Eis aus Gemüse? Das klingt erst einmal schräg. Doch wenn man darüber nachdenkt, ist es gar nicht so weit hergeholt. Schließlich enthalten einige Gemüse von Natur aus viel Zucker und schmecken süß. Warum also nicht einfach mal ein Gemüse-Eis fabrizieren?
Marcel Klisch, stellvertretender Küchenchef des Restaurants „Waldfein“ in Kiedrich, empfiehlt vor allem Erbsen, Karotten, Pastinaken, Rote Bete und Kürbis, aber auch Spargel für Gemüse-Eis. „Warum muss Eis immer süß schmecken? Gerade ein Gemüse-Eis funktioniert auch super als Vorspeise“, erklärt der Kochprofi aus dem Rheingau. So serviert er zur wärmeren Jahreszeit gerne Spargeleis mit Erdbeeren und Blattsalat als Vorspeise.
Alexandru Simon, Chefkoch des „Relais & Châteaux-Glasswing“ in Wien, sieht das mit dem Wurzelgemüse ähnlich, setzt aber noch einen drauf: Er findet sogar Sellerie, Fenchel und Mais für Eis passend. „Die bringen eine gewisse Frische oder beziehungsweise nussige Noten mit, die im Eis sehr interessant wirken können. Wichtig ist immer, dass das Gemüse nicht zu „wässrig” und geschmacklich klar definiert ist“, erklärt der 32-jährige Sternekoch.
Durch die Kombination mit Fett schmecke das Gemüse oft runder, weicher und fast dessertartig - selbst wenn es ursprünglich eher herzhaft war. Simon: „Rote Bete zum Beispiel verliert ihre erdige Note und wird fast fruchtig.“
Bei Gemüsearten mit harter Konsistenz geht es zunächst darum, sie weich zu garen. Der 34-jährige Klisch empfiehlt dabei, immer das gewünschte Gemüse direkt in einem halben Liter Schlagsahne weich zu köcheln, damit nichts vom Aroma verloren geht.
Ob die optimale Konsistenz erreicht ist, sieht er mit folgendem Trick: Er taucht einen Kochlöffel in die aufgeschlagene Masse ein, hält den Löffel waagrecht unterhalb des Kinns und pustet aus Richtung Stiel in Richtung Laffe (= unterer Teil des Kochlöffels). Bildet die Masse einzelne Linien aus, die mit etwas Fantasie von oben wie eine Rose aussehen, ist die Cremigkeit perfekt. Profiköche sprechen deshalb bei diesem Verfahren vom „zur Rose abziehen“.
Wem die Profi-Variante mit Eigelb und Wasserbad zu kompliziert ist, für den hat Klisch noch eine einfache Version:
Egal, für welche Variante man sich entscheidet: Beides in einen Plastikbehälter oder eine Auflaufform füllen und ins Tiefkühlfach stellen. Damit sich keine Eiskristalle bilden, rührt Klisch die Masse alle 20 bis 30 Minuten kräftig durch.
Laut Klisch verliert sich beim Spargel die leicht bittere Note beim Einfrieren der Eismasse. Bei allen anderen Gemüsearten entsteht dieses Problem gar nicht, da sie ohnehin schon süß schmecken.
Alexandru Simon bevorzugt beim Gemüse-Eis als Garmethode ganz klar das Rösten. Daher legt er gerne rohe Rote Bete oder Süßkartoffeln auf ein mit Salz belegtes Backblech und schmort das Gemüse bis es weich ist. Je nach Größe der Stücke dauert das 45 bis 60 Minuten. „Das Salz entzieht der Roten Bete Wasser, der Geschmack wird intensiver“, erläutert Simon.
Bei Gemüse wie Fenchel und Erbsen setzt der Wiener auf Dämpfen: „Dämpfen ist eine gute Alternative, wenn man einen sehr reinen, klaren Geschmack möchte. Das Kochen im Wasser vermeide ich eher, weil dabei viel Aroma verloren geht.“
Der Glasswing-Chefkoch hat ebenfalls ein spannendes Grundrezept für Eiszubereitung:
Simons Tipp: Vorm Gefrieren noch Walnüsse, Schokoladenstücke oder Pistazien dazu geben. „Wer mag, kann auch Kardamom und Koriander in die Eismasse mischen“, meint Simon.
Anita Zieme, gelernte Köchin und Inhaberin des Restaurants „Anita im Börringekloster“ in Südschweden nutzt für ihr Rote-Bete-Eis ebenfalls gesüßte Kondensmilch, allerdings frisch aus der Dose. Denn ihr ist es zu umständlich, extra Ei mit Zucker aufzuschlagen, gibt die Schwedin zu. Ansonsten wird bei ihrem Eis Sahne im Mixer aufgeschlagen und das gekochte Gemüse mit dem Pürierstab zerkleinert.
Das Beste an allen Eis-Rezepten: Sie lassen sich nicht nur ohne aufwendige Verfahren zubereiten, sondern auch ohne Eismaschine. Ziemes Motivation dafür ist ganz einfach: „Ich mag nicht so viele Geräte in der Küche.“
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