Die einzige Hausarzt-Praxis in Mitteleschenbach schließt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.02.2024 07:00

Die einzige Hausarzt-Praxis in Mitteleschenbach schließt

Hat keinen Nachfolger gefunden: Dr. Hans-Erich Singer. (Foto: Meral Siner)
Hat keinen Nachfolger gefunden: Dr. Hans-Erich Singer. (Foto: Meral Siner)
Hat keinen Nachfolger gefunden: Dr. Hans-Erich Singer. (Foto: Meral Siner)

Aus Altersgründen schließt Dr. Hans-Erich Singer (65) Ende März seine Hausarztpraxis in Mitteleschenbach. Dem Allgemeinmediziner und langjährigen Vertreter der Bayerischen Landesärztekammer ist es „trotz intensiver Bemühungen“ nicht gelungen, einen Nachfolger zur Übernahme zu finden.

Auf die Stellenausschreibung im Bayerischen Staatsanzeiger habe sich „kein einziger Bewerber gemeldet“, sagt Dr. Singer. „Es besteht schlicht kein Interesse an einer ländlichen Hausarztpraxis.“ Seit 1992 arbeitet er als niedergelassener Allgemeinmediziner in der Einzelpraxis in Mitteleschenbach.

Durch seine berufspolitische Arbeit in der Landesärztekammer, im Hausärzteverband und in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern als Interessensvertretung für die Ärzteschaft engagierte sich Dr. Singer in einem breiten Netzwerk. „Seit zwei Jahren ist bekannt, dass ich aufhören werde“, sagt er, „aber es ist leider nicht gelungen, einen Nachfolger zu motivieren, die Praxis zu übernehmen.“

Laut Statistik ist der Bereich sogar überversorgt

Seine Patienten, darunter Heimbewohner, die er betreut hat, müssen sich einen neuen Hausarzt suchen. Die 1800-Einwohner-Gemeinde gehört nach den ambulanten Versorgungsstrukturen zum Planungsbereich Gunzenhausen, erläutert Dr. Singer. Dort liege der Versorgungsgrad derzeit bei 109 Prozent. Laut Statistik gebe es demnach in diesem Bereich „genügend Hausärzte“.

Einen Aufnahmestopp für Neupatienten gab es in der Praxis nicht. „Wir haben unter Volllast gearbeitet, aber nicht unter einer Überlastung”, so der Mediziner. Eine Seniorin aus Gelsenkirchen, die zu ihren erwachsenen Kindern in die Region gezogen ist, hätte ohne Hausarzt keinen Heimplatz bekommen, erzählt er. Einer Ansbacherin habe er sich angenommen, weil sie anderweitig keinen Termin bekommen habe. „Das sind schon ernüchternde Beispiele“, meint Dr. Singer.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin gehört dem geburtenstarken Jahrgang 1959 an und damit zur Babyboomer-Generation, die demnächst in den Ruhestand geht und eine spürbare Lücke hinterlässt. Viele Hausärztinnen und -ärzte gehen nach und nach in Rente. Eine Nachfolge zu finden, gestaltet sich oft schwierig, wenn sich niemand findet und die Praxis zum Quartalsende hin schließt.

„Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze”

„Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze, um die Personaldecke ausreichend zu befüllen“, fordert Dr. Singer schon seit Jahren. In Bayern kann auch heuer wieder ohne Einser-Abitur über die bayerische Landarztquote Medizin studiert werden. Bis spätestens 28. Februar müssen die Bewerbungen beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eingegangen sein.

Die Eignung werde in einem zweistufigen Verfahren sorgfältig geprüft, heißt es. Im Gegenzug zum Erhalt des Medizinstudienplatzes verpflichten sich die angehenden Ärzte laut Gesundheitsministerium, nach dem Studium und einer Weiterbildung in den Fachrichtungen Allgemeinmedizin oder Innere Medizin mindestens zehn Jahre lang als Hausarzt zu arbeiten.


Von Silvia Schäfer
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