Veröffentlicht am 08.12.2022 20:20

Künstlerische Eindrücke von Rothenburg

Rothenburger Rathaus Karl Schwesig<br>Karl Schwesigs Radierung von 1921 zeigt den Blick aus der Herrngasse zum Marktplatz. Am linken Rand ist der Giebel des ehemaligen Brothauses zu sehen. Foto: Anja Bergermann (Foto: Simone Hedler)
Rothenburger Rathaus Karl Schwesig
Karl Schwesigs Radierung von 1921 zeigt den Blick aus der Herrngasse zum Marktplatz. Am linken Rand ist der Giebel des ehemaligen Brothauses zu sehen. Foto: Anja Bergermann (Foto: Simone Hedler)
Rothenburger Rathaus Karl Schwesig
Karl Schwesigs Radierung von 1921 zeigt den Blick aus der Herrngasse zum Marktplatz. Am linken Rand ist der Giebel des ehemaligen Brothauses zu sehen. Foto: Anja Bergermann (Foto: Simone Hedler)
Rothenburger Rathaus Karl Schwesig
Karl Schwesigs Radierung von 1921 zeigt den Blick aus der Herrngasse zum Marktplatz. Am linken Rand ist der Giebel des ehemaligen Brothauses zu sehen. Foto: Anja Bergermann (Foto: Simone Hedler)

Sie hängen im Mittelalterlichen Kriminalmuseum gleich rechts neben dem Heckel. Und wie das Aquarell „Im Taubertal“ zeigen auch sie Eindrücke von Rothenburg: zwei Radierungen von Karl Schwesig – der Rathausplatz und die St.-Jakobs-Kirche. Geht man noch einen Schritt weiter, steht man vor Ludwig Meidners Bleistiftzeichnung „Am Burgtor“.

Genau wie Erich Heckel sind Schwesig und Meidner bedeutende Vertreter des Expressionismus. Mit ihren Werken wollten sie nicht – wie zuvor im Naturalismus üblich – die Wirklichkeit abbilden, sondern ihre Gefühle ausdrücken. „Sie sahen ihre Kunst und ihre Art zu malen als Aufbruch aus der akademischen Tradition. Ein aufregendes Kapitel der Kunstgeschichte“, findet Kunsthistorikerin Anja Bergermann.

Dieser individuelle Ausdruck berührt die Menschen emotional, meint sie: „Selbst wenn einen die Kunst des Expressionismus auf den ersten Blick nicht anspricht, so bleiben die Werke doch irgendwie im Gedächtnis. Weil sie es schaffen, zum Nachdenken anzuregen. Mit ihrer oft eigenwilligen Bildsprache fordern sie einen heraus, regen Diskussionen an oder wecken Empfindungen.“

Bedeutender Vertreter des Expressionismus

Erich Heckel gehört zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Expressionismus und zu den wichtigsten Künstlern der klassischen Moderne, erklärt Bergermann. Gemeinsam mit seinen Künstlerkollegen Fritz Bleyl, Karl Schmidt-Rotluff und Ernst Ludwig Kirchner gründete er im Jahr 1905 die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“. Später schlossen sich noch weitere bedeutende Künstler wie Max Pechstein, Emil Nolde und Otto Mueller der Gruppe an. „Heute hängen die Werke der Brücke-Künstler in den großen Museen auf der ganzen Welt“, so Bergermann.

Auch Kandinsky besuchte Rothenburg

Ein weiteres wichtiges Mitglied war Wassily Kandinsky, der Rothenburg „mindestens zweimal besucht hat“, erzählt die Kunsthistorikerin. Erst danach malte er die Stadt aus dem Gedächtnis. Es entstand das Ölgemälde „Alte Stadt II“, das heute im Pariser Centre Pompidou hängt. Einige Jahre später ließ sich auch der Maler Christian Rohlfs von Rothenburg inspirieren. Sein Gemälde „Straße in Rothenburg“ hängt heute im Landesmuseum in Hannover. „Leider haben wir die Chance für den Ankauf nicht wahrgenommen“, bedauert Anja Bergermann.

Das soll mit Heckels Aquarell „Im Taubertal“ anders laufen. Das daraus entstandene Ölgemälde wurde vermutlich 1945 zerstört. Somit ist das 1927 entstandene Aquarell das einzig noch erhaltene Werk des Künstlers, das Rothenburg zeigt. „Jetzt haben wir eine neue Chance, bedeutende Kunst in Rothenburg zu behalten“, meint Bergermann. Das Gemälde könnte dauerhaft seinen Platz neben Ludwig Meidners und Karl Schwesigs Werken behalten.

Die Werke belegen, so Bergermann, dass Rothenburg nicht nur im 18. und 19. Jahrhundert Künstler angezogen hat, sondern auch in der Klassischen Moderne in Kunstkreisen Aufmerksamkeit genossen hat. Sie findet: „Dass anhand einer Kleinstadt die Kunst so lückenlos abgebildet werden kann, ist wirklich einmalig“.

Die Spendenaktion läuft noch bis 8. Januar

Die gemeinsame Spendenaktion des Museums und unserer Zeitung läuft noch bis 8. Januar. Der Heckel soll bleiben – wer helfen möchte, die restliche Summe bis 8. Januar zusammenzubekommen, kann Geld in die Schatztruhe in der Johanniterscheune werfen oder überweisen – auf das Sparkassenkonto des Museums mit der IBAN-Nummer DE45 7655 0000 0007 0689 43 (Verwendungszweck „Heckel“). Wir halten Sie regelmäßig auf dem Laufenden, wie viel noch fehlt. Außerdem beleuchten wir in mehreren Beiträgen Besonderheiten rund um den Künstler Erich Heckel und sein Werk.


Simone Hedler
Simone Hedler
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