Veröffentlicht am 01.08.2022 22:17

Radelvergnügen: Dem Karpfen auf der Spur

An zahlreichen Karpfenteichen kommen die Radler vorbei. Viele sind bewirtschaftet. (Foto: Simone Hedler)
An zahlreichen Karpfenteichen kommen die Radler vorbei. Viele sind bewirtschaftet. (Foto: Simone Hedler)
An zahlreichen Karpfenteichen kommen die Radler vorbei. Viele sind bewirtschaftet. (Foto: Simone Hedler)

Ob gebacken, als gedünstetes Filet oder frittiertes Knusper: Die Zubereitungsarten des fränkischen Karpfens sind vielfältig. Noch besser schmeckt er allerdings, wenn man zuvor an der frischen Luft aktiv war. Und wo ginge das thematisch passender als auf einem der Karpfenradwege in der Region?

Der Feuchtwanger Karpfenradweg beispielsweise führt auf rund 50 Kilometern an mehr als 100 Weihern vorbei – auf asphaltierten Nebenstraßen und befestigten Flurbereinigungswegen, teilweise auch über geschotterte Waldwege. Als Startpunkt für die Rundtour bietet sich Kaltenbronn südöstlich von Feuchtwangen an. Zahlreiche Teiche sorgen hier nicht nur für ein schönes Landschaftsbild, sondern werden auch für die Erwerbsfischerei genutzt.

Durch die Altstadt von Feuchtwangen geht es dann Richtung Osten über die Ameisenbrücke zu den Wöhrweihern im Dentleiner Forst. Durch das fränkische „Holzputzerland“ führt der Radweg über den Flinsbachgrund bis nach Bechhofen. Von dort aus radelt man über den Wiesethgrund in das Kaierberger Mühlenland und zurück zum Ausgangspunkt.

Auswässern gegen das „Mooseln“

Mit etwas Glück wird man Zeuge, wenn ein Weiher gerade abgefischt wird. Denn den Karpfen soll man nur in Monaten ernten, die ein „r“ im Namen tragen – von September bis April also. So jedenfalls sieht es die Tradition vor. Der Grund dafür leuchtet ein: In früheren Zeiten konnte man die Fische wegen der Sommerhitze weder lebendig noch geschlachtet bedenkenlos transportieren. Dies war erst in der kühleren Jahreszeit möglich. Die großteils stattlichen Karpfen mit ihrem typischen vorgestülpten und mit vier Barteln bestückten Maul sollen dann jedoch nicht direkt in Pfanne oder Kochtopf wandern. Um den „mooselnden“ Geschmack zu verlieren, empfehlen Experten, ihn zuvor rund zwei Wochen lang im Auswässerungsbecken schwimmen zu lassen.

Die Karpfenernte wird in Franken zelebriert und geht vielerorts mit einer Reihe an öffentlichen Veranstaltungen einher. In Feuchtwangen beispielsweise gibt es Ende Oktober / Anfang November die Fisch- und Wildtage, in Dinkelsbühler die Fischerntewoche

Die Dinkelsbühler
„Blausieder“

Die Dinkelsbühler Fischzüchterroute ist mit rund 26 Kilometern etwa halb so lang wie die Feuchtwanger Tour, jedoch nicht minder lohnenswert. Vom Natur- und Vogelschutzgebiet Walkweiher/Gaisweiher aus geht es rund um die Weiherketten im Südwesten der Stadt, über Mönchsroth bis nach Wilburgstetten und zurück. Dabei radelt man nicht nur an Teichen und Weihern vorbei. Ein kurzer Halt bietet sich beispielsweise am Segringer Friedhof oder an der Heilig-Kreuz-Kapelle bei Wilburgstetten an.

Für die Dinkelsbühler ist der Karpfen jedoch noch mehr als „nur“ eine fränkische Delikatesse. Der Überlieferung nach bescherte er den Einwohnern den Spitznamen „Blausieder“. Demnach träumte einst ein Dinkelsbühler Ratsherr während der Verhandlung gegen einen verhafteten Räuber von einem gefangenen Karpfen. Während er über die beste Art der Zubereitung nachdachte, wurde er von seinem Tischnachbarn angestoßen. Auf die Frage, welche Strafe er für den Gesetzesbrecher vorschlage, antwortete er, noch immer mit seinem erträumten Karpfen beschäftigt: „Blausieden!“

Wen das Karpfen- und Radelfieber gepackt hat, der kann noch weiterfahren: Auf dem fränkischen Karpfenradweg zum Beispiel, der auf einer Gesamtlänge von 196 Kilometern bis nach Wolframs-Eschenbach, Windsbach, Heilsbronn und Dietenhofen führt – und wieder zurück.

Simone Hedler

north