Ein Abend für Claire Waldoff in den Ansbacher Kammerspielen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.02.2024 09:00

Ein Abend für Claire Waldoff in den Ansbacher Kammerspielen

Wollen an eine Berliner Kabarett-Ikone erinnern: die Pianistin Veronika Eismont (links) und die Schauspielerin Katja Schumann widmen Claire Waldoff ein Programm. (Foto: Katja Schumann/Selbstauslöser)
Wollen an eine Berliner Kabarett-Ikone erinnern: die Pianistin Veronika Eismont (links) und die Schauspielerin Katja Schumann widmen Claire Waldoff ein Programm. (Foto: Katja Schumann/Selbstauslöser)
Wollen an eine Berliner Kabarett-Ikone erinnern: die Pianistin Veronika Eismont (links) und die Schauspielerin Katja Schumann widmen Claire Waldoff ein Programm. (Foto: Katja Schumann/Selbstauslöser)

Vor 100 Jahren war sie ein Berliner Star, die Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin Claire Waldoff. Wer? Kennt man die noch, hat sich die Schauspielerin Katja Schumann gefragt. Und ausprobiert, ob Waldoff-Lieder beim heutigen Publikum ankommen. Kommen sie. Katja Schumann hat daher ein eigenes Programm gemacht.

Wobei, leicht war das nicht. Schon 2020 im September sollte die Premiere sein. Corona durchkreuzte den Plan. Katja Schumann nutzte die Zeit, um weiter mit ihrer Klavierpartnerin Veronika Eismont am Programm zu arbeiten, um weiter zu graben, Neues zu entdecken. Es gibt Hunderte von Waldoff-Chansons, Kabarettliedern – „ein unfassbarer Schatz“, findet die Ansbacher Schauspielerin.

Premiere am Freitag in den Kammerspielen

Jetzt wollen Katja Schumann und Veronika Eismont den Schatz endlich heben. Am Freitag, 16. Februar, 20 Uhr, hat ihr neues Programm in den Ansbacher Kammerspielen Premiere. „Ich bin ja nicht schön, aber frech“, heißt es. Der Titel, eine Selbstbeschreibung, spielt auf ein Waldoff-Lied von 1922 an.

Die Zwanziger und Dreißiger des 20. Jahrhunderts sind eine Zeit, mit der sich Katja Schumann seit Langem auseinandersetzt. Sie erzählt in ihren Projekten gern Zeitgeschichte anhand von Lebensschicksalen. Claire Waldoff passt da perfekt. „Spannende Frau, spannende Geschichte, spannende Biographie abseits der Konventionen, die es damals gab“, findet die Schauspielerin.

In Berlin zur Kabarett-Ikone geworden

Claire Waldoff war, wie so viele Berliner Originale, keine Berlinerin. Sie stammte aus dem Ruhrpott, wurde 1884 als Clara Wortmann in Gelsenkirchen geboren, wollte Schauspielerin werden, gab sich einen Künstlernamen, zog mit Anfang zwanzig nach Berlin, trat in Herrenanzügen auf, begeisterte quer durch die Bildungsschichten mit ihrem Witz, ihrer durchdringenden Stimme, ihrer prononcierten Deklamation, verspottete Untertanen und Obrigkeit und wurde mit ihrer Lebenspartnerin Olga von Roeder zu einem Mittelpunkt der lesbischen Szene.

So beliebt, so populär war Claire Waldoff, dass später die Nazis sie zumindest nicht direkt angriffen. „Ich tanzte nahe am Abgrund, aber keiner wagte, mich hineinzustoßen“, schrieb sie in ihren Lebenserinnerungen. In Filmen und im Rundfunk durfte sie allerdings nicht auftreten. Ihre Karriere verebbte. Verarmt starb sie 1957 in Bad Reichenhall. Sie hatte sich mit ihrer Partnerin schon 1939 nach Oberbayern zurückgezogen.

Katja Schumann kennt Chansons von Claire Waldoff, für die Prominente Texte und Komponisten schrieben, seit ihrer Kindheit in Cottbus. Sie entdeckte sie auf einer Schallplatte ihrer Eltern für sich. „Das Schöne ist, sie kann eigentlich gar nicht singen“, sagt Katja Schumann aus ihrer heutigen Sicht kurz vor der Premiere, „was den Druck nimmt, gut singen zu müssen. Es geht tatsächlich um den Inhalt der Lieder.“ Um Zwischenmenschliches vor allem. Verblüfft sind Katja Schumann und Veronika Eismont, wie aktuell die Texte immer noch sind.

Lieder von alten Aufnahmen abgehört

Zu vielen Lieder fanden die beiden Künstlerinnen kein Notenmaterial. Also haben sie es kurzerhand selbst produziert. Katja Schumann spielte ihrer Pianistin alte Schellack-Aufnahmen bei Youtube vor. Die setzte sich ans Klavier, hörte zu, spielte nach, schrieb auf. „Veronika Eismont – ein Traum“, sagt Katja Schumann und strahlt.

Lang hat sie überlegt, wie sie den Stoff anpacken soll. Über eine Figur, eine Handlung das Leben erzählen? Das verkompliziert die Geschichte unnötig, stellte Katja Schumann fest. Sie wagt daher etwas Ungewohntes für sie: Sie wird nicht in eine Rolle schlüpfen, sondern einfach als Katja Schumann von Claire Waldoff erzählen. Und vor allem wird sie viele Lieder singen.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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