Der letzte Rave im altehrwürdigen Wildbad? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.03.2024 18:02

Der letzte Rave im altehrwürdigen Wildbad?

Beim Sundowner-Festival verwandelt sich das Wildbad in eine bunte Parallelwelt. Der Theatersaal bietet das passende Ambiente dazu. (F.: Grenzkunst)
Beim Sundowner-Festival verwandelt sich das Wildbad in eine bunte Parallelwelt. Der Theatersaal bietet das passende Ambiente dazu. (F.: Grenzkunst)
Beim Sundowner-Festival verwandelt sich das Wildbad in eine bunte Parallelwelt. Der Theatersaal bietet das passende Ambiente dazu. (F.: Grenzkunst)

Nein, den Mainstream bedient das Kollektiv „Grenzkunst“ sicher nicht. Dafür präsentieren die Jungs und Mädels Raves, also Tanzveranstaltungen mit elektronischer Musik. Bei der Sundowner-Ausgabe am 5. und 6. April ist ihnen musikalisch ein echter Coup gelungen. Es könnte jedoch der letzte Wildbad-Tanz sein.

Der Sundowner hat sich in der Stadt fest etabliert. Begonnen hat alles mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr, als Abschlussprojekt hat ein kleines Team das Festival der elektronischen Musik ins Leben gerufen. Das war 2013. Aus einem Festivaltag wurden irgendwann zwei – und aus dem Projekt-Team heraus hat sich der Verein „Grenzkunst“ gegründet.

Seitdem tanzen Jahr für Jahr im Frühling rund 1500 Gäste auf dem Sundowner im Theatersaal und auf der Terrasse des Wildbads. Doch mit der Pandemie endete dieses Erfolgsprojekt vorerst. Am 5. und 6. April findet die erste Nach-Corona-Ausgabe statt, die Tickets aus 2020 sind heuer tatsächlich noch gültig.

Auch sonst blieb nicht alles beim Alten: Die Grenzkünstler haben sich Verstärkung geholt – die Freunde von Noise Club, Halla und Kontrastprogramm helfen erstmals offiziell mit, auch wenn Einzelne aus diesen Kreisen schon länger Teil des Sundowners sind. „Wir sind glücklich, mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine zu stellen“, sagen Grenzkunst-Vertreter. Allein kann der Verein das Festival nicht mehr stemmen. „Wir werden immer älter, viele studieren nicht mehr und haben weniger Zeit.“

Keiner will sich hier in den Vordergrund stellen, die Grenzkünstler verstehen sich als große Gemeinschaft. Mit den neuen Kollektiven hoffen alle darauf, dass das Zwei-Tages-Festival noch bunter wird – und auch ein neues Deko-Konzept wird es geben. Schon bisher hatten die Ehrenamtlichen die Räume mit viel Liebe zum Detail und handwerklichem Geschick gestaltet. Künstlerische Holzkonstruktionen trafen auf XXL-Eulen – alles ins passende Licht gerückt. Das Wildbad verwandelte sich in eine bunte Parallelwelt.

Rampue hat sich als Headliner angekündigt

So soll es auch heuer kommen. Die Musiker des Wochenendes versprechen jedenfalls wieder einen vielseitigen elektronischen Musik-Mix. „Wir sind echt happy mit dem Lineup“, sagen die Grenzkünstler. Auf dem Programm stehen wieder einige Größen der Szene. Einen echten Coup landeten die Macher mit dem Live-Act Rampue, der sich für die nunmehr achte Sundowner-Auflage angekündigt hat. Mit seinen schnörkellosen, liebevoll komponierten Live-Sets tourt er weltweit und tritt kaum noch in Deutschland auf, wenn überhaupt dann in der Technohauptstadt Berlin. Ansonsten spielt Rampue auf den großen Festivals der Subkultur – ob auf dem Fusion Festival in Mecklenburg-Vorpommern oder auf dem Burning Man in der Wüste Nevadas. „Techno, der auf die Sonne reagiert wie das Meer auf den Mond, House, der von Pop inhaliert wird und sich als Schlepp-Bass-Gewitter auf den Dancefloor legt“: So beschreiben Kenner den Electro-Tausendsassa.

Ebenfalls ein Live-Set wird der Wahl-Berliner Kalipo spielen, bekannt als Soundtüftler der Band Frittenbude. Emotionale Melodien treffen bei ihm auf tanzbare Bässe – irgendwo zwischen Techno, Disco und House. Technoider wird es mit Julian Wassermann. Er war Resident-DJ im altehrwürdigen Münchner Club Harry Klein. Als Vierte im Headliner-Bunde findet sich Disco-Queen Sarah Wild aus Berlin. Ihr Sound oszilliert zwischen 80er-Disco und House – mit Klavierelementen.

Womöglich ist die 2024er-Auflage auch die letzte überhaupt. „Die Zukunft ist nicht gesichert“, so die Grenzkünstler. Das liegt vor allem am ungewissen Schicksal des Wildbads. Die evangelische Landeskirche will das idyllische Areal verkaufen. „Wir haben ihn nicht ausgerufen als den letzten Sundowner. Aber wer mit uns noch einmal im Wildbad tanzen will, sollte auf alle Fälle vorbeikommen.“

Der Sundowner findet am 5. und 6. April im Rothenburger Wildbad statt. Am Freitag darf von 17 bis 3 Uhr getanzt werden, am Samstag von 15 bis 3 Uhr. Tickets gibt es online unter www.ticketburner.de/events/14-sundowner-2024. Die Einnahmen kommen einem sozialen Zweck zugute.

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