Martina Schwarzmann macht in Wehlmäusel, was sie will | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.02.2025 18:56

Martina Schwarzmann macht in Wehlmäusel, was sie will

Begeisterte das „Wehlmäusler Forstkultur“-Publikum mit einer Vorpremiere: die Musik-Kabarettistin Martina Schwarzmann. (Foto: Jasmin Kiendl)
Begeisterte das „Wehlmäusler Forstkultur“-Publikum mit einer Vorpremiere: die Musik-Kabarettistin Martina Schwarzmann. (Foto: Jasmin Kiendl)
Begeisterte das „Wehlmäusler Forstkultur“-Publikum mit einer Vorpremiere: die Musik-Kabarettistin Martina Schwarzmann. (Foto: Jasmin Kiendl)

Mit einem „Griasts aich“ auf den Lippen kommt Martina Schwarzmann auf die „Wehlmäusler Forstkultur“-Bühne. Mit der Gitarre in der Hand schwingt sie sich auf den Barhocker und legt einen Ordner mit zahlreichen Blättern aufgeschlagen auf einen Notenständer. Eine Gedächtnisstütze. Sie kann noch nicht alle Texte auswendig.

Denn an diesem Abend spielt die Musik-Kabarettistin eine Vorpremiere – vor ausverkauftem Saal. Ihr neues Programm heißt „Martina Schwarzmann macht, was sie will“. Ihr macht es offensichtlich Spaß. Und das überträgt sich. Die Stimmung ist bestens.

In gewohnter Martina-Schwarzmann-Manier findet sich das Publikum von jetzt auf gleich mittendrin in einer losen Aneinanderreihung von (un-)möglichen Episoden aus ihrem Leben, die die 45-Jährige sehr bildhaft aufbereitet.

Fridays for Future mit den Waldbauern

Anscheinend frei von der Leber weg plaudert sie mit ihrem charmanten oberbayerischen Dialekt darauf los. Sie nimmt sich selbst nicht so ernst, was sie noch sympathischer macht.

Sie erzählt von ihrem ersten Auftritt – eine Comedy-Strip-Mixshow in einem Striplokal in München. Und sie hat eine Idee: Sie will die Fridays-for-Future-Bewegung mit Waldbauernvereinigungen zusammenbringen. Statt zu demonstrieren, könnte die Jugend doch helfen, Bäume zu pflanzen.

Martina Schwarzmann ist Mutter von vier Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren. Gerade genieße sie es, bekennt sie. Keines mache mehr in die Hose und noch komme keines besoffen nach Hause. Sie versuche, eine „gute Mama“ zu sein und erziehe gemäß dem Motto „Ein Kind, das nix darf, wird ein Erwachsener, der nix kann“. Der Alltag mit dem Nachwuchs verleide ihr jedoch den Juli. In dem Monat jagt ein Abschlussfest von gelangweilten, zugezogenen Eltern mit Einzelkindern das nächste und eine Schüssel Nudelsalat folgt auf die nächste.

Bühne frei für Monika Maria Wagner

Für Liedermacherin Monika Maria Wagner räumt Martina Schwarzmann zwischendurch die Bühne, „verleiht“ das Publikum an „ihre Praktikantin“. Das ist eine schöne Geste, um der talentierten Künstlerin zu mehr Popularität zu verhelfen. Diese greift in die Saiten, legt sich ins Zeug und bringt den Saal zum Mitsingen. Dafür sind die schon legendären „Liaderl“ von Martina Schwarzmann eher nicht gedacht. Ihre poetischen Texte sind hintersinnig, klug, bissig und direkt.

Sie singt etwa darüber, wie schön die Welt wäre, wenn sie frei von Menschen wäre. Bei diesem Anblick könnte Gott auf den Gedanken kommen, dass „der Mensch eine dumme Idee war“. Sie würdigt die „zwei Haxen“, mit denen sie auf die Welt gekommen ist, auf denen sie gehen könne, wohin sie wolle, und die sie immer ans Ziel brächten.

Beim „Voodoo-Gstanzl“ töten die Blicke

Martina Schwarzmann macht auch die „Fünfte Halbe“ zum Thema, die einem das Leben versaue, da sie einem Dinge tun lasse, die man sonst nicht tun würde. Nichts an Aktualität verloren hat ihr 30 Jahre altes „Voodoo-Gstanzl“: „Wenn Blicke töten könnten, würde ich dich nicht mehr aus den Augen lassen.“ Als Zugabe gibt es Lieder, die manchmal einfach so aus ihr „rausschlupfen“ und die sie eigentlich gar nicht singen dürfe. Getoppt werden diese noch vom „Pony“. Dafür wird Martina Schwarzmann zur Ein-Frau-Country-Band mit amerikanischem Akzent. Urkomisch und herrlich albern ist das.

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