„Es ist durch. Diese Geschichte, da ist nichts mehr zu retten.“ So hat Oberbürgermeister Dr. Markus Naser die Wildbad-Situation am Montagabend im Ausschuss für Kultur und Tourismus des Stadtrates beschrieben. Am Sonntag wurde bekannt, dass die evangelische Landeskirche die Tagungsstätte schließen und verkaufen will.
Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler kommentierte das so: „Das ist eine Katastrophe.“ Hier stimmte ihm FRV-Fraktionschefin Jutta Striffler zu und fragte, ob dies der Stadtverwaltung vorher bekannt gewesen sei. Striffler: „Wenn das nicht der Fall ist, dann ist das keine Katastrophe, sondern eine Sauerei.“ Und: „Ich finde es unmöglich, dass wir als Stadt Rothenburg in Form des Oberbürgermeisters Dr. Naser nicht vorher informiert wurden, sondern dass dies hinter verschlossenen Türen beschlossen wurde.“ Das gehe nicht nur ihr so, sondern „ganz vielen Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt. Das ist absolut indiskutabel“, sagte sie sichtlich sauer.
Christöphler erklärte daraufhin, dass er vom Oberbürgermeister informiert worden war, dass die Zukunft des Hauses auf der Synode der evangelischen Landeskirche verhandelt werde und dass es „schlecht aussehe“. Die Verwaltung habe nichts von der Entscheidung gewusst.
Naser ergänzte: „Was wir wussten, ist, dass es diesen Bewertungsprozess der Häuser bei der Landeskirche gibt.“ Im Zuge dessen habe die Stadt auch eine Stellungnahme beigesteuert. „Jetzt im Nachgang muss ich sagen, dieser Bewertungsprozess war ein Scheinprozess.“ Denn dem Wildbad sei quasi von vorneherein keine Chance gegeben worden, so der OB. Sondern von der Spitze der Landeskirche sei von Anfang an die Vorgabe gekommen, dass das Wildbad geschlossen werden solle.
Alles, was danach gekommen sei, sei in Nasers Augen eine „reine Alibiveranstaltung und eine Pseudo-Objektivierung des ganzen Prozesses“. Er sprach auch ein Gerücht an, dass das Wildbad in einem baulich schlechten Zustand sei und die Landeskirche viel Geld in die Hand hätte nehmen müssen, um es sanieren zu können. Millionen-Investitionen hätte sich die Landeskirche nicht leisten können, habe es geheißen. Doch als sich dann herausgestellt habe, dass der bauliche Zustand „ganz hervorragend“ sei, sei als Antwort gekommen: „Das ist ja ganz hervorragend, dann kriegen wir mehr Geld beim Verkaufen.“
Die „dahinter stehende Logik“ für den OB: „Es war von Anfang an geplant, dass das Haus geschlossen werden soll.“ Er findet das Vorgehen „allen Beteiligten gegenüber nicht ganz fair“. Ihm gegenüber sei zuletzt signalisiert worden, dass das Wildbad ab 2026 „ohne Zuschüsse“ auskommen müsse – also selbst eine schwarze Null erwirtschaften müsse. Aktuell mache es ein kleines Defizit.
Deshalb sei die Stadt jetzt von der Ankündigung von Schließung und Verkauf „völlig überrascht“ gewesen. Vergangene Woche sei er informiert worden, dass es um das Wildbad „nicht gut“ stehe. „Das war die einzige Andeutung, und die ist mir nicht offiziell zugespielt worden.“ Offiziell von den Plänen hat er am Sonntag erfahren – durch unsere Redaktion.
Bis Montagnachmittag sei er auch noch der Meinung gewesen, dass das Ende erst noch von der Synode beschlossen werden müsse und die Beschlussvorlage unter Umständen noch gekippt werden könnte. Jetzt aber nicht mehr. Denn: Er hat mitgeteilt bekommen, dass die evangelische Landeskirche von ihrem „Organisationsrecht“ Gebrauch machen wolle und es nicht zur Abstimmung kommen solle – „also quasi auf Verwaltungsebene“ die Entscheidung gefällt werde.
Das Vorgehen bezeichnete er als „unterirdisch“. Naser: „Eine Kirche, die so agiert, braucht sich nicht wundern, wenn ihr die Mitglieder in Scharen davonrennen.“ Er betonte auch, dass ihm diese ganzen Informationen „nur zugetragen“ wurden. Dies sei sein aktueller Informationsstand. Ob dieser den tatsächlichen Gegebenheiten entspreche, das wisse er nicht.
Der ehemalige Stadtrat Dr. Karl-Heinz Schneider – jetzt als Beirat im Ausschuss – fragte: „Können Sie noch was machen in der ganzen Angelegenheit?“ Naser erklärte, dass die Stadt schon die ganze Zeit gegen diese Schließung ankämpfe. Und: „Ich sage es ganz deutlich: Es ist durch. Diese Geschichte, da ist nichts mehr zu retten.“ Die Frage sei, wem das Wildbad in Zukunft gehören werde und ob die Stadt in diesem Prozess eine Rolle spielen könne. Doch alles andere müsse jetzt „in anderen Kreisen“ vorbesprochen werden.
Er denkt außerdem, dass das Jahr 2026 als Schließungsdatum „faktisch nicht haltbar“ sei. Denn seiner Meinung nach suchen sich die Wildbad-Mitarbeitenden jetzt einen neuen Job. Naser sprach von „selbsterfüllender Prophezeiung“. Was ihn am meisten ärgert: Dass die Entscheidung im Hinterzimmer gefallen ist.
Dem etwas entgegen steht eine kurze Mitteilung von Dekanin Jutta Holzheuer, die sie am gestrigen Dienstagvormittag per Mail verschickt hat. Darin zu lesen: „Die Nachricht, dass die Landeskirche nicht mehr für den Unterhalt des Wildbads aufkommen wird, ist ein schwerer Schlag für alle Mitarbeitenden, die kirchliche Landschaft und die Region.“
Gleichzeitig komme das Aus nicht unerwartet: „Seit Jahren stehen das Wildbad und ein möglicher Verkauf zur Diskussion. Zuletzt 2017. Die zuständige Abteilung der Landeskirche hat jedoch Bereitschaft signalisiert, eine sogenannte Ideenschmiede zu unterstützen. Sie soll in den verbleibenden zwei Jahren ein Konzept entwickeln, wie das Wildbad auf eigene finanzielle Füße gestellt werden kann. Ein schwieriges Unterfangen, da dies ohne hohe Investitionen nicht möglich sein wird.“
Doch das Wildbad besitze „erhebliches Entwicklungspotenzial, großen Rückhalt vor Ort und ist jeden Versuch wert, als kirchennahes Haus gerettet zu werden“. Deshalb rufe jetzt der Wildbad-Beirat besagte Ideenschmiede ins Leben. Holzheuer: „Vertreter aus Beirat und Politik, die Dekane von Ansbach und Rothenburg sowie Fachleute der Kirchenverwaltung nehmen die Herausforderung an, mögliche Finanzierungsmodelle zu entwickeln.“