Mit ihrer gemeinsamen Kandidatin Anja Schmidt-Wagemann wollen fünf Fraktionen des Dinkelsbühler Stadtrats einen neuen Ansatz bei der Entwicklung von Projekten für Dinkelsbühl verfolgen. Der soll sachlich und lösungsorientiert sein und aufzeigen, dass Vorhaben nicht „alternativlos” sind.
Die parteilose Herausforderin von Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU), die derzeit Rathauschefin in Dinkelsbühls Nachbargemeinde Fichtenau ist, hat sich in den vergangenen Wochen in internen Veranstaltungen den Mitgliedern der fünf Parteien und Gruppierungen vorgestellt, die Schmidt-Wagemann jeweils nominieren wollen. In einem Pressegespräch stellte sie mit Fraktionssprechern von Bündnis 90/Die Grünen, DGG (Dinkelsbühl Gemeinsam Gestalten), Freien Wählern (FW), SPD und Wählergruppe Land (WGL) die Grundzüge einer Stadtpolitik dar, die das Miteinander in den Mittelpunkt rücken will.
In den vergangenen Wochen habe sie die vielen Facetten, die Dinkelsbühl ausmachen, kennengelernt, sagt sie. „Es gibt hier so viele Menschen, die zusammenhalten, die sich einbringen wollen”, beschreibt sie ihre Erfahrungen, die sie in Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern gesammelt hat. Diese Vielfalt werde auch im Umland gesehen und geschätzt, meint sie.
Paul Beitzer (SPD), Georg Piott (WGL), Matthias Schreiber (FW), Robert Tafferner (Grüne) und Florian Zech (DGG) sprechen von einem „gemeinsamen Verlangen”, die Dinge in Dinkelsbühl nach vier Amtsperioden des CSU-OBs Hammer anders anzugehen. „Lösungsorientiert, schon vor den Stadtratssitzungen”, merkt Beitzer an. Die Stadträte beklagen an der Rathauspolitik, die Hammer verantwortet, unisono mangelnde Kompromissfähigkeit und eine „Info-Kultur”, die zu wünschen übrig lasse. „Wie spricht man miteinander?”, fragt Florian Zech und verweist auf die Bedeutung der Kommunikation zwischen Stadtspitze, Verwaltung und Stadtrat.
Schreiber betont das „Vertrauen zueinander”, das vorhanden sein müsse, und den „guten Umgang miteinander”. Beides vermisst er gegenwärtig. Georg Piott fordert: „Das Parteibuch sollte man im Stadtrat nebenhin legen. Es geht nur um Dinkelsbühl.” Er erhofft sich von einem Wechsel an der Stadtspitze, von Anja Schmidt-Wagemann, einen neuen Führungsstil, „einen, der motiviert”.
Mit Anja Schmidt-Wagemann soll sich aber nicht nur der Kommunikationsstil zwischen Rathaus und Stadtrat ändern. Mit ihr an der Spitze soll die Akzeptanz der Bevölkerung für Entscheidungen wieder steigen. „Die ist bei den Leuten nicht mehr da”, ist Matthias Schreiber überzeugt. Seiner Ansicht nach ist das, was in Dinkelsbühl und seinen Baugebieten passiert, „nicht mehr unsere Schuhgröße”. Schmidt-Wagemann plädiert für eine „Entwicklung mit Augenmaß”, bei der auch die Bedürfnisse der Dinkelsbühler Bürgerinnen und Bürger in den Fokus gerückt werden sollen. Sie spricht sich in diesem Zusammenhang für die Verbindlichkeit von Bebauungsplänen aus: „Das wichtigste wäre, sich daran zu halten, was drinsteht.”
Robert Tafferner bemängelt, dass kleinere Themen in vergangenen Jahren nur noch „nachrangig” behandelt worden seien. Als Beispiel nennt der Grüne den Klimaschutzbeauftragten. Der Stadtrat habe die Schaffung einer Stelle zwar beschlossen, aber im Haushalt habe sich das nie abgebildet. Das sei frustrierend.
Florian Zech verweist darauf, dass sich nicht alle Themen „baulich” lösen lassen. Er nennt die Jugendarbeit in Dinkelsbühl, die kontinuierlich fortgeführt werden müsse. Da müssten schon jetzt die Weichen für die Zeit nach Jugendpfleger Stephan Putscher gestellt werden, fordert er. Georg Piott erhofft sich für die Dinkelsbühler Ortsteile auch weiterhin Flexibilität bei ihrer Entwicklung.
Die Themen, die die Stadträte und die Kandidatin im FLZ-Gespräch anreißen, sind so vielfältig wie die politischen Gruppierungen, die Schmidt-Wagemann als OB-Kandidatin unterstützen. Aber wie will sie die unterschiedlichen Vorstellungen der Fraktionen von Stadtentwicklung unter einen Hut bringen? „Indem wir im Miteinander etwas gestalten, nach Lösungen und Kompromissen suchen”, erklärt sie. „Diskussionen sind erwünscht. Mit allen Fraktionen im Stadtrat. Am besten schon im Vorfeld.”