Ein „Zugpferd” für Uffenheim? So plant Lidl seinen neuen Markt im Stadt-Norden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.02.2026 11:20

Ein „Zugpferd” für Uffenheim? So plant Lidl seinen neuen Markt im Stadt-Norden

So soll das neue Areal an der Würzburger Straße in Uffenheim aussehen. (Foto: Visualisierung: Auriga/Saskia Krause)
So soll das neue Areal an der Würzburger Straße in Uffenheim aussehen. (Foto: Visualisierung: Auriga/Saskia Krause)
So soll das neue Areal an der Würzburger Straße in Uffenheim aussehen. (Foto: Visualisierung: Auriga/Saskia Krause)

Der Discounter Lidl will einen neuen Markt im Uffenheimer Norden bauen. In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend stellte Architekt Jörg Bierwagen den Vorentwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans vor. Nicht nur Udo Kurpiela (SPD) war angetan: „Ich bin einfach nur begeistert von den Planungen. Das wird ein Mehrwert für Uffenheim.”

Im Trio waren die Redner aufgeschlagen: Jörg Bierwagen als Planer, Alexander Pavlovic vom Bauträger und Lidl-Portfoliomanager Tobias Grasser. Bislang dürfen die Uffenheimerinnen und Uffenheimer noch an der Obernzenner Straße einkaufen, doch diese alte Fläche sei für Lidl „nicht mehr nutzbar”. Das jetzt gewünschte Projekt könne dort nicht umgesetzt werden.

Suche nach dem passenden Grundstück

Schon seit über zwei Jahren sucht Pavlovic nach einem passenden Grundstück für den Neubau. Nun also hat es geklappt: Entsprechend erleichtert zeigte er sich, dass in der Ratssitzung der Vorentwurf für den Standort an der Würzburger Straße – auf der östlichen Bundesstraßenseite gegenüber von Netto und Takko – präsentiert werden konnte. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für ein Sondergebiet „Verbrauchermarkt” muss hierfür aufgestellt und der Flächennutzungsplan entsprechend geändert werden, denn bislang ist die Fläche noch für die Landwirtschaft eingetragen.

Die Marktgröße umfasst maximal 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche, informierte Bierwagen, das sei der Lidl-Standard für Mittelzentren. In einem zweiten, separaten Gebäude wird ein „Bäckereicafé” entstehen. Bürgermeister Wolfgang Lampe hatte in der Bürgerversammlung verraten, dass Brothaus dort einziehen soll. Auch eine Außenbestuhlung soll möglich sein. Andreas Zander (Bürgerliste) hatte gehört, dass sich dort auch eine Metzgerei ansiedeln soll. Es habe Gespräche gegeben, betonte das Trio, „doch der Metzger wollte nicht mit umziehen”.

„Wir wollen es vor Ort halten“

Wegen der Zufahrt zum Markt habe es bereits Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt Ansbach als Baulastträger für die Bundesstraße gegeben. Ein Kreisverkehr oder eine Ampelanlage seien abgelehnt worden. Deshalb wird es für Autofahrerinnen und Autofahrer eine Linksabbiegespur und für Fußgänger eine Querungshilfe geben, die abends auch beleuchtet werden kann. Susanne Holzmann (FWG) fragte nach, ob es dann ein Tempolimit geben werde. Das bejahten die Referenten: Vor dem Beginn der Abbiegespur werde auf Tempo 70 gedrosselt, mit dem Ortsschild dann auf 50 km/h.

Höchstens 128 Stellplätze wird es geben, auch für E-Autos mit Ladesäulen. Auf allen könne das Wasser versickern, „wir wollen es vor Ort halten“, erklärte Jörg Bierwagen. Die Energie werde über PV-Module auf dem Dach des Hauptgebäudes erzeugt. Bei der Marktbeleuchtung gibt es derweil eine Einschränkung: Weil in der Scheune nordöstlich Schleiereulen leben, muss nachts das Licht ausgehen. Generell darf auf dem Areal nur von 6 bis 22 Uhr Betrieb sein, die Öffnungszeiten seien von 7 bis 20 Uhr geplant. Nachts sollen auch keine Anlieferungen stattfinden.

„Viele Dinge, die ich persönlich als sehr negativ finde”

Die dritte Bürgermeisterin Ruth Halbritter (Grüne) fand: „Sie haben einen Vortrag gehalten, dass man meinen könnte, das wäre ein absoluter Zugewinn für Uffenheim.” Aber: Flächenversiegelung, der Fußgängerweg an der B13 entlang oder der Eingriff in den Wasserhaushalt: Sie habe „viele Dinge” gefunden, „die ich persönlich sehr negativ finde”. Halbritter regte zudem an, auch die Parkplätze mit PV-Modulen zu überdachen.

Lidl habe die Modulzahl auf den Dachflächen genau geplant – und zwar so, dass der Bedarf gedeckt, die Ladesäulen beliefert und eine Reserve angelegt werden können, hieß es daraufhin. Und: Kundinnen und Kunden seien bei PV-überdachten Parkplätzen kritisch, wie eine Untersuchung ergeben habe. „Es hat Tiefgaragen-Charakter und das wollen Frauen nicht.”

Leerstand wäre ein Problem

Ewald Geißendörfer (CSU) fand das Konzept „gut durchdacht”, machte aber auch kein Hehl daraus, mit dem Standort „zu fremdeln”. Nachdem demnächst auch Kik in Uffenheim schließe, fragte er, was mit dem bisherigen Markt-Areal passieren solle. Ein Leerstand in dieser prominenten Lage wäre ein Problem.

Lidl sei dort nur Mieter, habe aber zugesichert, zusammen mit dem Eigentümer eine Nachfolge zu finden, so Lampe. Lidl-Vertreter Grasser sprach aufgrund des guten Standorts von „vielen Interessenten” aus dem „Nonfood-Bereich”. Namen wollte er jedoch nicht nennen. Aber: Man werde nicht einfach Tschüss sagen, versprach Grasser. „Wir sind guter Dinge, schnell jemanden präsentieren zu können.”

„Wichtig, dass Lidl in der Stadt bleibt“

Dem Trio fiel es allerdings schwer, schon konkrete Angaben zum Zeitrahmen für den neuen Markt an der Würzburger Straße zu machen. Vor allem beim Bauleitverfahren, also der Genehmigung des Bebauungsplans und der Änderung des Flächennutzungsplans, sei es schwer abschätzbar, wie viel Zeit dafür benötigt werde.

Die Bauzeit selbst, erläuterte Alexander Pavlovic, werde dann neun bis zwölf Monate betragen. Eines sei klar: Man werde keine Übergangsphase brauchen. Es sei möglich, den Markt an der Obernzenner Straße am Abend zu schließen und am nächsten Morgen den Neubau an der Würzburger Straße in Betrieb zu nehmen. Zwei Jahre bis zur Eröffnung seien realistisch, schätzten die Fachmänner grob.

Das Uffenheimer Ratsgremium billigte bei einer Gegenstimme (Ruth Halbritter) den Vorentwurf und beschloss die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung. Vize-Bürgermeister Hermann Schuch (FWG) fand jedenfalls: „Es ist grundsätzlich wichtig, dass Lidl in der Stadt bleibt.” Schließlich seien die Lebensmittelmärkte, wie Bauträger Pavlovic anmerkte, die „Zugpferde” für Kundinnen und Kunden aus dem Umland.

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