Fusion von Franken-Therme und KKC? Heftiger Streit in Bad Windsheim entbrannt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.06.2025 08:22

Fusion von Franken-Therme und KKC? Heftiger Streit in Bad Windsheim entbrannt

Die Franken-Therme in Bad Windsheim war ein Aspekt in jenem Antrag, den 18 Stadträte unterschrieben haben. (Foto: Evi Lemberger)
Die Franken-Therme in Bad Windsheim war ein Aspekt in jenem Antrag, den 18 Stadträte unterschrieben haben. (Foto: Evi Lemberger)
Die Franken-Therme in Bad Windsheim war ein Aspekt in jenem Antrag, den 18 Stadträte unterschrieben haben. (Foto: Evi Lemberger)

Für Zündstoff sorgte in der Bad Windsheimer Stadtratssitzung ein fraktionsübergreifender Antrag, den zuletzt 18 Stadträte unterschrieben hatten. Thema: die „Zusammenführung des Kongresszentrums KKC als Wirtschaftsbetrieb mit der Franken-Therme GmbH“.

Die Unterzeichnenden aus den Fraktionen von CSU, FWG, SPD, Liste Land und Grünen hatten darin die aus ihrer Sicht betriebswirtschaftlichen und strategischen Vorteile einer möglichen Zusammenführung ausgearbeitet. Die vom Antrag Betroffenen – die Mitarbeitenden – befürchten derweil negative Auswirkungen. Silke Kempf und Miriam Leopold, Mitarbeiterinnen der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT), die das KKC betreibt, meldeten sich deshalb auch gleich in der Bürgerfragestunde zu Wort.

Die Kommunikation sei „demoralisierend”

Die Angestellten „mussten aus der Zeitung erfahren, was Sie mit deren Arbeits- und Ausbildungsplätzen vorhaben“, sagte Leopold. Diese Art der Kommunikation sei „demoralisierend und vermittelt, dass Sie – zu welchem Zweck auch immer – mit unseren Existenzen spielen“. Zu gegebener Zeit wolle man sich zu den Forderungen im Antrag äußern.

Ihren Dank sprachen sie indes Jürgen Heckel, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der GmbHs, aus. Dieser hatte nach der Berichterstattung einen Brief, der unserer Redaktion vorliegt, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von KKT und Therme geschrieben.

Darin bedauert er, „was Mitglieder im Stadtrat über Ihre Köpfe hinweg zu Papier gebracht haben“, distanziert sich „von diesem Weg und diesem Stil“ und beschreibt seine Meinung zu einzelnen Antragspositionen. Als Bürgermeister sei es seine Aufgabe, „ein deutliches Zeichen zu setzen, was ich von dem Antrag halte, da er öffentlich geworden ist“.

Wurden Vorschriften verletzt oder nicht?

Annette Wild (FWG) hatte ihn in der Mai-Sitzung stellvertretend für die Unterzeichnenden an Jürgen Boier, noch Geschäftsleitender Beamter, im nicht-öffentlichen Sitzungsteil übergeben, der vor dem öffentlichen stattgefunden hatte.

Auf Nachfrage von Wolfgang Eckardt (FWG) betonte Heckel in der jetzigen Sitzung, dass man den Antrag innerhalb der in der Geschäftsordnung festgehaltenen Frist von drei Monaten – am 31. Juli – behandeln werde. In der Geschäftsordnung steht bezüglich Anträgen zudem geschrieben, dass eine materielle, sprich inhaltliche, Vorprüfung nicht stattfindet. Diesen Punkt sah Eckardt wegen Heckels Brief allerdings als verletzt an.

Die Rechtsaufsicht des Landratsamtes sieht es anders und teilt wiederum auf Nachfrage unserer Redaktion mit, dass Heckels Schreiben „keine Verletzung kommunalrechtlicher Vorschriften“ darstelle, da geplant sei, dass der Antrag innerhalb der Frist auf die Tagesordnung einer Stadtratssitzung genommen werde. Ein Verstoß läge dann vor, wenn der Antrag aufgrund seines Inhalts abgelehnt und nicht im Rat behandelt würde, erläutert Leiter Matthias Hirsch. Dass die Meinung des Bürgermeisters in dem Brief deutlich geschildert werde, sei kommunalrechtlich nicht bedenklich.

Thermen-Geschäftsführer wirft Heckel „persönliche Angriffe” vor

Thermen-Geschäftsführer Oliver Fink reagierte auf Heckels Brief mit einem eigenen Schreiben, das an die Aufsichtsräte und Mitarbeitenden der Therme ging und unserer Redaktion ebenfalls vorliegt. Dem Bürgermeister wurde es nach eigener Aussage nicht geschickt. FWG-Stadtrat Eckardt zitierte daraus in der Sitzung. Heckels Brief sei nach Finks Auffassung „in mehrfacher Hinsicht problematisch“. Er sieht keine „sachliche Auseinandersetzung“, sondern das Schreiben sei „durch persönliche Angriffe, diffamierende Unterstellungen und eine bewusst polarisierende Sprache“ gekennzeichnet.

Emotional verlief in der jüngsten Sitzung die Debatte, wer das Thema letztlich in die Öffentlichkeit gebracht hat. Die Meinungen dazu gehen unter den Räten auseinander. War es Jürgen Heckel, der in der Mai-Sitzung öffentlich kundtat, wie kritisch er den Antrag sieht? Oder Annette Wild, die sich in diesem Zuge ebenso öffentlich dazu äußerte und den Antrag nach der öffentlichen Sitzung der Presse übergab?

Es gab zwei Versionen des Antrags

Matthias Oberth (SPD) stellte jedenfalls klar, weshalb er ihn nicht unterschrieben hatte. Er fand es unklug, einen Antrag zu stellen, „in dem Vorgaben gemacht werden, was am Ende rauskommen soll“. Diskutieren sei okay, „aber bitte ergebnisoffen“. Trotz Anpassungen bleibe dieser Grundtenor bestehen.

Denn: Es habe zwei Versionen des Antrags gegeben, was Eckardt auf Nachfrage bestätigte. Heckel war die ursprüngliche Fassung „zugespielt“ worden, er las aus ihr in der jüngsten Sitzung vor und resümierte, dass man die KKT und ihre Geschäftsführerin habe loswerden wollen. Wild erklärte zu den Anpassungen, dass nicht alle die erste Fassung mittragen wollten und man sie deshalb verändert habe. „Man diskutiert drüber, um dann auf eine stimmige Lösung zu kommen.“

Dass das Thema in die Öffentlichkeit geraten ist, findet Eckardt nicht per se verkehrt. Der von den Mitarbeitenden sorgenvoll vorgetragene Aspekt möglicher Kündigungen komme im Antrag nicht vor, betonte er zudem gegenüber der Redaktion. Das derzeitige Konstrukt KKT/Therme sei nicht mehr zeitgemäß, der Antrag ein Versuch, das anzugehen.

Kritik am Zeitpunkt der Debatte vor der Kommunalwahl

Ein solch wichtiges Thema wenige Monate vor der Kommunalwahl „nach außen zu zerren“ sah Matthias Oberth allerdings kritisch. 2026 werde ein neuer Stadtrat gewählt. Besser hätte er es gefunden, wenn dieser darüber berät und entscheidet, wie man damit umgeht.

Folgen könnte das Thema aber schon vor der Abstimmung haben. Wie Annette Wild gegenüber der Redaktion erklärte, plane man aufgrund der gesamten Vorkommnisse rund um den Antrag dienstrechtlich gegen Heckel vorgehen zu wollen.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin in Bad Windsheim
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