Eigentlich wollte die CSU ein „Sommertheater in der Presse“ vermeiden, wie Dr. Dr. Kristina Becker, die Kreisvorsitzende der CSU im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Ende Juli in einem internen Papier schrieb. Dennoch hat eine Debatte über die Nominierung des Direktkandidaten für den Bundestag im Wahlkreis Ansbach begonnen.
„Hinsichtlich der Presse gilt also: während der Sommerpause den Ball flach halten und immer sachlich argumentieren“, schrieb Becker an die Ortsvorsitzenden und Delegierten in dem Brief, der der Redaktion vorliegt.
Der Kandidatennominierung der CSU kommt eine besondere Bedeutung zu, weil die Partei bisher immer das Direktmandat gewonnen hat. Amtsinhaber ist Artur Auernhammer, der sich auch wieder bewerben möchte. Er stammt aus dem Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (WUG), der weniger Delegierte und Wahlberechtigte im Wahlkreis hat als der Landkreis und die Stadt Ansbach.
Als erster Gegenkandidat hatte sich im Juli Michael Gloßner gemeldet, der in Heidenheim und somit ebenfalls im Kreis WUG beheimatet ist. CSU-intern werden Gloßner aber nur geringe Chancen eingeräumt, eine Mehrheit der Delegierten hinter sich zu vereinen.
Die Diskussion hat inzwischen durch einen offenen Brief des CSU-Ortsvorsitzenden von Wilburgstetten, Alfred Mahler, an den Ansbacher CSU-Kreisvorsitzenden Jan Helmer Fahrt aufgenommen. Mahler ist dafür, dass der CSU-Kreisverband Ansbach einen eigenen Kandidaten aufstellt und diesen auch durchsetzt. Im Hintergrund steht die Annahme, dass es seit vielen Jahren eine inoffizielle Absprache zwischen den beiden Kreisverbänden gibt, dass der Kreis WUG den Direktkandidaten für den Landtag stellt, der Kreis Ansbach hingegen den Bewerber für den Bundestag.
„Eine solche Abmachung zwischen den Kreisverbänden existiert nicht“, betonte hingegen der Ansbacher CSU-Kreisvorsitzende Jan Helmer auf Anfrage der FLZ. Bei so etwas würde er auch nicht mitmachen. Er erwartet, dass in absehbarer Zeit eine ganze Reihe von Ortsverbänden eine weitere Persönlichkeit vorschlagen beziehungsweise zu einer Kandidatur für den Bundestag bei der Wahl im kommenden Jahr auffordern wird. Parteiintern kursieren schon mehrere Namen. Allerdings hat sich bis jetzt niemand offiziell aus der Deckung gewagt.
Alfred Mahler hegt den Verdacht, dass es dem Bundestagsabgeordneten Auernhammer wie auch dem erst im vergangenen Jahr neu gewählten Landtagsabgeordneten Helmut Schnotz bei ihrer Wiederwahl „in erster Linie um die Sicherung ihrer Altersbezüge geht und nicht um die Entwicklung unserer Region“.
Sowohl Auernhammer als auch Schnotz wiesen diesen Vorwurf auf Anfrage der FLZ zurück. „Meine Motivation ist es, den Menschen in unserer Heimat eine Stimme in Berlin zu geben, ihre Ängste und Sorgen ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort nach geeigneten Lösungen zu suchen“, teilte Artur Auernhammer unter anderem mit.
Helmut Schnotz rechnete in seiner Reaktion detailliert vor, dass es für seine Pensions- und Rentenansprüche prozentual keine Rolle spiele, ob er fünf oder zehn Jahre Abgeordneter im Landtag sein wird. Das sei auch schon öffentlich bekannt. Der Vorwurf Mahlers sei daher „unwürdig, ehrabschneidend und zielt darauf ab, das Mandat zu schwächen“. Er diffamiere darüber hinaus die politische Kultur in unserer Demokratie und bediene lediglich „die übliche Neiddebatte“. Wer seine Amtszeit als Bürgermeister, seinen Wahlkampf und sein erstes Amtsjahr betrachte, müsse erkennnen, „dass meine Arbeit von Bürgernähe und Engagement für unsere Region geprägt ist“.