Nun ist auch der dritte Chef der Ansbacher Gymnasien ausgetauscht. Nach dem Carolinum und dem Theresien- hat seit Schuljahresanfang auch das Platen-Gymnasium einen neuen Schulleiter. Wie geht es Tobias Herber nach der Einarbeitungsphase?
„Was mir von Anfang an aufgefallen ist, ist diese interne Haltung, Dinge miteinander zu tun”, lobt der Neue auf dem Chefsessel im Platen. Das Wir-Gefühl gebe es bei Schülerinnen und Schülern ebenso wie bei den Eltern und den Lehrkräften, hat Herber erfreut festgestellt.
Auch das Schulgebäude selbst hat er schon in sein Herz geschlossen. Neben seinem Büro hat es ihm die kleine Pausenhalle, die A- und B-Bau verbindet, angetan. Aber auch der große Musiksaal im C-Bau mit seiner „luftigen Freiheit” und dem Blick auf die Dächer von Ansbachs Altstadt empfindet der 48-Jährige als etwas ganz Besonderes.
Mit etwa 680 Schülerinnen und Schülern und rund 70 Lehrerinnen und Lehrern stellt das Platen das mittlere der drei Ansbacher Gymnasien dar. Es ist größer als das Carolinum, aber kleiner als das Theresien. „Ein bisschen Platz haben wir noch, wir könnten noch ein paar Schüler unterbringen”, merkt Herber mit einem Lächeln an. „Aber wir buhlen nicht um Schüler”, schiebt er hinterher.
Das Schulprofil als Außenwirkung findet der Oberstudiendirektor ausreichend. Das Platen-Gymnasium genießt seit jeher einen hervorragenden Ruf für die naturwissenschaftliche Ausbildung. Daneben bietet es einen sprachlichen Zweig. Neben Englisch lernen die Schülerinnen und Schüler dann noch zwei der drei Sprachen Französisch, Latein und Italienisch. „Mit Italienisch als Fremdsprache haben wir in der Stadt ein Alleinstellungsmerkmal”, sagt Herber, „das sollte eigentlich Werbung genug sein.”
Mit den Schulleitern Andrea Pfeiffer (ThG) und Stefan Exner (Carolinum) versteht sich Herber gut. Es gibt regelmäßige Treffen. Mit dem Caro arbeitet das Platen inzwischen eng zusammen, um ein breiteres Angebot an Leistungskursen bieten zu können. Und es gibt schulübergreifende Kurse, um begabte Jugendliche noch stärker zu fördern.
Eine Besonderheit ist, dass es sich beim Platen um eine Seminarschule handelt. Hier werden Referendarinnen und Referendare auf ihre Zeit im Klassenzimmer vorbereitet. Hier gibt Herber regelmäßig Fortbildungen in Schulrecht und Schulverwaltung. „Das ist sozusagen meine Schulklasse”, sagt er und schmunzelt. Denn als Schulleiter kommt er sonst eigentlich nicht zum Unterrichten. Er ist übrigens Lehrer für Latein und katholische Religionslehrer. „In der Schulverwaltung spielt die Fächerkombination aber keine Rolle.”
Dass er selbst Lehrer werden will, war für den in der Nähe von Fulda aufgewachsenen Tobias Herber schon sehr früh klar. „Ich habe das schon in der ersten Klasse als Berufswunsch in mein Freundebuch geschrieben, und vermutlich auch in einige andere Freundesbücher.” Er grinst kurz. Dinge zu erklären, das hat ihm schon immer gefallen, schiebt er erläuternd nach.
Nach dem Abitur studierte Tobias Herber in Würzburg. Dort und in Eichstätt war er als Referendar tätig. 2006 kam er an das Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg, schon nach drei Jahren wurde er Teil der Schulleitung – erst kommissarisch, ab 2013 dann auch offiziell.2020 wechselte er ans Gymnasium in Stein, wo er als stellvertretender Schulleiter tätig war. Im Studium hat er seine jetzige Ehefrau kennengelernt, die aus dem östlichen Landkreis Ansbach stammt. In das kleine Dorf sind sie vor ein paar Jahren gezogen.
Was macht ein Schulleiter eigentlich den ganzen Tag, wenn er doch selbst nicht unterrichtet? „Eine Schule zu leiten, hat viel mit Kommunikation zu tun”, sagt Herber nach kurzem Nachdenken. Informationen verarbeiten, Kompromisse ausloten, Leitplanken setzen. „Man sät Samen und sieht die Pflanzen noch nicht”, versucht er es in ein Bild zu gießen. Aktuell ist Herber damit beschäftigt, die Lehrkräfte zu bewerten. Bis Ende 2026 muss er mit allen durch sein. Der Unterrichtsbesuch ist die ideale Gelegenheit, um das Kollegium kennenzulernen.
Große Veränderungen hat er am Platen noch nicht etabliert. Ein fertiges Konzept der Schule überstülpen – das ist nicht Herbers Weg. Das erste Schuljahr will er vor allen Dingen Augen und Ohren offenhalten. Dann erst will er nachsteuern. Wobei, ein paar Dinge hat er sich schon auf die Liste genommen. „In der Verwaltung arbeiten wir noch sehr viel mit Papier”, sagt er und ist bemüht, das nicht wie einen Vorwurf an seinen Vorgänger Jochen Heldmann klingen zu lassen. „In 18 Jahren haben sich natürlich Dinge eingeschliffen.”
Was Herber in der heutigen Zeit enorm am Herzen liegt, ist der richtige Umgang mit künstlicher Intelligenz. Das geschickte Formulieren einer Aufgabenstellung gehört aus seiner Sicht ebenso dazu wie das Beurteilen und Bewerten der Ergebnisse. Ohne „profundes Wissen” geht das nicht.
Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hat er bislang als sehr angenehm empfunden. An der Schule sind Investitionen in den Brandschutz erforderlich, die derzeitigen Fluchtwege seien nur Provisorien. Die Stadt sei sehr bemüht, Abhilfe zu schaffen, so die Wahrnehmung des Schulleiters. „Wenn wir das angehen, hoffen wir, dass wir die Physik- und Biologieräume mit erneuern können.”
Und wie fällt das Fazit nach der Startphase am Platen aus: „Für mich ist es genau das Richtige”, sagt Tobias Herber. Er lächelt. Breit und überzeugend.