Kosten der Stadion-Sanierung in Leutershausen explodieren | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.07.2023 16:11

Kosten der Stadion-Sanierung in Leutershausen explodieren

Ein „marodes Schmuckstück“: In die Jahre gekommen ist das Stadion in Leutershausen. Jetzt soll es saniert werden. Doch die dafür veranschlagten Kosten schockierten die Stadtratsmitglieder. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Ein „marodes Schmuckstück“: In die Jahre gekommen ist das Stadion in Leutershausen. Jetzt soll es saniert werden. Doch die dafür veranschlagten Kosten schockierten die Stadtratsmitglieder. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Ein „marodes Schmuckstück“: In die Jahre gekommen ist das Stadion in Leutershausen. Jetzt soll es saniert werden. Doch die dafür veranschlagten Kosten schockierten die Stadtratsmitglieder. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Mehr als dreimal so viel wie bislang veranschlagt muss die Stadt Leutershausen aus eigener Kasse für die Sanierung des Stadions aufbringen. Trotz der Hiobsbotschaft, dass die Kosten um rund 900.000 Euro über dem zunächst geplanten Volumen liegen, hat das Gremium nun einstimmig grünes Licht für das Vorhaben gegeben.

Von einer „signifikant deutlichen Kostenmehrung“ sprach Bürgermeister Markus Liebich und versuchte zu erklären, wie es dazu kam. Nach mehreren erfolglosen Bemühungen um Fördermittel habe sich 2022 erneut ein Fenster aufgetan, um das Projekt bezuschusst zu bekommen. Doch um an Mittel aus dem Städtebauförderprogramm „Investitionen zur Förderung von Sportstätten“ zu gelangen, habe die Zeit gedrängt. „Wir sind in letzter Minute auf den Zug aufgesprungen“, sagte der Bürgermeister.

Deshalb sei der Antrag „sehr hemdsärmlig und pragmatisch“ gestellt worden, so Liebich. Auf Basis der ersten, groben Kostenschätzungen und mit einem 20-prozentigen Aufschlag für zu erwartende Baukostensteigerungen sei man in das Verfahren gegangen.

Unter dem Strich rund 2,4 Millionen Euro

Mit Erfolg: Kurz vor Weihnachten 2022 erhielt die Stadt von der Regierung von Mittelfranken einen Bewilligungsbescheid über gut eine Million Euro. Veranschlagt war die Gebäude-Sanierung damals mit knapp 460.000 Euro brutto, die Erneuerung der Rundlaufbahn mit etwa einer Million Euro. An der Stadt wäre somit lediglich ein Differenzbetrag von 420.000 Euro hängengeblieben. Nun aber werden es gut 1,3 Millionen Euro werden.

Das ergab die vom Stadtrat heuer im Januar in Auftrag gegebene und inzwischen weit fortgeschrittene Planung samt konkreter Kostenermittlung. Die Tartanbahn bleibt mit 1,2 Millionen Euro im Rahmen. Doch das Runderneuern des Bauwerks – vor allem ist hier eine energetische Sanierung notwendig – kommt nun auf fast dieselbe Summe. Unterm Strich werden die Sportanlagen somit rund 2,4 Millionen Euro verschlingen.

„Unglaublicher Sanierungsstau“

In der Stadtverwaltung besteht eine gewisse Hoffnung, dass die fest zugesagte Förder-Million angesichts der Umstände noch aufgestockt werden könnte. Ein Gespräch mit der Regierung fand Anfang Juli statt, ein Ergebnis aber steht noch aus. „Wir sind auf allen Ebenen bemüht, die Förderung noch zu erhöhen“, so Liebich.

Im Stadtrat sorgten die von den Planern vorgestellten Zahlen für Kopfzerbrechen, zumal am selben Sitzungsabend auch deutliche Kostensteigerungen beim Rathaus-Umbau hinzunehmen waren. „Echt schockiert“ zeigte sich unter anderem Georgia Horndasch-Shaw (ALL/Grüne) von der Kostenexplosion beim Stadion. Angesichts zahlreicher weiterer Großprojekte wie dem Bauhof-Neubau oder einem neuen Kindergarten habe sie „große Sorge, wie wir das stemmen sollen“. Damit war sie nicht allein.

Einen „unglaublichen Sanierungsstau in allen Bereichen“ bestätigte der Bürgermeister, der ungeachtet der Tatsache, dass es sich nicht um eine kommunale Pflichtaufgabe handle, für die zügige Stadion-Sanierung plädierte – gegebenenfalls über mehrere Haushaltsjahre verteilt. Man könne dank der Zuschuss-Zusage „für Generationen die Grundlage schaffen, Sport zu treiben“.

„Fast einzigartig in Städten dieser Größe“

Nicht nur er bezeichnete das Stadion – „fast einzigartig in Städten dieser Größe“ – als Aushängeschild und Standortfaktor für Leutershausen. Stefanie Nejedlo (CSU) sprach von einer „einmaligen Chance“, auch wieder überregionale Wettkämpfe in Leutershausen austragen zu können.

Letztlich folgte das Gremium zähneknirschend der Einschätzung des Rathauschefs: „Es wird nicht besser, wenn wir’s schieben.“ Einstimmig billigte das Gremium die Pläne und beauftragte die Verwaltung mit der Ausschreibung der Arbeiten. Harald Domscheit (ALL) nahm an Beratung und Abstimmung nicht teil: Sein Geschäftspartner Stefan Siegordner vertrat das gemeinsame Architekturbüro, das den Umbau des Gebäudes konzipiert.


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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