Nicht nur für die Stadion-Sanierung muss die Stadt Leutershausen viel tiefer in die Kasse greifen als vorgesehen. Auch der Rathaus-Innenumbau wird deutlich teurer als zunächst veranschlagt. Eine halbe Million Euro sind zusätzlich erforderlich – unter anderem, weil die Elektro-Installation komplett erneuert werden muss.
Die Sicherungen sind zu schwach, und kein Mensch weiß mehr, welche Kabel zu welchem Stromkreislauf gehören: Mit punktuellen Verbesserungen der Installation sei es nicht getan, erklärte Bürgermeister Markus Liebich den Stadträten mit eindringlichen Worten.
Offenbart hatten sich die massiven Mängel, als im vergangenen Dezember die neue Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach zugeschaltet werden sollte. Ein „auffällig knisterndes Geräusch“ aus dem Zählerschrank im Keller machte deutlich: Da ist etwas faul. Der Totalausfall der gesamten Niederspannungsverteilung führte dazu, dass die Amtsstuben einen Tag lang geschlossen bleiben mussten. Der Elektriker, der eine provisorische Reparatur vornahm, riet dringend zu einer Grunderneuerung des gesamten Systems, um es auf den Stand der Technik zu bringen.
Als Architekt Frank Fürhäußer im vergangenen November ein erstes Umbaukonzept für das außen bereits komplett renovierte Gebäude vorstellte, standen rund 830.000 Euro für das neue Innenleben unterm Strich. Als er nun die auf Wunsch des Stadtrates überarbeiteten Pläne präsentierte, waren es 1.360.000 Euro.
Nur ein kleiner Teil der Mehrkosten geht auf das Konto der Barrierefreiheit, die das Gremium in der ersten Runde vermisst und deshalb mit einem Patt die Planung knapp abgelehnt hatte.
Fürhäußer besserte nach und empfahl dem Gremium nun wärmstens einen Plattformlift im Haupttreppenhaus, mit dem Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe in höhere Etagen gelangen können. Ein Aufzug sei in dem verwinkelten Altbau mit seinen versetzten Ebenen zumindest mit vertretbarem Aufwand beim besten Willen nicht realisierbar, so der Architekt. Mit Kosten zwischen 35.000 und 40.000 Euro wäre der Treppenlift zum einen praktisch, zum anderen aber auch preiswert. Die Treppenbreite gebe diese Lösung auf jeden Fall her.
Ansonsten wurde die Planung – abgesehen von der Elektro-Generalsanierung, die allein mit etwa 275.000 zu Buche schlagen wird – eher abgespeckt. Die zunächst im Keller vorgesehene Dusche fliegt raus und wandert zu den WCs im ersten Stock, was die Eingriffe im Untergeschoss laut Fürhäußer minimiert. Ebenfalls weitgehend unverändert soll der Sitzungssaal bleiben.
Eine barrierefreie Toilette entsteht im Erdgeschoss – dort, wo aktuell noch das Vorzimmer des Bürgermeisters ist. Der Rathauschef zieht unters Dach. Stattdessen wandert das bislang in der ersten Etage angesiedelte Aktenarchiv einen Stock tiefer. Der Grund: „Wir haben ein Gewichtsproblem im ersten Obergeschoss“, erläuterte der Architekt. Im bislang nicht ausgebauten Bereich unter dem Dach werden neben dem Bürgermeister-Büro auch Besprechungsräume sowie Sozialbereiche eingerichtet, die Fürhäußer zufolge bislang „sehr spartanisch“ sind.
Weitgehend Einigkeit herrschte im Gremium darüber, dass eine Klimatisierung der Büroräume Pflicht sei, obwohl dies rund 90.000 Euro an zusätzlichen Kosten verursacht. Gut ausgestattete, zeitgemäße Arbeitsplätze seien schließlich auch ein Standortvorteil für Bewerber und wichtig im Buhlen um gute Kräfte, betonte der Bürgermeister.
Das Wohl der Mitarbeitenden im Rathaus hatte der Stadtrat auch im Blick bei seiner Entscheidung, den Umbau nicht abschnittsweise vorzunehmen, sondern das Haus zu räumen und in einem Zug alles zu erledigen. Das hat aus Sicht des Architekten diverse Vorteile. Zum einen vereinfache es die Arbeiten erheblich und spare knapp 200.000 Euro für Provisorien und Überbrückungsmaßnahmen. Zum anderen verkürze es die Bauzeit von 15 auf neun Monate. Und es erspare den Angestellten Lärm, Dreck und Stress.
Allerdings erfordert dieses Vorgehen Ausweichquartiere, was wiederum Kosten verursacht und die Ersparnis zumindest zum Teil wieder aufzehrt. Finanziell dürfe man sich von diesem Schritt also nicht zu viel erhoffen, mahnte Harald Domscheit (ALL), selbst Architekt. Aber das Wohlfühlen der Mitarbeiter sei das entscheidende Kriterium, war er sich mit Sprechern aller anderen Fraktionen einig.
Konkrete Konzepte für Interims-Lösungen gebe es noch nicht, sagte Liebich. Er brachte das Weißkopf-Museum, die Bibliothek und die vom Kommunalunternehmen (KUL) genutzten Räume ins Gespräch. Zudem könne in der Bauphase verstärkt Homeoffice genutzt werden. Container-Büros kämen nur in Frage, wenn es keine anderen Lösungen gebe.
Gegen die Stimmen von Harald Domscheit, Manfred Schmaus und Jürgen Seyerlein (alle Fraktion ALL/Grüne) billigte der Stadtrat mit 15:3 die Pläne und beauftragte die Verwaltung, die Umbaumaßnahmen auf den Weg zu bringen. Laut Kämmerer Roman Franke sind dafür heuer 200.000 Euro im Haushalt vorgesehen, 550.000 Euro im Etat 2024.