Rothenburg hat Übersee im Blick und geht neue Theaterwege | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.04.2025 17:03

Rothenburg hat Übersee im Blick und geht neue Theaterwege

Laut Dr. Jörg Christöphler werden gute Themen und gute Leute gebraucht. (Archivfoto: Karl-Heinz Gisbertz)
Laut Dr. Jörg Christöphler werden gute Themen und gute Leute gebraucht. (Archivfoto: Karl-Heinz Gisbertz)
Laut Dr. Jörg Christöphler werden gute Themen und gute Leute gebraucht. (Archivfoto: Karl-Heinz Gisbertz)

Der Intendant und Spielleiter des Toppler-Theaters, Jürgen Eick, hat die Eigenproduktionen der Saison 2025 dem Ausschuss für Kultur und Tourismus der Stadt vorgestellt. Außerdem berichteten Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler sowie Franziska Krause, Beauftragte für Kunst und Kultur sowie Leiterin des RothenburgMuseums.

Eick begann seinen Vortrag so: „Wir sind keine Opernbühne, sondern ein kleines, mit wenig finanziellen Mitteln ausgestattetes Theater.“ Es gehe nicht vorrangig darum, die größte Zuschauerrelevanz zu bekommen. „Wir sind ein Theater für alle, aber nicht für jeden.“

Die neue Spielzeit dürfe sich vom Bisherigen „deutlich unterscheiden“, wobei nicht übersehen werden dürfe, dass die jüngste Theatersaison sehr erfolgreich gewesen sei. Der Lokalbezug sei sehr gut, denn das Theater sei ein „Projekt für die Stadt, getragen von einer bürgerlichen Idee“. Der Spielort solle weiterhin gut in der Stadt vernetzt sein.


Wir veranstalten keine Schlagerabende und es muss auch nicht immer ein Kriminalstück sein.

Jürgen Eick

Das ansprechende und hochwertige Programm weise aber weit über die Stadtgrenze hinaus. „Wir veranstalten keine Schlagerabende und es muss auch nicht immer ein Kriminalstück sein.“

Deshalb müsse sich das Theater weiterentwickeln und neue Entscheidungen treffen. „Unsere Stücke kommen nicht als Übernahme von anderen Theatern.“ Zwei große Abendproduktionen sind geplant – das ist nicht neu. „Bezahlt wird nicht“ läuft vom 25. Juni bis 26. Juli und „Souvenir“ vom 30. Juli bis 31. August. Es gebe, so Eick, viele Ideen und Pläne für die Zukunft des Theaters. Und meinte: „Ich bin stolz darauf, das Toppler-Theater mindestens drei Sommer betreuen zu dürfen.“

Die Beauftragte für Kunst und Kultur, Franziska Krause, berichtete über ihre Interimstätigkeit im Ro-thenburgMuseum. Sie konnte eine sehr gute Jahresbilanz für das Jahr 2024 präsentieren, denn die Gesamtbesuchszahl habe im Vergleich zum Vorjahr immerhin um 900 zugenommen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

Hoffen auf Zugkraft des neuen Ausstellungsbereichs

Das erste Quartal dieses Jahres erscheine demgegenüber leider zwar etwas ernüchternd. Doch die für die kommenden Monate geplanten Angebote würden mit Sicherheit viele begeistern, meinte sie. Sie ging auch auf den Ende März eröffneten neuen Dauerausstellungsbereich „Der Rothenburger Weg“ von Kuratorin Edith von Weitzel-Mudersbach und Co-Kurator Hanns Berger ein. Diese spannt einen weiten Bogen vom Ende der reichsstädtischen Zeit 1802 bis in die Gegenwart.

Die Sonderausstellung „Die Waffen einer Reichsstadt“ läuft noch bis Dezember 2025. Mit der Sammlung Baumann verfüge das Museum über eine der größten Waffensammlungen in Deutschland. Für diese Sonderausstellung sei die Präsentation im Dormitorium neu konzipiert und auf das Wesentliche reduziert worden. Sie zeige anschaulich die Konfrontation stadtbürgerlicher mit bäuerlichen und adligen Waffensystemen.

Ein weiterer Höhepunkt im Sommer könne das bunte Sommerkulturprogramm „Kultur im Klosterhof“ im Areal zwischen dem Klostergarten, RothenburgMuseum und dem Toppler-Theater mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Führungen, Theater und vielem mehr werden.

Meisterkonzert war ausverkauft

Krause stellte auch die Bilanz des „Rothenburger Meisterkonzerts“ mit den Nürnberger Symphonikern in der Reichsstadthalle vor. Mit rund 500 verkauften Karten sei es komplett ausverkauft gewesen.

Das 31. „Rothenburger Meisterkonzert“ muss wegen der Sanierung der Reichsstadthalle eventuell in der Mehrzweckhalle stattfinden. Geplant ist es für den 28. November 2026. Dass sich dieses Musikprogramm der Extraklasse selber getragen habe, sei „ein außergewöhnlicher Glücksfall“.

Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler erläuterte in seinem Bericht, dass durch die enge Verzahnung von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen eine hervorragende Zusammenarbeit entstanden sei. Der einmalige Zuspruch der deutschen Gäste habe dazu beigetragen, dass die Stadt ihre besondere Attraktivität erneut habe unter Beweis stellen können. „Wir bleiben an den Märkten dran und werden vor allem die Überseemärkte weiter im Blick behalten.“


Die Deutschen schrumpfen. Wir brauchen Zuwanderung. Der demografische Wandel wird uns dramatisch treffen.

Dr. Jörg Christöphler

Mit einer Zunahme von 6,2 Prozent liege Rothenburg bei der Gästezahl gleichauf mit anderen bayerischen Städten. Christöphler: „Unter den 17 schönsten Kleinstädten Europas ist Rothenburg.“ Während sich die Europäer noch ein wenig zurückhielten, würden die Japaner nach Rothenburg zurückkommen. Dennoch würden zum Vor-Corona-Jahr noch gut 14.000 Übernachtungen fehlen.

Der Tourismusdirektor konnte in seinem Rückblick von zwei weiteren sehr erfreulichen Entwicklungen erzählen: „Der Märchenwald war ein sehr guter Erfolg – an sieben von zehn Tagen reichten die Plätze nicht aus. Und die Zusammenarbeit mit dem Campus Rothenburg war ein toller Erfolg.“ Doch er betonte auch: Für die Zukunft brauche man gute Themen und gute Leute, denn „die Vermarktung der tollen Stadtkulisse allein reicht nicht“.

Er schloss seine Ausführungen so: „Die Deutschen schrumpfen. Wir brauchen Zuwanderung. Der demografische Wandel wird uns dramatisch treffen. Wir wollen die Jungen nicht vergessen, aber wir dürfen die Alten auch nicht verlieren.“


Von Karl-Heinz Gisbertz
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