Kälber brauchen erst einmal Muttermilch | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.03.2023 13:57

Kälber brauchen erst einmal Muttermilch

Wenn Kälber auf die Welt kommen, sollten Landwirte besonders auf Hygiene achten. (Foto: Tobias Hase)
Wenn Kälber auf die Welt kommen, sollten Landwirte besonders auf Hygiene achten. (Foto: Tobias Hase)
Wenn Kälber auf die Welt kommen, sollten Landwirte besonders auf Hygiene achten. (Foto: Tobias Hase)

Damit die Aufzucht von Kälbern gelingt, müssen Fütterung, Haltung und Gesundheitsmanagement auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmt werden. Wie das gemacht wird, wurde bei einer Veranstaltung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und des Netzwerks Fokus Tierwohl in der Rezathalle erklärt.

Katharina Burgmayr von der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und Wolfgang Kerwagen, Behördenleiter vom AELF Ansbach, begrüßten dazu laut einer Pressemitteilung über 100 Teilnehmer. Das Netzwerk Fokus Tierwohl ist ein deutschlandweites Verbundprojekt mit dem Ziel, Tierhalter bei einer tierwohlgerechten und nachhaltigen Nutztierhaltung zu unterstützen.

„Der zeitliche Aufwand einer guten Kolostrumversorgung zahlt sich aus“, versicherte Dr. Klaas Strüve vom Tiergesundheitsdienst in Ansbach. Unter Kolostrumversorgung verstehe man die erste Gabe der Muttermilch für neugeborene Kälber. Ein Kalb komme – anders als der Mensch– ohne Immunität zur Welt.

Die Mutterkuh produziere nach der Geburt Kolostrum, das lebenswichtige Antikörper enthält. Antikörper-Gehalt und auch die Aufnahmefähigkeit im Darm des Kalbes sinken nach der Geburt rasant, weshalb die erste Kolostrumaufnahme in den ersten zwei Lebensstunden des Kalbes erfolgen sollte. Auch in den ersten Lebenswochen sollten Kälber ausreichend mit Milch versorgt werden, da dies laut Strüve das Krankheitsrisiko deutlich verringert.

Krankheitserreger im Kälberstall

Bei Problemen mit Krankheiten im Kälberstall sei es unerlässlich, die Erreger zu kennen. Der Tiergesundheitsdienst könne dabei unterstützen. Um gegenseitige Ansteckungen zur verhindern, sollten Kälberställe gründlich gereinigt werden, bevor die nächsten Kälber den Stall beziehen. Auch gebe es bei einigen Krankheiten die Möglichkeit zu impfen. Bei der Prävention sei auch die richtige Balance zwischen Zuluft und Zugluft im Stall wichtig. Zusätzlich sollten die Kälber nicht zu vielen Stressfaktoren wie Futter- und Gruppenwechsel auf einmal ausgesetzt werden.

Dr. Ralf Zechmeister vom Veterinäramt in Ansbach berichtete über die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Kälberhaltung. Demnach müssen Kälber bis zum Alter von sechs Monaten auf einer weichen, trockenen und verformbaren Liegefläche gehalten werden, in den ersten 14 Lebenstagen sollte dies Stroh sein. Für gesunde Kälber ist ein Stall mit genug frischer Luft wichtig. Umbauten mit niedrigen Decken und geringem Luftaustausch erwiesen sich als problematisch. Seit dem 1. Januar gelte für Kälber ein Mindesttransportalter von 28 Tagen statt wie bisher 14 Tagen.

Tiergesundheit darf nicht leiden

Dr. Christina Euler, ebenfalls vom Veterinäramt in Ansbach, berichtete über Änderungen im Tierarzneimittelgesetz. Demnach müssen Veterinäre seit Jahresanfang die Verschreibung, Abgabe und Anwendung von Antibiotika bei Rindern, Schweinen, Puten und Hühnern melden. Die Tierhalter bestimmter meldepflichtiger Nutztierarten seien verpflichtet, diese in einer Datenbank einzutragen. Euler merkte an, dass der Antibiotika-Einsatz bereits stark reduziert worden sei. Auf keinen Fall dürfe durch weitere Einsparungen die Tiergesundheit leiden.

„Hohe Milchpreise und frohwüchsiges Kalb – wie kriege ich das hin?“ lautete das Thema des Fachvortrages von Markus Huber von der VfR-Managementberatung. Die Grundsteine für eine erfolgreiche Kälberaufzucht werden laut Huber bereits vor der Geburt gelegt. Jeder Kuh sollte eine ausreichend große Liegefläche und ein Fressplatz zur Verfügung stehen und die Ration hinsichtlich Mineralisierung, Nährstoff- und Rohfasergehalt genau auf die Bedürfnisse abgestimmt sein. Stoffwechselprobleme in der Hochträchtigkeit gehen auch auf das Ungeborene über und können nach der Geburt zu Komplikationen führen. Auch sei die Hygiene bei den Neugeborenen wichtig, um Nabelentzündungen und Frühdurchfällen vorzubeugen.

Starke Preisschwankungen

Kälber sollten in den ersten Lebenswochen so viel Milch bekommen, wie sie wollen. Ungefähr ab der vierten Lebenswoche sollte die Milchmenge dann nach und nach auf die normale Ration umgestellt werden. Dazu soll ab der ersten Lebenswoche ein Kälberkraftfutter, Wasser und Heu zur Verfügung stehen. Unerlässlich für gesunde Kälber sei neben der optimalen Nährstoffversorgung auch ein durchdachtes Aufstallungs- und Hygienekonzept.

Insgesamt seien die Kälberpreise in den letzten drei Jahren leicht gestiegen, aber auch die Preise für Milch und Kraftfutter. Zum Abschluss der Veranstaltung erläuterte Eva Espert vom Zuchtverband Franken, wie das Qualitätskalb aus Sicht der Vermarktung aussehen sollte. Die Käufer am Ansbacher Kälbermarkt wünschen sich ein Kalb das 80 bis 100 Kilogramm schwer ist und vier bis acht Wochen alt. Im letzten Jahr habe es starke Preisschwankungen je nach Qualität der Kälber gegeben. Bei einem Durchschnittskalb mit 91 Kilogramm Lebendgewicht könne der Preis um 200 Euro pro Kalb schwanken.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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