Aus Autohaus wird Kinderhaus: Der Montessori-Verein hat sich ins ehemalige Autohaus Hoffmann in der Ansbacher Stahlstraße eingemietet und wird dort eine Kindergarten- und eine Krippengruppe einrichten. Das Konzept hierfür gibt es so bislang in Ansbach noch nicht.
Die neue Naturgruppe soll bereits am 10. Juni starten. Diesen strammen Zeitplan gab Sonja Karg, die stellvertretende Leitung von Kinderhaus und Kinderhäuschen, bei einem Infoabend vor rund zwei Dutzend interessierten Eltern an. In den nächsten Tagen soll der Bauantrag bei der Stadt eingereicht werden. Die Handwerker warten nur noch auf die Genehmigung, um loslegen zu dürfen, erklärte sie.
Von der Verkaufshalle wird Montessori nur etwa 250 Quadratmeter nutzen. Dieses Drittel muss vom Rest abgetrennt werden. Auch sonst gilt es, mehrere Wände einzuziehen, um die Gruppenräume von Garderobe, Küche, Sanitärbereich und Schlafraum abzutrennen, wie Ute Santin, die Kassiererin des Montessori-Vereins, ausführte.
Aufwendig wird es sicherlich auch, den versiegelten Außenbereich zu einem gemütlichen Garten umzufunktionieren. „Wir haben da Erfahrung“, sagte Santin grinsend und zeigte zum Beweis Bilder aus der Brauhausstraße. Neben dem Brücken-Center hat der Montessori-Verein die Grundschule und eine Kindergartengruppe eingerichtet und den Umgriff der Gebäude viel gemütlicher gestaltet. In der Karolinenstraße kommen noch eine Kindergarten- und eine Krippengruppe hinzu.
Was ist nun das besondere an der Naturgruppe? Vereinfacht ist es eine Mischung aus einem Wald- und einem Montessori-Kindergarten. Das Konzept orientiert sich streng an den Vorgaben der zuletzt wegen rassistischer Äußerungen kritisierten Pädagogin Maria Montessori (Kernsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“). Die Vormittage verbringen die Kinder immer draußen in der Natur. „So lange es keine Sturmwarnungen gibt, gehen wir raus“, versprach Karg. Nachmittags sind die Kleinen im Kinderhaus und können sich drinnen oder im Garten beschäftigen.
„Zeilberg, Ludwigshöhe und Dombachtal sind von hier aus fußläufig zu erreichen“, erklärte Karg. Auch ihr ist klar, dass die Stahlstraße nicht sofort Assoziationen mit Wald und Wiese hervorruft. Dass jeder Ausflug mit einem Fußmarsch von grob einem Kilometer verbunden ist, ist aus ihrer Sicht auch den kleinen Kindern zuzumuten. Die Gruppe ist gedacht für Kinder von zweieinhalb Jahren bis zur Einschulung. Zur Not stünden bei extrem schlechtem Wetter auch öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung, um schneller zurück in die Stahlstraße zu gelangen.
Karg zitierte Maria Montessori mit dem Satz: „Wenn Kinder mit der Natur in Kontakt kommen, offenbaren sie ihre Stärken.“ Schon jetzt gehörten Ausflüge in die Natur fest zum Konzept der Betreuung in Kinderhaus und Kinderhäuschen, berichtete die stellvertretende Einrichtungsleitung. Die neue Gruppe werde das noch deutlicher ausleben. Beim Informationsabend erläuterte ihre Kollegin Keisha Killian schon einmal, was die Kinder im Rucksack alles benötigen werden.
Sie verwies auf das „Haus der kleinen Forscher“. Das Projekt verknüpft auch in den Montessori-Einrichtungen in Ansbach seit Jahren Naturwissenschaft und Technik mit dem Alltag der Kinder. Apropos Technik: Trotz der Verbundenheit zur Natur gehört es im Montessori-Kindergarten ganz selbstverständlich dazu, die Nutzung eines iPads zu lernen, wie Daniela Knechtl zeigte. Die Kinder erstellen damit beispielsweise Stop-Motion-Filme.
Der Start im Juni und damit außerhalb des normalen Kindergartenjahres soll einen fließenden Start möglich machen, weil dann wohl noch nicht alle 20 Plätze belegt sein werden. Künftig wird das Kindergartenjahr auch in der Naturgruppe wie überall sonst auch im September beginnen, machte Karg deutlich.
Dass der Montessori-Verein nun einen vierten Standort in Ansbach aufmacht (neben Brauhaus- und Karolinenstraße gibt es noch die Sekundarstufe in der Grenzstraße), ist aus Vereinssicht nicht optimal. Doch es laufen bereits Planungen für ein Montessori-Zentrum, das in ein paar Jahren voraussichtlich am Bocksberg entstehen soll, verriet Santin.
In Ansbach gibt es 25 Kindertageseinrichtungen mit 58 Kindergartengruppen, sechs Kleinkindgruppen und 20 Krippengruppen. Im aktuellen Kindergartenjahr fehlen laut dem Kita-Konzept zwei Kindergarten- und vier Krippengruppen, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Im kommenden Kindergartenjahr kommen mit dem Ausbau der TIZ-Kids 25 Kindergartenplätze und 15 Kleinkindplätze hinzu. Zudem läuft der Ausbau des Kindergartens Brodswinden. Zwei altersgemischte, reine Wald- oder Naturgruppen bietet aktuell nur der Waldkindergarten „Unterm Blätterdach“ an.