Als Sportler nimmt man und man gibt. Am Tag nach dem 5000-Meter-Rennen in Dresden mischte sich Florian Bremm unter die Fangruppe, die ihn bei der Deutschen Meisterschaft angefeuert hatte, und schrie selbst die anderen Läufer aus seiner Trainingsgruppe nach vorne. Dabei war dem Colmberger nicht nach Feiern zu Mute.
„Das nagt schon noch”, sagt der 24-Jährige aus Colmberg (Landkreis Ansbach) über die Silbermedaille, die für ihn ein eher schwacher Trost für den verpassten Titel im Heinz-Steyer-Stadion war. Zu gerne hätten er und noch manch anderer gewusst, wie der Endspurt gegen Mohamed Abdilaahi und also der direkte Vergleich der beiden aktuell besten deutschen Läufer über fünf Kilometer ohne seinen Patzer ausgegangen wäre.
Auf der Zielgeraden wollte Bremm innen an Sam Parsons vorbei, blieb am Berliner hängen, geriet aus dem Tritt. „Ein taktischer Fehler, mit dem ich sein und mein Rennen versaut habe”, ärgert sich Bremm, „ich hätte mich früher in eine bessere Position bringen müssen”. Seine enorme Spurtstärke reichte nur noch zu Platz zwei hinter Abdilaahi (Cologne Athletics). In einem langsamen Rennen blieben die Favoriten weit unter ihren Bestzeiten und danach war noch ein klärendes Gespräch mit dem erbosten Parsons fällig.
Außer dass es mit dem dritten Titel in Serie über die 5000 Meter nichts wurde für Bremm ist nicht viel passiert bei dieser Deutschen Meisterschaft. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft, der Höhepunkt seiner Karriere, gerät durch diesen verlorenen Endspurt jedenfalls nicht in Gefahr. Bremm beschäftigt sich bereits mit Flugverbindungen nach Tokio, obwohl die offizielle Nominierung der WM-Starter durch den Verband noch aussteht.
Es müsste aber schon mit dem Teufel zugehen, sollte er nicht für Deutschland in Japan starten dürfen. Seine aktuelle Position im World Ranking weist ihm das Startrecht zu, die WM-Leistungsbestätigungsnorm ist er gelaufen. „Es stehen noch Wettbewerbe für das World Ranking aus und theoretisch könnten mich noch einige Konkurrenten überholen, aber das ist unwahrscheinlich”, sagt Bremm.
Die aktuellen Planungen laufen jedenfalls darauf hin, dass Bremm im September gen Japan startet. Gemeinsam mit Abdilaahi, der zuletzt den deutschen Rekord auf 12:53,53 Minuten verbesserte und die direkte WM-Norm geknackt hat. Beide kennen sich schon viele Jahre lang, liefen schon im Nachwuchsbereich gegeneinander. „Von uns allen hat Abdilaahi das größte Potenzial”, sagt Bremm, der den manchmal etwas wankelmütigen Mönchengladbacher in den vergangenen Jahren dennoch mehrfach geschlagen hat.
Bevor es für Bremm ein weiteres Mal in diesem Jahr zum Höhentraining nach St. Moritz geht, steht noch ein Rennen in Belgien an. Dort tritt er über 1500 Meter an. „Da geht es darum, Spaß zu haben und eine gute Zeit hinzustellen”.
Weder Spaß noch eine gute Zeit war in Dresden der Frauen-Sprintstaffel der LG Stadtwerke München vergönnt. Nach einem Wechselfehler von Svenja Pfetsch auf Annika Just wurde das favorisierte 4x100-Meter-Quartett, mit Jahresbestzeit angereist, nachträglich disqualifiziert.
Nach Startläuferin Denise Uphoff und Amelie-Sophie Lederer aus Ornbau lag das Stadtwerke-Team noch klar auf Medaillenkurs. Im Einzelwettbewerb über 100 Meter lief Lederer in ihrem Vorlauf 11,61 Sekunden. Die 31-Jährige, 2021 Deutsche Hallenmeisterin im Sprint, verpasste damit den Einzug ins Halbfinale.
Die Ansbacherin Luisa Frehner trat mit der Staffel des LAC Quelle Fürth über die 4x400 Meter der Frauen U20 an. Geneinsam mit Anni Knoblich, Julia Wilhelm und Laura Beyer belegte sie im Gesamtresultat mit einer Zeit von 4:00,02 Minuten den zwölften Platz unter 20 Staffeln. Es war der letzte Auftritt der 19-Jährigen vor dem Umzug in die USA, wo sie ein Studium aufnehmen wird. Den Titel holte sich die Startgemeinschaft USC Mainz/LC Bingen in 3:48,54 Minuten.