Es war eine Sache von nur wenigen Minuten: Einstimmig hat der Ansbacher Stadtrat zusätzliches Geld für den Erweiterungsbau der Kindertagesstätte Lummerland im Stadtteil Brodswinden beschlossen. Es fließen 1.020.000 Euro, die im Haushalt 2024 nicht vorgesehen sind.
Die Deckung dieser gewaltigen Mehrausgabe erfolgt „im Rahmen der Jahresrechnung“, wie es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung steht. Das heißt im Klartext, Kämmerer Christian Jakobs muss das Geld irgendwo in seinem Haushalt auftreiben.
Die Diskussion über die zusätzliche Million hielt sich dennoch in Grenzen – so wie im Bauausschuss, der in der Woche zuvor ebenfalls einstimmig die Mehrausgabe abgesegnet hatte. Vermutlich deswegen, weil die Baumaßnahme so gut wie abgeschlossen ist und die Stadt nicht umhin kommt, die fälligen Rechnungen zu zahlen. „Was sollen wir machen, das Ding ist sowieso schon gebaut“, sagte ein Stadtrat am Rande der Sitzung mit einem Schulterzucken.
Dennoch lohnt sich ein Blick in die Geschichte dieses Bauvorhabens. Im Sommer 2020 beschloss der Stadtrat, die Brodswindener Kita um einen zweigeschossigen Anbau zu erweitern. Damals war von Gesamtkosten in Höhe von einer Million Euro die Rede.
Im Frühjahr 2022 war Baubeginn, bereits im Oktober 2022 konnte Richtfest gefeiert werden. Rund 1,8 Millionen Euro waren in den Jahren 2021 bis 2024 für das Bauvorhaben eingeplant. Davon wurden 835.000 Euro im Haushalt 2023 bereitgestellt – deutlich zu wenig, wie sich kurze Zeit später herausstellte.
Denn anders als von Hochbauamt und Jugendverwaltung eingeschätzt, schrieb die Regierung von Mittelfranken der Stadt in den Nebenbestimmungen vor, dass das zweigeschossige Gebäude mit einem Aufzug barrierefrei erschlossen werden muss – was Zusatzkosten von rund 400.000 Euro verursachte.
„Ist das Gebäude wirklich zweigeschossig?“, fragte CSU-Fraktions-Chef Jochen Sauerhöfer im Bauausschuss. „Jetzt schon“, lautete die Antwort aus dem Gremium. Und SPD-Stadtrat Frank Reisner erklärte: „Mir war schon länger bekannt, dass da ein Aufzug reinkommt.“ Seine Erinnerung trog ihn nicht, schon beim Richtfest im Herbst 2022 war von einem Aufzug die Rede – damals allerdings zu geschätzten Kosten in Höhe von 88.000 Euro.
Die restlichen rund 600.000 Euro Mehrausgaben sind den allgemeinen Kostensteigerungen in der Bau-Industrie geschuldet. So landete man im Herbst 2023 bei einer neuen Kostenschätzung von 2,82 Millionen Euro.
Auch für den Kämmerer im Nachhinein „aktuell nicht ganz nachvollziehbar“, wie er in der Ausschuss-Sitzung sagte: Die Mehrkosten wurden bei der Planung des Haushalts 2024 seitens der Verwaltung nicht angemeldet, sodass unter dem Haushaltsposten „4650 Kindertagesstätte Brodswinden“ lediglich 43.000 Euro eingestellt wurden.