Klassen und Stadtverwaltung unter einem Dach – kann das gutgehen? Es kann. Davon sind nach den ersten Wochen der neuen, temporären „Lebensgemeinschaft“ in Leutershausen, wie Bürgermeister Markus Liebich die Interimslösung nennt, die Verantwortlichen überzeugt. „Es läuft“, findet auch Rektorin Caroline Ludwig-Schönig.
Weil das Rathaus im Herzen der Stadt innen komplett saniert und umgebaut wird, residiert der Großteil der Stadtverwaltung seit dem Sommer im zweiten Obergeschoss der Mittelschule. Etwa ein Jahr ist für das Provisorium veranschlagt. Besucher gelangen über eine externe Feuertreppe in die Exil-Rathaus-Etage, müssen also nicht durch das Schulhaus und sollen auch nicht über den Pausenhof laufen.
Stört das den Schulbetrieb? Nicht wirklich, meint Caroline Ludwig-Schönig. „Es ist was los, es ist Leben im Haus“, sagte sie, als sie kürzlich dem Schulausschuss des Stadtrates Bericht erstattete. „Bisher hat es gut geklappt“, lautete ihr Resümee. Und: „Es ist eigentlich schön. Es ist schon normal.“
Von einem „bereichernden, harmonischen Zusammenleben“ kündete auch der Bürgermeister. Es sei „sehr angenehm, mit jungen Menschen im Schulhaus zusammenzukommen“. In den gut zwei Monaten seit dem Umzug sei es „in keinster Weise zu konfliktträchtigen Begegnungen“ gekommen.
Und wie geht es den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung in ihrem Übergangsquartier? Für sie gibt jetzt der Stundengong der Schule den Rhythmus an und teilt zumindest den Vormittag in handliche Zeitabschnitte.
Die ersten Wochen nach dem Umzug im August seien „Sauna“ gewesen, schmunzelt Hauptverwaltungsleiter Jürgen Ruppert – die großzügig verglasten Räume unter dem Dach heizten sich stark auf. Doch die Phase des Schwitzens sei vorüber – allenfalls die Treppen hoch in den zweiten Stock bringen den Kreislauf noch in Wallung.
Das Personal hat sich dem Vernehmen nach gut arrangiert in den großen Zimmern, in denen Barrikaden aus Schränken als Raumteiler dienen. Ein Kraftakt war der Umzug für den EDV-Verantwortlichen Najib Anjoka. Denn die Klassenräume verfügen alle nur über einen Netzwerkanschluss. Er musste innerhalb kürzester Zeit dafür sorgen, dass mehrere PC-Arbeitsplätze pro Zimmer funktionieren.
Letztlich habe die Sache aber auch ihr Gutes: Denn zufällig habe die Schule just zur richtigen Zeit einen Glasfaseranschluss bekommen, sodass der Verwaltung nun eine viermal schnellere Datenverbindung zur Verfügung stehe als im alten Rathaus, so Anjoka. Er ist als einziger nicht im Dachgeschoss untergebracht, sondern hat sein Büro im Erdgeschoss neben dem Sekretariat. Günstig für die Schule, denn auch für deren EDV ist er zuständig.
Platz zum Arbeiten ist genug, doch „räumlich ist das schon schwierig“, räumt die Schulleiterin ein: Es fehlt ein Konferenzraum. „Nachmittags sitzen wir zu Besprechungen in Klassenzimmern“, ergänzt der Bürgermeister. Alles in allem sei die derzeitige Situation also gut, aber keine Dauerlösung, meint Liebich. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir wollen keinen langfristigen Mietvertrag.“