Fast Fashion – also Kleidung, die quasi nach dem ersten Tragen entsorgt wird – ist nichts für die Uffenheimerin Regine Simms. Sie setzt auf Nachhaltigkeit. Um diesem Ziel Nachdruck zu verleihen, stellt sie sich heuer einer Herausforderung: Die 64-Jährige will ein Jahr lang kaum neue Kleidung kaufen – mit Ausnahme von Strümpfen und Unterwäsche.
Regine Simms hat sich in das Thema Nachhaltigkeit und speziell in die Besonderheiten der Textilindustrie tief eingearbeitet, viele Videos geschaut und Artikel gelesen. Und dann fand sie in einem Newsletter diesen Beitrag. Darin berichtet Autorin Freya Petersen darüber, wie sie das Jahr 2024 ohne den Kauf neuer Kleidung überstanden hat – mit einigen Ausnahmen. Für Simms war schnell klar: „Das will ich auch probieren.“ Denn: „Ich weiß ja, wie problematisch die herkömmliche Produktion von Massenmode heutzutage ist. Für die Menschen, die in der Branche arbeiten, und für die Umwelt.“
Schon vor Jahren hat die 64-Jährige deshalb ihre Einkaufsgewohnheiten umgestellt. „Zum Glück kann man auch in Uffenheim faire und nachhaltige Kleidung kaufen.“ Im Grunde habe ja ohnehin jeder viel zu viel im Kleiderschrank. „Ich kann ein gutes Jahr haben und vernünftig gekleidet sein, ohne mir die durchschnittlich 60 neuen Kleidungsstücke pro Jahr zu kaufen, die sich die Bundesbürger leisten“, betont die Uffenheimerin. Schließlich gibt es eine große Bandbreite zwischen gar nichts kaufen und den 60 Teilen.
„Normalerweise“, sagt Regine Simms, „bin ich nicht so mutig. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich mach das jetzt.“ Ein Jahr, ohne viel Kleidung zu kaufen. Ihre Freunde trauen der Nachhaltigkeitsexpertin diese „Challenge“ problemlos zu. Eine Freundin spöttelte vielmehr: „Für dich wäre es eine viel größere Herausforderung, die 60 Teile im Jahr zu kaufen, wie der durchschnittliche Bundesbürger.“
Aber einfach, denkt Simms, wird das trotzdem nicht. Schließlich sind die Tentakeln des Kapitalismus lang, gezielte Werbung sei allgegenwärtig. Dieser Versuchung müsse man widerstehen, dagegen ankämpfen. „Es würde mir helfen, das in der Gruppe zu machen“, erklärt die Teamplayerin. „Man stärkt sich gegenseitig.“ Und so könne man über die „perfide“ Fast-Fashion-Masche sprechen, die alles, nur nicht nachhaltig sei. Besonders über junge Menschen als Partner würde sie sich freuen. „Dann sind wir stark genug, um uns gegenseitig bei der Stange zu halten.“
Simms hat vor allem zwei Botschaften im Gepäck. Sie preist den bewussten Kauf an. Niemand müsse auf neue Kleidung verzichten, wenn diese bio und fair produziert sei. Eben Pullover und Hosen, die lange halten. Dass das möglich ist, weiß die Uffenheimerin aus eigener Erfahrung. Sie hat einige Säcke Kleidung in der Garage liegen. Auch Kleider aus den 1980er Jahren. Aus Samt. Alles noch top in Schuss.
Simms wurde so erzogen, sagt sie. Die Eltern haben ihr immer die Kleidung der älteren Cousinen gegeben. Gebrauchte Kleidung. „Ich habe mich daran gewöhnt und das nie mehr abgelegt.“ Aber faire Klamotten seien durchaus eine gute Alternative. Diese halten länger und schonen auch noch die Umwelt.
Eine andere Möglichkeit ist, Dingen ein zweites Leben zu ermöglichen. „Upcycling“ nennt sich das im Neudeutschen. Simms huscht in den Nebenraum. Mit einem bunten Pullover kommt sie zurück. Hergestellt aus drei Pullovern mit Löchern, das Material ist sozusagen gerettet. „Ich schuster mir was zurecht“, sagt Simms. „Ich traue mich zu nähen, aber ich kann es nicht.“ Trotzdem komme immer ein wundervolles Unikat dabei heraus.
Den ersten Schritt hin von der Fast Fashion zu ein wenig mehr Nachhaltigkeit ist die EU mit einer neuen Verordnung gegangen. Nicht mehr tragbare Kleidung und Lumpen dürfen demnach nicht mehr über den Restmüll oder den Altkleidercontainer entsorgt werden, sondern müssen zum Recycling an die Wertstoffhöfe vor Ort abgegeben werden.
Früher hat Simms auf einem Biohof gelebt. Da sei sie radikal gewesen, habe andere Meinungen nicht akzeptiert. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Ich bin so froh, dass mein Mann komplett anders ist.“ Der frönt eher dem Kapitalismus. „Es kommt darauf an, dass wir miteinander auskommen. Leben und leben lassen.“
Apropos miteinander auskommen: Regine Simms sucht Gleichgesinnte und wünscht sich gemütliche Treffen. „Wir können uns gegenseitig helfen, Kleidung zu flicken, zu stricken, zu nähen, zu tauschen.“ In Uffenheim bietet die Kirche ja bereits immer wieder Kleidungstauschpartys an. Das begeistert die 64-Jährige. Vielleicht ließe sich die neue Gruppe auch an das Repair-Café andocken. Ideen hat Simms genügend.
„Wie genau unsere 2025-Kleiderchallenge aussehen soll, können wir besprechen“, betont die Uffenheimerin. „Gemeinsam macht es mehr Spaß. Wer macht mit?“ Das erste Treffen findet am Dienstag, 28. Januar, um 19 Uhr im Gasthof „Schwarzer Adler“ statt (Adelhofer Straße 1). Simms würde sich auch sehr über junge Menschen freuen.