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Veröffentlicht am 06.10.2026 04:56

Mit diesem Supersports fährt Bentley zurück in die Zukunft

Kein Leichtgewicht, aber leichter: Bentley Supersports geht auf die Kurvenhatz. (Foto: Radu Chindris/Bentley/dpa-tmn)
Kein Leichtgewicht, aber leichter: Bentley Supersports geht auf die Kurvenhatz. (Foto: Radu Chindris/Bentley/dpa-tmn)
Kein Leichtgewicht, aber leichter: Bentley Supersports geht auf die Kurvenhatz. (Foto: Radu Chindris/Bentley/dpa-tmn)

Ferrari wurde für seinen elektrischen Erstling Luce von so einigen abgewatscht und AMG ging es beim viertürigen GT kaum anders. Jetzt will Bentley es besser machen. Zwar arbeiten auch die Briten an ihrem ersten Elektroauto und wollen die Generation E ab dem nächsten Sommer mit dem SUV Tocal ködern. Doch erst mal besinnen sie sich aufs Wesentliche und bringen jetzt einen neuen Supersports.

Der basiert auf dem Continental GT Speed, verliert beim Bodybuilding aber nicht nur den Vornamen, sondern auch seinen Plug-in-Hybrid und den Allradantrieb gleich mit. So wird der Brite vom Poser-Auto zum Puristen für Petrolheads, die dafür aber tief in die Tasche greifen und sich dieses Vergnügen stolze 420.000 Euro kosten lassen müssen - 80.000 Euro mehr als für das bisherige Topmodell GT Speed.

In der Theorie kein Trumpf...

Auf dem Papier ist das ein schlechtes Geschäft, denn in der Theorie bietet der Supersports deutlich weniger als der Speed: Ja, er sieht mit seinen scharfen Finnen an der Schürze und dem Carbon-Kragen auf dem Heckdeckel noch forscher aus, ohne gleich wie die Autos der Schwestermarke Lamborghini nach alleiniger Aufmerksamkeit zu brüllen. Und der mit Laser aus Vollaluminium geschnittene Grill ist ein Kunstwerk für sich. Aber der Fahrzeugschein ist eine Enttäuschung.

Während der Plug-in-Hybrid auf eine Systemleistung von 585 kW/782 PS kommt, schafft der Vierliter-V8 trotz stärkerer Turbos und neuer Software nur 490 kW/ 666 PS, und das maximale Drehmoment sinkt von 1000 auf 800 Nm. Das schlägt sich auch auf die Fahrleistungen nieder: Statt 3,2 Sekunden braucht der Supersports 3,7 Sekunden. Und wenn ihm bei 310 km/h die Luft ausgeht, fährt der Speed noch einmal 15 km/h schneller.

...aber auf Asphalt ein Ass

Aber darum geht es Bentley gar nicht. Der Supersports sticht nicht im Quartett, sondern direkt ins Herz, weil er das lebendigere und lustvollere Auto ist. Die irrwitzigen zehn Zentner weniger Wohlstandsspeck, die den Supersports zum leichtesten Bentley seit 85 Jahren machen, spürt man in jeder Kurve - und den Verzicht auf den Allradantrieb noch viel mehr.

Wie von einer schweren Last befreit und mit 22-Zoll-Pirellis wie an den Asphalt geklebt, tanzt das Leicht- oder besser: nicht-mehr-ganz-so-Schwergewicht jetzt durch die Serpentinen, ohne mit schwer zu bändigender Kraft nach außen zu schieben. Und wenn jetzt alle Leistung allein an die Hinterachse geht, kommt beim Herausbeschleunigen wieder mehr Leben ins Heck. Damit leistet sich der Supersports so manch kessen Schwung seiner Kehrseite. Wer dann noch das Stabilitätssystem ausschaltet, muss hellwach sein bei diesem wilden Tanz mit dem Elefanten.

Eine Titan-Tröte zum Berge einreißen

Dabei hilft neben der fast lasziven Lässigkeit beim Kurventanz und dem mitreißenden Fahrverhalten natürlich der Sound. Der Abgas-Spezialist Akrapovič hat dem Sportler eine Titan-Tröte geschmiedet, die nicht nur die Endrohre, sondern den gesamten Auspuff ersetzt. 

Wer damit ein enges Gebirgstal hinaufstürmt, scheucht nicht nur Bären und Schafe von der Fahrbahn die Hänge hinauf. Sondern das Bollern beim Zurückschalten und das Blaffen beim Gasgeben ist so laut, dass sich bisweilen ein paar Gesteinsbrocken lösen oder Schneebretter abbrechen können - kein Vergleich jedenfalls zum normalen GT, der vor allem bergab schnell in den E-Modus schaltet und so zum akustischen Tarnkappen-Bomber wird.

Noch immer viel Luxus - aber keine Rückbank mehr

Während die Ingenieure die Technik konsequent auf Spaß getrimmt haben, wahren die Designer den schönen Schein. Natürlich haben sie außen ein bisschen an der Aerodynamik gefeilt. Und drinnen gibt's die wie eine Hightech-Toblerone drehbare Walze für Navi, Uhren und Zierkonsole im Cockpit, um Gewicht zu sparen, nur noch als Option ohne Aufpreis. Und die Sitze sind etwas sportlicher geschnitten. 

Aber: Selbst in diesem Auto für Puristen leistet sich Bentley eine Opulenz mit dickem Leder und aus dem Vollen gefrästem Metall. 

Denkt man zumindest, bis der Blick zum ersten Mal über die Schulter geht. Spätestens dann erkennt man, wie konsequent die Briten den Supersports zu einem Fahrerauto gemacht haben. Denn wo bisher ein kuscheliges, aber ohnehin viel zu enges Ledersofa für die Hinterbänkler installiert war, gibt's jetzt nur noch eine Carbon-Ablage als Gepäckunterbringung. Sitzen will dort in so einem sportlich zu bewegenden Auto doch eh keiner mehr.

Fazit: Begehrter Anachronismus

Brummend laut, gegenüber dem Klima verantwortungslos, als reiner Achtzylinder etwa so zeitgemäß wie eine Propeller-Maschine im transatlantischen Liniendienst und dazu noch unverhältnismäßig teuer: Natürlich ist der Supersports ein Anachronismus und kein tragfähiges Konzept für die Zukunft.

Aber gerade deshalb reizt er offenbar diejenigen, die sich ihn leisten können. Denn die Kleinserie von 500 Exemplaren jedenfalls ist bereits vor dem Start ausverkauft. Das dürfte dem neuen Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser genügend Argumente geben, auch künftig das eine zu tun, ohne das andere zu lassen: etwa neben den politisch halbwegs korrekten Luxusmodellen und dem Torcal als elektrischem Erstling noch ein paar mehr analoge Spielereien zu parken.

Datenblatt: Bentley Supersports

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:261006-930-794708/1


Von dpa
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