Einbrecher tötete schlafenden Ansbacher: So steht es um die Mord-Ermittlungen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.06.2025 07:00

Einbrecher tötete schlafenden Ansbacher: So steht es um die Mord-Ermittlungen

In der Büttenstraße in Ansbach hatte im März ein Einbruch tödliche Folgen für einen 66-Jährigen. (Archivbild: Johannes Hirschlach)
In der Büttenstraße in Ansbach hatte im März ein Einbruch tödliche Folgen für einen 66-Jährigen. (Archivbild: Johannes Hirschlach)
In der Büttenstraße in Ansbach hatte im März ein Einbruch tödliche Folgen für einen 66-Jährigen. (Archivbild: Johannes Hirschlach)

Wehrlos im eigenen Bett überfallen und ausgeraubt werden, dann noch Prügel bis zur Besinnungslosigkeit kassieren: Es ist ein realer Albtraum, was ein 66-Jähriger Anfang März mitten in seiner Wohnung in der Ansbacher Innenstadt erleiden musste. Ein Albtraum, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte: Zwei Tage später starb der 66-Jährige auf tragische Weise. Die Staatsanwaltschaft Ansbach, die deshalb von Mord ausgeht, bringt nun weitere Details ans Licht.

Die Gewalttat in der Nacht auf Aschermittwoch schockierte viele Ansbacher. Im Schlaf nicht sicher zu sein, ist ein furchtbares Gefühl. Der Tatort, eine Erdgeschosswohnung in der Büttenstraße, liegt mitten im Zentrum, also das Gegenteil einer abgelegenen Siedlung. Woher diese Skrupellosigkeit des Täters?

Sollten mit der Beute Schulden beglichen werden?

Womöglich, weil er diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt sein könnte. Darauf deuten Ermittlungsergebnisse der für den Fall eingerichteten SOKO Stadtgraben hin. Denn es gibt einen Tatverdächtigen: Schon nach wenigen Tagen hatte die Polizei einen 47-Jährigen festgenommen. Er soll nach Einschätzung der Ermittler für den brutalen Überfall verantwortlich sein und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Damals rechnete die Ansbacher Staatsanwaltschaft bereits mit dem Raub als einziges Motiv. Daran haben auch die weiteren Ermittlungen nichts geändert, wie Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier nun auf FLZ-Anfrage mitteilt: „Wir gehen davon aus, dass es ihm darum ging, Beute zu machen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.” Möglich sei, dass der Tatverdächtige „irgendwo Schulden hatte”. Untersucht werde auch, ob der 47-Jährige vielleicht von dem Geld Drogen kaufen wollte.

Konkrete Anhaltspunkte gebe es aber dafür nicht. Als der Beschuldigte in die Justizvollzugsanstalt eingeliefert wurde, seien keine Entzugserscheinungen festgestellt worden, die auf eine Drogenabhängigkeit hindeuten. Allerdings prüfe ein psychiatrischer Gutachter derzeit die Schuldfähigkeit des Mannes.

Zusammenhang mit weiteren Überfällen in Ansbach?

Geraubt wurden damals insgesamt drei Uhren im Wert von insgesamt 1000 Euro, einige Hundert Euro Bargeld und eine EC-Karte. Vom Konto wurde noch in der Nacht „ein hoher dreistelliger Betrag abgehoben”, sagt Heinzlmeier. Alles in allem vielleicht ein Wert von maximal 2500 Euro. Nicht gerade ausreichend, um sich längerfristig damit über Wasser zu halten.

Möglich also, dass der 47-Jährige wiederholt Bedarf an Barem sah. „Wir gehen davon aus, dass er immer wieder Taten begangen hat”, sagt Heinzlmeier. Die SOKO überprüfe weiterhin den Zusammenhang mit weiteren Raubdelikten in Ansbach, sagt Heinzlmeier. Auf dem Radar der Ermittler ist deshalb die Nacht auf den 24. Februar, also nur wenige Tage vor dem Einbruch. Dort wurde erst am Hohenzollernring ein Passant überfallen, der Täter blieb aber ohne Beute. Stunden später dann ein Angriff in der Feuerbachstraße, bei dem einem Mann Geld und Wertgegenstände geraubt wurden.

Verwirrt aus dem Krankenhaus gelaufen

Präziser als bislang wird Heinzlmeier nun auch, was die Todesumstände des in seiner Wohnung überfallenen 66-Jährigen anbelangt. Dieser war – nach Stunden der Bewusstlosigkeit – am nächsten Tag mit schweren Kopfverletzungen in eine Klinik gekommen. Statt sich dort weiter versorgen zu lassen, verschwand der 66-Jährige aber plötzlich. „Wir gehen davon aus, dass er das Krankenhaus im Zustand der Verwirrung verlassen hat”, sagt Heinzlmeier. Zurückzuführen sei das auf ebenjene massiven Verletzungen am Kopf. Kurz darauf wurde der Mann in einem Feld tot aufgefunden.


Johannes Hirschlach
Johannes Hirschlach
Redakteur für Digitales
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