Feuchtwangen: Aktion gegen Fremdenhass im KulturKino | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.02.2023 15:18

Feuchtwangen: Aktion gegen Fremdenhass im KulturKino

Moderatorin, Journalistin und Filmemacherin Mo Asumang stellte im Feuchtwanger KulturKino ihre Dokumentation „Die Arier“ vor. (Foto: isa-Maria Liebing)
Moderatorin, Journalistin und Filmemacherin Mo Asumang stellte im Feuchtwanger KulturKino ihre Dokumentation „Die Arier“ vor. (Foto: isa-Maria Liebing)
Moderatorin, Journalistin und Filmemacherin Mo Asumang stellte im Feuchtwanger KulturKino ihre Dokumentation „Die Arier“ vor. (Foto: isa-Maria Liebing)

Wie ist ein Neonazi zu dem geworden, was er ist? Und was haben die Rassisten eigentlich gegen sie? Diesen Fragen und noch mehr geht die Journalistin Mo Asumang in ihrem Film „Die Arier“ auf den Grund. Die Dokumentation stellte sie nun den Neuntklässlern der Realschule und des Gymnasiums im KulturKino vor.

„Angefangen hat das Ganze mit einer Morddrohung von einer rechtsextremen Band“, berichtete Mo Asumang, die als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers häufig mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert wird. „Wie geht man mit so einer Angst um?“, fragte die Berlinerin in die Runde des gut gefüllten Kinosaals und gab schließlich selbst die Antwort: „Am Anfang habe ich mich versteckt. Aber dann habe ich mir irgendwann gedacht: Jetzt reicht´s. Ich habe versucht, den Dialog zu finden, und habe nach dem Warum gefragt.“

So sei die Idee des Films „Die Arier“ entstanden. Fast dreieinhalb Jahre hat die Produktion bis zu ihrer Fertigstellung 2014 gedauert. Seitdem tourt Asumang damit durch deutsche Schulen – so wie jetzt in Feuchtwangen.

Rassismus ist Thema im Unterricht

„Unsere Schüler nehmen den Nationalsozialismus im Unterricht durch, und da spielt das Thema Rassismus ja eine große Rolle“, erklärte Johannes Schad, Leiter der Johann-Georg-von-Soldner-Realschule. Er freue sich, dass dank der Unterstützung der Elternbeiräte und Fördervereine beider Schulen sowie des Bezirks Mittelfranken und der Feuchtwanger Stadtwerke die Veranstaltung habe stattfinden können und für die Jugendlichen kostenlos sei.

In dem Dokumentarfilm reist Mo Asumang um die Welt, um herauszufinden, wer oder was genau eigentlich „die Arier“ sind. Sie traf dabei auf rechtsradikale Demonstranten, deutsche Burschenschaften und sogar auf Mitglieder des Ku-Klux-Klans. „Eine mutige Frau“, ertönte es aus den Reihen im Kinosaal.

Die 59-Jährige fand die Antwort schließlich im Iran, wo sie Angehörige des Volkes der „echten“ Arier traf. Bevor Hitler den Begriff missbrauchte, war der Arier laut Asumang nämlich die Bezeichnung eines Hirtenvolkes in Zentralasien – und diese Menschen haben überhaupt nichts mit der Vorstellung vom blauäugigen, blonden Weißen zu tun. „Wir Arier denken, Hitler war verrückt“, sagte einer der Männer in die Kamera. „Wir sind gute Menschen, töten ist schlecht“, ergänzte eine Frau. Gespannt verfolgten die Neuntklässler Asumangs Recherchen.

Wie anregend die Dokumentation war, wurde auch in der anschließenden Fragerunde deutlich: So wollten die Schülerinnen und Schüler beispielsweise wissen, ob Asumang während den Dreharbeiten Angst hatte. Wie ihre Kindheit verlief oder wann sie das erste Mal Rassismus erleben musste. Asumang berichtete von ihren Erfahrungen und erzählte auch von einem dunklen Kapitel ihres Lebens: Ihre Oma war Schreiberin bei der SS.

„Als meine Großmutter von ihrer Tochter erfuhr, dass sie ein dunkelhäutiges Kind erwartet, hat sie gedroht, sich umzubringen. So sehr war sie von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugt. Aber als sie mich dann sah, war da nur Liebe. Ich bin mir also sicher, fast jeder kann sich ändern – durch Begegnungen.“

Vom Rechtsextremen zum guten Freund

Einige Menschen, die sie in ihrem Dokumentarfilm trifft, hält Asumang allerdings für nicht mehr zugänglich. Darunter ist der Amerikaner Tom Metzger – Gründer der Vereinigung „Weißer Arischer Widerstand“. „Er hat mir Dinge an den Kopf geknallt, wie dass mein Vater ein Gen-Entführer sei, um seine Rasse aufzuwerten. Oder dass er mit mir in den Zoo geht, damit ich sehe, wo ich herkomme“, berichtete die Filmemacherin.

Aber dann gibt es da auch noch Menschen wie Chris, der in dem Film zunächst als Rechtsextremer vorgestellt wird. Ein junger Mann, der es nach vielen Jahren endlich geschafft hat, aus der Nazi-Szene auszusteigen. „Er ist heute mein Freund“, teilte Asumang den interessierten Jugendlichen mit.

Ihre klare Botschaft an diesem Tag: „Reden ist eine Waffe!“ Über die eigenen Erfahrungen reden, über Rassismus reden, mit Rassisten reden – all das könne helfen.

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