Vor Monaten hatte Steinsfelds Bürgermeisterin Margarita Kerschbaum angekündigt, bei der Kommunalwahl 2026 erneut antreten zu wollen. Entsprechend groß war die Überraschung, als sie in der Nominierungsversammlung am Mittwochabend ihren Rückzug ankündigte. Eine personelle Alternative konnte auf die Schnelle nicht organisiert werden.
„Ich bin geschockt! Wie machen wir jetzt weiter?“ Altbürgermeister Hans Beier war sichtlich betroffen, als die Bürgermeisterin ihre Erklärung abgab. „Es fällt mir nicht leicht, die richtigen Worte zu finden. Ich habe mich entschlossen, nicht mehr zu kandidieren“, sagte sie, ohne konkrete Gründe für diese Entscheidung anzuführen.
Ein Zusammenhang mit der Entscheidung mehrerer Gemeinderatsmitglieder, darunter Dr. Georg Huggenberger, eine zweite Liste für das Kommunalvotum zu initiieren, liegt aber nahe. Bisher hatte es in Steinsfeld nur eine Liste gegeben, eben jene der Wählergruppe Steinsfeld. Als Alternative hinzukommen soll nun ein Wahlvorschlag der Bürgerliste Steinsfeld, die ihre Nominierungsversammlung am kommenden Montag, 15. Dezember, ab 19 Uhr im Gasthof zum Schwan in Hartershofen abhält.
Bürgermeisterin Kerschbaum sorgte am Mittwochabend mit ihrer Erklärung bei vielen Anwesenden für Betroffenheit, erntete aber auch großes Verständnis. In ihrer persönlichen Stellungnahme betonte sie, dass die Zeit seit ihrer Wahl 2020 erfüllend gewesen sei. „Ich habe viel über Menschen gelernt, auch über mich selbst und menschliche Stärken und Schwächen erkannt.“
Das hat alles viel Kraft gekostet.
Zusammen mit dem Gemeinderat habe sie enorme Aufgaben angepackt. „Mit dem Gewerbegebiet in Endsee haben wir neue Chancen für den Arbeitsmarkt in der Region geschaffen. Weitere Maßnahmen wie Feuerwehr, Kindergarten und Dorfgemeinschaftshaus wurden vom Gemeinderat in Angriff genommen. „Das hat alles viel Kraft gekostet.“
Die Anforderungen an sie als ehrenamtliche Bürgermeisterin hätten keine Uhrzeit gekannt. „Meinungsvielfalt ist gut, aber man muss auch offen und respektvoll miteinander umgehen. Zusammenhalt ist kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ich gehe dankbar und bereichert. Ich danke für das Vertrauen und die gemeinsamen Erfolge. Nur gemeinsam sind wir stark“, meinte sie.
Altbürgermeister Hans Beier wies darauf hin, dass die Wählergruppe noch Zeit bis zum 8. Januar habe, um eine andere Person als Bürgermeisterkandidatin oder Kandidat zu benennen. „Mir fällt jedenfalls im Moment niemand ein“, erklärte er.
Als Wahlleiter stellte er anschließend die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten der Wählergruppe Steinsfeld für die Kommunalwahl am Sonntag, 8. März, vor. Vor der Abstimmung hatten die insgesamt zwölf Frauen und Männer die Gelegenheit, sich kurz vorzustellen. Vorher musste er noch einige Fragen aus dem Publikum beantworten.
Mit Blick auf den Nominierungstermin der neuen Bürgerliste am Montag stellte der Wahlleiter klar, dass man sich nur für eine Liste entscheiden könne. „Wer heute Abend hier abstimmt, kann am Montag nicht mehr abstimmen.“ Alle Bürgerinnen und Bürger könnten sicher sein, dass eine Doppelwahl ausgeschlossen sei. „Dafür bin ich da“, betonte Beier. Jede Bewerberin und jeder Bewerber könne nur auf einer Liste stehen.
Von den anwesenden 73 Stimmberechtigten nahmen an der Abstimmung über den Wahlvorschlag der Wählergruppe Steinsfeld schließlich nur 37 teil. 36 davon bestätigten ihn mit Ja. Auf einem Zettel war Nein angekreuzt. Listenführer ist Ratsmitglied Bernd May aus Ellwingshofen.