Prozess zu Doppelmord im Irak: Mann aus dem Landkreis Ansbach bestreitet die Tat | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 16.01.2026 14:48, aktualisiert am 16.04.2026 20:48

Prozess zu Doppelmord im Irak: Mann aus dem Landkreis Ansbach bestreitet die Tat

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ein Mann aus dem Landkreis Ansbach Vater und Schwester im Irak erschoss. Nun steht er vor dem Landgericht an der Ansbacher Promenade. (Foto: Alina Boger )
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ein Mann aus dem Landkreis Ansbach Vater und Schwester im Irak erschoss. Nun steht er vor dem Landgericht an der Ansbacher Promenade. (Foto: Alina Boger )
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass ein Mann aus dem Landkreis Ansbach Vater und Schwester im Irak erschoss. Nun steht er vor dem Landgericht an der Ansbacher Promenade. (Foto: Alina Boger )

Ein 36-Jähriger aus dem Landkreis Ansbach soll seinen Vater und seine Schwester ermordet haben. Ab Donnerstag steht er vor dem Landgericht Ansbach. Der Angeklagte weist den Vorwurf zurück, er habe sich durch die Morde das Haus seines Vaters im Irak sichern wollen.

Ereignet haben sich die Morde laut der Staatsanwaltschaft Ansbach im Sommer 2025. Der Mann soll seine Familienangehörigen im irakischen Dorf Mahad gezielt durch Kopfschüsse getötet haben. Passiert ist das am Wochenende des 19. und 20. Juli während eines Heimatbesuches im Haus des Vaters, rund 100 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt. Den Schüssen voran waren wohl Streitigkeiten um ein Familienanwesen gegangen.

Schnell zurück nach Deutschland geflogen

„Relativ schnell”, nämlich am 21. Juli, ist der zur Tatzeit 35-Jährige, der einen deutschen und irakischen Pass besitzt, laut Jonas Heinzlmeier, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ansbach, nach dem Doppelmord wieder zurück nach Deutschland gereist. Noch während dieser auf der Rückreise war, informierten Familienangehörige aus Deutschland die deutsche Polizei.

„Ein Großteil der Familie lebt hier”, erklärt Heinzlmeier. Am Flughafen Nürnberg wurde der Mann direkt von der Polizei in Empfang genommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Einen dringenden Tatverdacht sah nicht nur der Ansbacher Haftrichter. Auch das Oberlandesgericht Nürnberg-Fürth bestätigte inzwischen den Haftbefehl.

Obduktionsberichte aus dem Irak

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Ansbach stützt sich unter anderem auf Dokumente, die die Familie der Opfer vorgelegt hat. Darunter sind auch die Obduktionsberichte, sagte Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf eine Anfrage der FLZ. Diese Berichte, die die Familie von den irakischen Behörden bekam, werde ein Rechtsmediziner als Gutachter erklären und bewerten. Auch ein psychiatrischer Sachverständiger wird gehört.

Eine Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden habe es nicht gegeben, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dies sei auch nicht notwendig, weil der Angeklagte mit Wohnsitz im Landkreis Ansbach neben der irakischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Damit könne die Staatsanwaltschaft Ansbach ohne die Behörden im Irak handeln.

Kurz nach Mitternacht ins Haus geschlichen

Die Anzeige hatten Angehörige erstattet, von denen einige auch zu den geladenen Zeugen gehören. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll sich der Angeklagte kurz nach Mitternacht in das Haus geschlichen haben, das seinem Vater gehörte und in dem seine Schwester lebte. Beide Schlafende soll er mit jeweils drei Schüssen aus nächster Nähe getötet haben. „Dem Angeklagten ging es darum, sein Erbteil zu vergrößern”, nannte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft als Motiv. Damit lägen die Mordmerkmale der Heimtücke und der Habgier vor.

Am Tatort wurden Patronen einer 9-mm-Pistole gefunden. Die Tatwaffe selbst sei nicht entdeckt worden, so Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier. Die Verhandlung beginnt am Donnerstag, 23. April, um 9 Uhr vor der Großen Strafkammer. Sie ist bisher auf sieben Tage angesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren
Doppelmord im Irak: Verteidiger zweifeln das Gutachten anFast 4000 Kilometer zum Tatort: Schwierige Suche nach zweifachem Mörder in AnsbachDoppelmord im Irak: Verteidigung zweifelt im Landgericht Ansbach an BeweisenZugriff auf der A6: Mutmaßliche Spione bei Neuendettelsau festgenommenMordversuch am Lebensgefährten der Tochter in Ansbach: Urteil ist rechtskräftigBurgoberbachs Bürgermeister setzt sich gegen Vorwurf der Verleumdung zur WehrAnsbacher Richter: Familienvater war neun Monate zu Unrecht hinter KlinikgitternMann geht mit Beil und Schaufel in Ansbach auf Nachbarn los: Urteil ist gesprochenNach Angriff mit Beil und Schaufel: 42-Jähriger am Landgericht Ansbach angeklagtNach Sturz einer Schwangeren in Ansbach: Hundehalter muss haften„Fassungslos”: Neue Wendung im Fall um bedrohten Bürgermeister aus OberdachstettenSoldat nach Todesfahrt entlassen: Ist jetzt die Staatsanwaltschaft Ansbach dran?Raubüberfälle in Ansbach: Jugendliche ziehen Berufung nach klarer Ansage zurückNach Überfällen auf H&M- und dm-Filialen in Ansbach: Zweite Runde vor GerichtProzess um Messerangriff in Neuendettelsau: Richter wollen zweites Gutachten

Von Daniela Ramsauer und Manfred Blendinger
north