Naturpark-Verein Steigerwald macht Acker zur Mähwiese | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.11.2024 12:00

Naturpark-Verein Steigerwald macht Acker zur Mähwiese

Zu Beginn des Projektes wurden auf dem ehemaligen Acker bei Hellmitzheim im Dezember 2020 auch einige Bäume gepflanzt. (Foto: Naturpark Steigerwald/Paul Malec)
Zu Beginn des Projektes wurden auf dem ehemaligen Acker bei Hellmitzheim im Dezember 2020 auch einige Bäume gepflanzt. (Foto: Naturpark Steigerwald/Paul Malec)
Zu Beginn des Projektes wurden auf dem ehemaligen Acker bei Hellmitzheim im Dezember 2020 auch einige Bäume gepflanzt. (Foto: Naturpark Steigerwald/Paul Malec)

Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft schrumpft seit geraumer Zeit, schreibt der Verein „Naturpark Steigerwald“ in einer Pressemitteilung. Er will in einem langfristig angelegten Förderprojekt zusammen mit der Stadt Iphofen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) eine ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche in Hellmitzheim in eine artenreiche Flachland-Mähwiese umwandeln.

Das Vorhaben läuft bereits seit gut vier Jahren. Der Naturpark, die Stadt Iphofen und der Landschaftspflegeverband Kitzingen wollen damit aufzeigen, was mit einer Rückwandlung zu einer artenreiche Wiese erreicht werden kann. Der Naturpark zog nun eine Zwischenbilanz, wie sich diese Fläche südöstlich von Hellmitzheim, in Richtung Altmannshausen, entwickelt hat.

Gewünschter Effekt schon im ersten Jahr

Zu Projektbeginn im Spätsommer 2020 wurde zunächst der Boden bearbeitet; einige Wochen lang brachte man dort geeignetes Mahdgut aus artenreichen Spenderflächen bei Rödelsee ein. Zudem wurden, als ergänzende Maßnahme, lockere Gehölzreihen aus Feld-Ahorn, Vogelkirsche und anderen gebietseigenen Baumarten gepflanzt. Sie sollen die künftige Wiese weiter aufwerten und darüber hinaus die beiden Waldabteilungen verbinden, zwischen denen der ehemalige Acker liegt.

Davon, so hoffen die Naturpark-Verantwortlichen, profitieren zum Beispiel auch viele Fledermausarten. Sie nutzen eine locker mit Gehölz bestandene, insektenreiche Wiese gerne als Jagdrevier. Hauptziel ist jedoch, durch gezielte Pflegemaßnahmen eine artenreiche Mähwiese zu entwickeln.

Unerwünschte Konkurrenten rechtzeitig herausmähen

Erste Erfolge stellten sich schon im Folgejahr – 2021 – ein, als bereits Wiesenkräuter nachgewiesen werden konnten. Die Pflege der Fläche richtet sich darauf, aufkommende konkurrenzstarke Gräser und andere Pionierpflanzen wie Trespe oder Acker-Kratzdistel durch eine regelmäßige Mahd vor deren Samenreife herauszunehmen.

Allerdings darf der erste Schnitt nicht zu früh im Jahr erfolgen, erläuterte der Naturpark-Verein, sondern erst ab etwa Juni. Denn die dort erwünschten Kräuter müssen ihrerseits aussamen können. Und bodenbrütende Vogelarten wie Feldlerche oder Grauammer haben durch den eher späten Schnitt eine Chance, ihre Brut durchzubekommen. Sehr wertvoll sei dabei, schreibt der Naturpark-Verein, die langjährige Erfahrung des Landschaftspflegeverbands und seiner Pflegelandwirte.

Ein Selbstläufer sei die Umwandlung von Ackerland in eine artenreiche Wiese jedenfalls in der Regel nicht, wird angemerkt. Es erfordere Geduld, und man dürfe sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Derlei droht etwa von Sommerhitze und fehlendem Niederschlag. So musste man bei den gepflanzten Gehölzen aufgrund von Trockenheit auch Ausfälle hinnehmen. Ein regenreicheres Jahr wie heuer kann ebenfalls einen erhöhten Pflegebedarf erfordern – um lichtliebende Kräuter nicht von schnellwachsenden Gräsern und anderen konkurrenzstarken Arten überwuchern zu lassen.

Regelmäßiges Artenmonitoring

Im nunmehr vierten Projektjahr ist die Artenzahl auf dem einstigen Acker eindeutig gestiegen, kann der Verein vermelden. Allerdings seien zwischenzeitlich immer wieder einige Anpassungen des Pflegeregimes nötig gewesen, um etwa die Ausbreitung unerwünschter Arten wie beispielsweise des Bitterkrauts zu begrenzen. Die Entwicklung der Fläche wird von einem Fachbüro begleitet, das ein regelmäßiges Artenmonitoring vornimmt und gegebenenfalls Tipps zu Pflegeoptimierungen gibt.

„Mit entsprechender Planung und etwas Durchhaltevermögen ist das Ziel einer artenreichen, bunten Wiese voller Leben aber definitiv erreichbar“, ist sich der Naturpark-Verein sicher. Über entsprechende Förderinstrumente – wie im vorliegenden Fall über die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie – lassen sich auch vergleichbare Vorhaben umsetzen. Der Naturpark Steigerwald steht hierfür als Ansprechpartner zur Verfügung.

Flachland-Mähwiesen

Viele Pflanzen und Tiere sind auf bestimmte Standortbedingungen angewiesen. Zahlreiche heimische Arten waren einstmals verbreitet, sind heutzutage jedoch in der ausgeprägten und intensiv genutzten Kulturlandschaft immer seltener zu finden. So benötigen beispielsweise etliche Insekten- und vor allem Schmetterlingsarten ganz bestimmte Pflanzen für ihre Entwicklung. Häufig gedeihen diese jedoch nur auf eher nährstoffärmeren Standorten. Die größte Artenvielfalt herrscht zumeist dort, wo der Nährstoffeintrag verhältnismäßig gering ist – wenn jede Art sehen muss, „wo sie bleibt“, entstehen in Anpassung an die knapperen Ressourcen auf demselben Raum gleichzeitig viele verschiedene Überlebensstrategien und damit eine hohe Artendiversität.Zu den diesbezüglich klassischen Lebensräumen gehören Magerrasenflächen, früher waren dies jedoch auch Flachland-Mähwiesen. Wie der Name schon andeutet, entstehen diese durch regelmäßige extensive Mahd mit anschließender Abfuhr und Verwertung des nährstoffreichen Mähguts. So wurden Nährstoffe aus der Fläche genommen. Dadurch konnte sich eine farbenfrohe und formenreiche Pflanzen- und Tiergesellschaft entwickeln. Etliche charakteristische Arten wie Wiesen-Salbei, Wiesen-Bocksbart, Wiesen-Glockenblume oder Wiesenknopf tragen diesen besonderen Lebensraum sogar im Namen.In intensiv bewirtschafteten Landschaften schrumpft diese Vielfalt jedoch rasch wieder, erklärt der Naturpark-Verein.

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