz setzen. Einige Firmen sind schon dabei, für ihre Kantine, Veranstaltungen oder Geschenke.“
Matthias Schwarz, der Bürgermeister von Burgbernheim, begrüßt die neue Dachmarke: „Wir sind keine Konkurrenten, sondern haben das gleiche Ziel“. Zwischen den Projekten „EinHeimischer“ und „hesselberger“ habe es schon immer enge Kontakte gegeben, aber nicht zu den anderen vier Partnern. „Es tut gut, sich kennenzulernen und jetzt gemeinsam eine überörtliche Plattform zu erreichen.“
Der Markt in der Metropolregion sei groß genug für alle, sowohl bei Verbrauchern als auch bei Firmen. „Das ist eine Riesenchance, auf unsere Produkte aufmerksam zu machen. Alleine kann keiner im Großraum Nürnberg Fuß fassen. Dafür sind wir der Metropolregion sehr dankbar“, betont der Bürgermeister der Stadt am Hang der Frankenhöhe hinunter in die Windsheimer Bucht.
Ihre Lage an gleich zwei Bahnlinien ist für Matthias Schwarz ein weiteres Plus. „Wer sich unsere Obstbäume selbst anschauen will, ist schnell hier.“ Am kommenden Sonntag, 23. April, ist Burgbernheim Ziel in der Ausflugsreihe „In die Blüte gehen“. Damit will die Metropolregion auf die Schönheit blühender Obstbäume aufmerksam machen. Beginn des offiziellen Programms mit Führungen und Info-Ständen ist um 13.30 Uhr am Minigolfplatz.
Ein weiterer Termin dieser Reihe findet am Freitag, 28. April, von 14 bis 16 Uhr im Dinkelsbühler Ortsteil Sinbronn statt. In Sichtweite zum Hesselberg geht es dann unter anderem um eine seit dem Jahr 1898 angelegte Birnenallee und die Reize der Fränkischen Moststraße. Der Termin war zunächst eine Woche später geplant, wurde jedoch wegen der Witterung vorgezogen.
Informationen zu den Veranstaltungen gibt es auf der Homepage der Initiative.