Lang wie nie und ziemlich voll: Ein Reiterlesmarkt der Superlative in Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.12.2025 19:38

Lang wie nie und ziemlich voll: Ein Reiterlesmarkt der Superlative in Rothenburg

Als Hauptverbindung zwischen dem Großparkplatz P1 und dem Reiterlesmarkt war die Schmiedgasse oft ziemlich stark frequentiert. Das Foto entstand am Samstagnachmittag. (Foto: Jürgen Binder)
Als Hauptverbindung zwischen dem Großparkplatz P1 und dem Reiterlesmarkt war die Schmiedgasse oft ziemlich stark frequentiert. Das Foto entstand am Samstagnachmittag. (Foto: Jürgen Binder)
Als Hauptverbindung zwischen dem Großparkplatz P1 und dem Reiterlesmarkt war die Schmiedgasse oft ziemlich stark frequentiert. Das Foto entstand am Samstagnachmittag. (Foto: Jürgen Binder)

Die Altstadt hat einen Reiterlesmarkt der Superlative hinter sich. Der war mit 32 Öffnungstagen länger als je zuvor und vermutlich auch besser besucht als die Auflagen der Vorjahre. Sicher lässt sich das zwar nicht sagen, da keine Zählungen erfolgen. Vor allem am dritten und vierten Adventswochenende war es aber merklich voller als 2024.

Die wichtigste Nachricht: Es gab innerhalb der Budenstadt und in ihrem Umfeld keine nennenswerten Zwischenfälle. Andrea Dick, stellvertretende Leiterin der örtlichen Polizeiinspektion, erklärte auf Anfrage der Redaktion, dass die Stimmung an allen Tagen sehr friedlich gewesen sei. Die Besucherinnen und Besucher hätten sich selbst in den Phasen mit dem stärksten Andrang respektvoll verhalten.

Nette Worte für die Polizeibeamten

Das Sicherheitskonzept funktioniere. Und die Streifenbeamten der Dienststelle hätten für ihre Präsenz am Marktplatz viel Verständnis geerntet, mitunter sogar richtig nette Worte. Ein bisschen heikel sei speziell an den Wochenendtagen die durch den Reiterlesmarkt verursachte Verkehrslage gewesen, so Andrea Dick weiter. Infolge des hohen Reisebus- und Pkw-Aufkommens hätten die großen öffentlichen Parkplätze immer wieder ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Es sei aber außer Parkremplern nichts Schlimmes vorgefallen.

Die zugespitzte Parksituation an den Wochenenden bereitet auch Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler Kopfzerbrechen. Offenbar habe sich der Parkdruck gerade zu den Stoßzeiten teilweise in benachbarte Wohngebiete hineinverlagert. Das sei natürlich ungut. Da müsse dringend über Entlastungsmöglichkeiten nachgedacht werden, damit der Markt seine Akzeptanz bei den Einheimischen behalte, erklärte Christöphler gegenüber der Redaktion.

Von den Verkehrsproblemen abgesehen fällt sein Reiterlesmarkt-Fazit aber sehr positiv aus. Begünstigt durch stabiles und weitgehend trockenes Wetter, habe der Markt eine tolle Besuchsresonanz verzeichnet. Seines Wissens seien an den Buden gute bis hervorragende Umsätze gemacht worden. Leider habe der Einzelhandel in der Altstadt davon nicht in gleichem Umfang mitprofitiert: „Da wurde viel geschaut, aber nicht immer auch gekauft.”

Enormer Zulauf für die Gastronomie

Der Gastronomie hingegen habe die Veranstaltung einen enormen Zulauf beschert. Gleiches gelte für die Hotels und Pensionen. Für diesen Dezember zeichne sich da ein statistischer Topwert ab. „Es könnte in diesem Monat auf 60.000 Übernachtungen hinauslaufen. Das wären etwa 5000 mehr als im Dezember 2024”, so Christöphler.

Wer hier in der Adventszeit logierte, war ziemlich sicher auch auf dem Reiterlesmarkt unterwegs. Hinzukommen dürften mehrere Zehntausend Tagesgäste, die mit Pkw angereist sind, sowie zahlreiche Reisegruppen, die die Veranstaltung mit Bussen ansteuerten. Nach inoffiziellen Zählungen bewegte sich an den stärksten Einzeltagen am dritten und vierten Adventswochenende das Busaufkommen bei jeweils 100 und mehr. Das bedeutet bei entsprechender Besetzung der Busse schon einmal rund 5000 Reisegruppen-Gäste pro Reiterlesmarkt-Spitzentag.

Insgesamt im satten sechsstelligen Bereich

Hinzu kommen vermutlich noch einmal mindestens so viele Individualbesucherinnen und -besucher, woraus sich nach Schätzungen der Polizei an den Wochenenden Tagesbesuchsmarken zwischen 10.000 und 15.000, eventuell auch mehr, ergeben.

Die starken Tage an den Wochenenden und die besuchsschwächeren dazwischen zusammengerechnet, kommt man so zwangsläufig auf eine satte sechsstellige Zahl von Marktgästen. Es könne schon sein, dass sich der Gesamtwert bei 150.000 oder darüber bewege, sagt Dr. Christöphler. Er hoffe, dass sich das durch eine geeignete Software künftig mal etwas genauer hochrechnen lasse.

Auch ohne verlässliche Statistik stehe aber fest, dass der Reiterlesmarkt „die stärkste Marke ist, die wir haben”, meinte der Tourismus-Direktor weiter. Diese Veranstaltung sei „von ökonomisch essenzieller Bedeutung” für die Stadt. Deshalb habe es auch keine Alternative zu einer Vorverlängerung in den November hinein gegeben, denn diesen Weg hätten alle Städte gewählt, mit denen sich Rothenburg touristisch zu messen habe.

Die zeitliche Ausdehnung des Marktes war in den vergangenen Wochen auch ein Hauptgesprächsthema unter den Standbetreiberinnen und -betreibern. Für professionelle Händler wie Wolfgang Stiegler aus Heglau bei Merkendorf liegt der Fall klar. Es sei höchste Zeit gewesen, das so einzuführen, auch wenn es personellen Zusatzaufwand erfordert habe, erklärte er gegenüber der Redaktion. Seit 17 Jahren bietet er auf dem Reiterlesmarkt Spieluhren, Nußknacker oder Räuchermännchen an. Mit dem Geschäft heuer sei er sehr zufrieden, so der 62-Jährige. Vor allem US-Amerikaner hätten viel bei ihm gekauft.

Mit Laden daheim kaum zu machen

Auch Petra Schönemann aus Blaufelden, die als Händlerin auf Strickwolle spezialisiert ist und schon seit 19 Jahren zum Reiterlesmarkt kommt, verzeichnete gute Umsätze. „Es war besser als im letzten Jahr”, erklärte sie. Auf die Verlängerung blickt die 59-Jährige dennoch mit gemischten Gefühlen. Natürlich sei das wirtschaftlich reizvoll. In ihrem speziellen Fall mit einem parallel zu betreuenden Ladengeschäft im Heimatort hätten sich daraus aber kaum zu bewältigende organisatorische Herausforderungen ergeben: „Es war extrem anstrengend.”

Auf Probleme, für die Zusatztage Standdienste zu organisieren, hatten zu Beginn des diesjährigen Marktes auch Verantwortliche von Vereinen hingewiesen, die Buden betreiben. Es sei in der Tat nicht einfach gewesen, das personell hinzubekommen, bestätigte auf Anfrage der Redaktion Felix Schopf von den Franken Knights, die wieder mit einem Essens- und Getränkestand vertreten waren.

Drei jeweils dreiköpfige Schichten pro Tag seien zu organisieren gewesen, so Schopf. Insgesamt 40 bis 50 Leute seien an der Knights-Bude im Einsatz gewesen, einige regelmäßig, andere nur vereinzelt. Das Hauptproblem seien aber weniger die zusätzlichen Markttage an sich, sondern vielmehr die generellen Budenbetriebszeiten. Für Ehrenamtliche wäre es leichter zu managen, wenn die Buden nicht schon um 11 Uhr öffnen müssten und dafür abends länger aufhaben könnten, erklärte Schopf. Unterm Strich sei es aber in diesem Jahr super gelaufen: „Es war definitiv mehr Andrang als letztes Jahr.”

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