Veröffentlicht am 23.08.2021 20:31

Kritik am fehlenden Semesterticket

Etwa 43 Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn von Ansbach nach Nürnberg. (Foto: Jonas Volland)
Etwa 43 Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn von Ansbach nach Nürnberg. (Foto: Jonas Volland)
Etwa 43 Minuten dauert die Fahrt mit der S-Bahn von Ansbach nach Nürnberg. (Foto: Jonas Volland)

An anderen Hochschulstandorten ist das Semesterticket schon längst im Einsatz. An der Hochschule Ansbach allerdings haben sich die Studenten im Jahr 2017 mehrheitlich gegen die Einführung entschieden. Die Fachschaft will nach Corona einen neuen Anlauf starten – was einem Studenten aus Stein zugutekommen würde.

Ab Oktober will der 19-jährige Philip Ewert „Industrielle Biotechnologie“ in Ansbach studieren. Eigentlich wollte er mit der S-Bahn pendeln. Die Familie wohne nur fünf bis zehn Gehminuten von der Haltestelle in Nürnberg-Stein entfernt, erzählt Vater Stefan Ewert.

Doch Philipp Ewert wird die Strecke wohl hauptsächlich mit dem Auto zurücklegen. Das „liegt daran, dass Studenten der Hochschule Ansbach, die aus Nürnberg kommen, massiv benachteilig werden“, betont Stefan Ewert. Für die Ansbacher Hochschule gibt es kein Semesterticket. Die Folge: Die Ewerts müssten das normale Monatsticket (Preis: 162,50 Euro) kaufen. Denn auch das 365-Euro-Ticket ist keine Option.

Vater wünscht sich 
mehr Flexibilität

Der Ansbacher Stadtrat hat die Einführung im Mai 2020 beschlossen. Dies gilt aber nur für Schüler und Azubis, wie Anne Ziegler vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters informiert. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) schließt Studenten aus. Die Begründung: Für Studenten gibt es das Semesterticket. Stefan Ewert kann nur mit dem Kopf schütteln. „Das ist engstirnig. Da würde ich mir mehr Flexibilität wünschen“ – etwa mit Blick auf den Umweltschutz.

Die Leitung der Hochschule hält sich beim Semesterticket raus. „Das fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich“, erklärt Präsident Professor Dr.-Ing. Sascha Müller-Feuerstein. „Zuständig ist das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg.“ Zudem wolle man keine „erhebliche Erhöhung des Semesterwerksbeitrags gegen den Willen der Mehrheit durchsetzen“.

Zuletzt fand im April 2017 eine Abstimmung statt, wie der VGN mitteilt. Das Ergebnis: 65 Prozent der befragten Studenten haben ein Semesterticket abgelehnt. Als Begründung wurde genannt, dass der überwiegende Teil der Studenten direkt in Ansbach wohnt, deshalb für das Semesterticket kein Bedarf besteht.

„Grundsätzlich würden wir ein Semesterticket begrüßen“, betont Felix Würth von der Fachschaft. „Allerdings nicht unter den herrschenden Rahmenbedingungen“. Die Fachschaft plant derweil, eine neue Abstimmung durchzuführen. Wegen der Pandemie sei diese aber auf „das erste richtige Sommersemester nach Corona“ verschoben worden, so Würth.

Nach seinen Worten läuft die Vereinbarung zwischen VGN und Studentenwerk demnächst aus. Es gebe also die Chance auf bessere Konditionen, „die das Ticket auch für Studierende der Hochschule interessanter machen könnten“.

Bis dahin könnte Philipp Ewert laut VGN Wochen- und Monatswertmarken für den Ausbildungsverkehr (25 Prozent günstiger) und das FerienTicket nutzen.

Florian Schwab

Dieser Artikel erschien das erste Mal in der FLZ vom 23. August 2021.

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