Der neue Audi RS5 ist ein Plug-in-Hybrid fürs Powerplay | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.03.2026 00:07

Der neue Audi RS5 ist ein Plug-in-Hybrid fürs Powerplay

Der Weg zum Ziel oder ist der Weg das Ziel? Der Audi RS5 taugt für beide Missionen. (Foto: Audi AG/dpa-tmn)
Der Weg zum Ziel oder ist der Weg das Ziel? Der Audi RS5 taugt für beide Missionen. (Foto: Audi AG/dpa-tmn)
Der Weg zum Ziel oder ist der Weg das Ziel? Der Audi RS5 taugt für beide Missionen. (Foto: Audi AG/dpa-tmn)

Rein elektrische Sportwagen wie den E-Tron GT RS haben sie zwar schon länger, doch bei den Kernmodellen hielt Audi Sport bislang am puren Verbrennungsprinzip fest. Aber jetzt beugen sich auch Audis Kraftexperten dem Zeitgeist und elektrifizieren ihre Turbo-Triebwerke. Als Erstes geht damit im Sommer der neue RS5 an den Start, der so zum Plug-in-Hybriden fürs Powerplay wird.

Und der Steckdosenanschluss ist nicht die einzige Neuerung. Denn zum ersten Mal nach zwei Generationen Pause gibt es den Gegner von BMW M3 und Mercedes-AMG C63 auch wieder als Limousine. Die steht zu Preisen ab 106.200 Euro im Handel. Wer noch einmal 1.650 Euro drauflegt, bekommt dafür den Kombi Avant.

Schwerer Stand bei den eingefleischten Fans 

Bei den Petrolheads der alten Schule hat der Zwischenstopp an der Ladesäule reichlich Kritik heraufbeschworen. Denn erstens fürchten sie mit der Teil-Elektrifizierung ein Stück weit um den Fahrspaß. Und zweitens beklagen sie ein massives Übergewicht für den Überflieger. Weil der Sportler jetzt auch einen Akku mitgeschleppt und eine E-Maschine. Und weil er mit knapp zwölf Zentimetern mehr Länge und acht Zentimetern mehr Radstand so gewachsen ist, dass er jetzt als Fünfer und nicht mehr als Vierer geführt wird.

Beides zusammen schlägt mit rund 50 Prozent mehr Masse zu Buche und führt zu einem Gewicht von knapp 2,5 Tonnen. Das schürt die Zweifel der Vollgas-Fraktion - erst recht, nachdem Hauptkonkurrent Mercedes in der C-Klasse gerade die ungeliebten Plug-in-Hybriden mit AMG-Logo aussortiert.

Doch die Furcht ist nur theoretischer Natur. Schon das breite und bullige Design mit weit ausgestellten Kotflügeln und kantigen Kühlluft-Öffnungen sprüht nur so vor Kraft. Spätestens beim Start nimmt der RS5 den Kritikern den Wind aus den Segeln. Ja, es bleibt erst mal mucksmäuschenstill, wenn zunächst der E-Motor übernimmt. Doch kaum tritt man etwas fester aufs Gas, schaltet sich der Verbrenner zu. Werden dann noch die Schallklappen in den handtellergroßen Endrohren geöffnet, dann lässt der Benziner einiges von sich hören, und der Business-Kombi wird buchstäblich zum Bollerwagen.

Bei so viel Kraft haben die Kilos keine Chance 

Aber der Krawall kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat der RS5 auch reichlich Kraft. Genau genommen, etwa 50 Prozent mehr als sein Vorgänger. Denn während ihm die 331 kW/450 PS aus dem 2,9 Liter großen V6-Turbo reichen mussten, hat jetzt allein der Benziner 375 kW/510 PS. Und dann steht ihm ja auch noch eine E-Maschine von 130 KW/177 PS zur Seite.

Zusammen ergibt das eine Systemleistung von 470 kW/639 PS, die sogar den seligen RS6 in Schatten stellt. Und wer glaubt, der RS5 sei eine kühle Hochleistungsmaschine, die mit nüchterner Präzision die Bestzeit jagt, den belehrt ein neues Hinterachsgetriebe eines Besseren.

Mit dem sogenannten Torque Vectoring („Drehmoment-Verteilung“) treibt Audi in Millisekunden bis zu 2.000 Nm von Rad zu Rad. Mit so einem System sind sehr sportliche Autos ausgestattet, um die Antriebskraft gezielt zwischen einzelnen Rädern zu verteilen. Wenn das äußere Rad mehr Kraft aufbringt, dreht sich das Auto schneller in die Kurve, um Traktion, Kurvenstabilität und Fahrdynamik zu verbessern. Das ist die rationale Schilderung - „das Ding geht ums Eck wie Hölle“, trifft's besser.

Eigenschaften, die selten zusammentreffen

In dem Audi steckt nicht nur viel Power, er ist gleichzeitig erstaunlich filigran und agil - eine Kombination, die den Fahrspaß auf ein neues Level hebt und gar keine Fragen mehr nach dem Gewicht duldet. Denn der RS5 ist nicht nur von explosiver Längsdynamik. Nicht umsonst schleudern ihn bis zu 825 Nm im besten Fall in 3,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und wenig später mit bis zu 285 km/h dem Horizont entgegen.

Nein, er schwingt dabei auch so lustvoll, schnittig und präzise durch die Kurven wie die Gold-Rodler durch den olympischen Eiskanal – und das dank einer sehr viel direkteren Übersetzung mit ganz wenigen Lenkbewegungen. Mit jedem Wechsel des Fahrprofils lässt sich dieses Erlebnis noch steigern, weil die Driftwinkel und mit ihnen der Nervenkitzel größer werden, ohne dass man sich unsicher fühlt oder auf Glück bauen muss.

Und danach kann man dank einer neuen App und einer Dashcam jedem beweisen, wie wild die Extremfahrt gewesen ist - die sollte man selbstverständlich nur auf abgesperrtem Terrain absolvieren.

Attacke auf Knopfdruck

Wem die vielen Untermenüs und die digitale Spielerei zu viel sind, der nutzt die beiden Zusatztasten im griffigen Lenkrad. Rechts springt man automatisch in den RS-Modus, und das Auto schaltet auf Attacke. Und links aktiviert man mit dem Boost-Betrieb eine Beschleunigung, die einem beim Kick-down fast schwindlig werden lässt.

Passend zum Preis zelebriert der RS5 innen eine elegante Sportlichkeit mit viel dunklem Leder oder auf Wunsch mit Sichtkarbon. Und selbst die tiefen Sportsitze mit extra viel Halt bieten reichlich Restkomfort für lange Strecken. Genauso übrigens wie das aktive Fahrwerk mit Zweiventil-Dämpfern. Je nach Fahrprofil ist es mal kompromisslos hart, und mal schluckt es gutmütig viele Schäden im Straßenbelag. Schließlich will der Avant ein Sportwagen für den Alltag sein und empfiehlt sich daher auch als rasanter Dienstwagen. Denn Schnellfahrer dürfte nicht zuletzt der 22-kWh-Akku und der E-Motor als Performance-Booster überzeugen.

Mit 84 Kilometern E-Reichweite bei bis zu 140 km/h und einem Verbrauch von 3,9 Litern (CO2-Ausstoß: 88 g/km) könnte er zudem - je nach Einkommen und Familiengröße - für Privatpersonen sogar per E-Autoprämie gefördert werden.

Fazit: Mit neuen Mitteln zu den alten Idealen

Ja, der Plug-in-Hybrid mag die Puristen unter den Petrolheads irritieren, und auf dem Papier ist das Gewicht erschreckend. Doch verglichen mit einem reinen Elektroauto ist der neue RS5 noch immer ein Leichtathlet und einer, der vor Emotionen nur so schäumt. Er ist provozierend gezeichnet, potent motorisiert und wenn‘s sein soll brüllend laut.

Außerdem ist er auf der einen Seite superschnell und messerscharf und auf der anderen Seite alltagstauglich, komfortabel und mit der elektrischen Komponente zukunftsfest. So folgen die Bayern in einem veränderten Umfeld von Politik und Gesellschaft mit neuen Mitteln weiter ihren alten Idealen. Datenblatt: Audi RS5 Avant 

 

 

 

 

© dpa-infocom, dpa:260302-930-759695/1


Von dpa
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