Unter dem Motto „next level” lädt die SpVgg Ansbach dieser Tage Anhänger und Sponsoren zu einer großen Präsentation künftiger Vorhaben. Dazu passt das 0:2 gegen den TSV Schwaben Augsburg nun gar nicht. Statt die nächste Stufe zu erreichen, geht es für die nullneuner nach der zweiten Pleite in Serie in der Regionalliga-Tabelle nach unten.
Die überraschende Niederlage gegen den sieglosen Tabellenletzten, die Züge einer Blamage trug, hinterließ Spuren. Viele fragten sich, wann man zuletzt eine derart schwache Halbzeit der Ansbacher im Xaver-Bertsch-Sportpark gesehen hat. Dass 45 Minuten lang so rein gar nichts zusammenpassen will bei den nullneunern, gab es das überhaupt je in der Regionalliga?
Trainer Niklas Reutelhuber, der sonst eisern zu seinem Team steht und mit öffentlicher Kritik sehr bedacht umgeht, fand deutliche Worte: „Selbst wenn man mal keine Orientierung hat am Feld, wenn man nimmer ganz so genau weiß, wer wo steht, dann muss man wenigstens Energie geben, laut sein, der Mannschaft Feuer geben und leidenschaftlich sein. Es kotzt mich maßlos an, dass wir das heute nicht waren.”
Die mangelnde Orientierung hatte mit einer Umstellung zu tun, die die Augsburger nach einem verletzungsbedingten Wechsel bereits nach 20 Minuten vornahmen. Aus der Viererkette in der Abwehr wurde eine Fünferkette. „Wir vorne kamen defensiv dann überhaupt nicht mehr ins Anlaufen”, erklärte Niklas Seefried den folgenden Bruch im Spiel.
Auch für Schwaben-Spielertrainer Matthias Ostrzloek war dieser frühe Systemwechsel ein wichtiger Baustein für den ersten Saisonsieg: „Wir haben dann ein 5-2-3 gespielt und hatten im Zentrum mehr Stabilität. Wir wussten, dass Ansbach sehr viele Spieler im Zentrum hat und da hatten wir leider mit der Viererkette nicht so den Zugriff”. Der zweite wichtige Baustein: „Wir haben drei Spieler vorne drin, die eine brutale Schnelligkeit haben, das hat uns in die Karten gespielt”.
Das traf vor allem beim zweiten Tor zu. Da zündete Mark Radoki in der eigenen Hälfte den Turbo, zischte an SpVgg-Verteidiger Johannis Zimmermann vorbei und wurde erst von Abdennour Rhani mit einem Foul gebremst. Den Elfmeter verwandelte Benedikt Krug sicher (68.). Das erste Tor schoss der schnelle Radoki selbst, ein Tor von eher schlichter Schönheit, eingeleitet vom Schwaben-Chef höchstpersönlich per Steilpass (36.). „Da waren wir ziemlich offen”, fand Seefried.
„Wir müssen den Gegner in der Anfangsphase mit 2:0 wegschießen.”
Der Blondschopf, mit fünf Toren aktuell der treffsicherste Ansbacher, war Teil der SpVgg-Offensive, die den Ball in den ersten 20 Minuten ganz hervorragend immer wieder in Richtung Schwaben-Tor zirkulieren ließ und hätte dem Spiel eine andere Richtung geben können, scheiterte jedoch zweimal in hervorragender Position.
Aus der Überlegenheit der ersten 20 Minuten keinen Vorsprung gemacht zu haben, war die Ursünde der Ansbacher in diesem Spiel. Fand auch Reutelhuber: „Wir müssen den Gegner in der Anfangsphase mit 2:0 wegschießen”.
Der Krisengipfel, zu dem sich das Ansbacher Trainerteam einschließlich sportlichem Leiter gleich nach dem Halbzeitpfiff im Mittelkreis versammelte, hatte bestimmt auch eine Reaktion auf die Umstellung des Gegners zum Thema, die ja längst nicht so rätselhaft und verwegen war, als dass man sie nicht hätte entschlüsseln können.
Doch was die Ansbacher auch probierten, darunter diverse Wechsel, so richtig unter Druck setzen konnten sie den Gegner nicht mehr.
Ausgerechnet der Tabellenletzte ist nun eine von nur zwei Mannschaften, gegen die die Ansbacher in dieser Saison kein Tor geschossen haben. Die andere ist Spitzenreiter SpVgg Unterhaching. „Die ganze zweite Hälfte sind wir nicht mehr richtig in Tritt gekommen, da war nicht viel los”, fand Seefried.