Der Bauhof in Leutershausen steht vor einer Zeitenwende | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.03.2025 07:00

Der Bauhof in Leutershausen steht vor einer Zeitenwende

Während die Gebäude für den neuen Bauhof im Leutershäuser Gewerbegebiet Färbereistraße im Rohbau fertig sind, wird hinter den Kulissen auch an neuen Strukturen gearbeitet, um die Arbeitsabläufe künftig effizienter zu gestalten. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Während die Gebäude für den neuen Bauhof im Leutershäuser Gewerbegebiet Färbereistraße im Rohbau fertig sind, wird hinter den Kulissen auch an neuen Strukturen gearbeitet, um die Arbeitsabläufe künftig effizienter zu gestalten. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Während die Gebäude für den neuen Bauhof im Leutershäuser Gewerbegebiet Färbereistraße im Rohbau fertig sind, wird hinter den Kulissen auch an neuen Strukturen gearbeitet, um die Arbeitsabläufe künftig effizienter zu gestalten. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Vor einschneidenden Veränderungen steht das Team des Bauhofes der Stadt Leutershausen. Der lang ersehnte Umzug in die neuen Gebäude, die im Industriegebiet Färbereistraße entstehen, ist nur eine davon. Auch einen neuen Chef wird es in absehbarer Zeit geben, und eine neue Software soll helfen, Abläufe künftig besser zu strukturieren.

Eine Stunde lang beschäftigte sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mit dem im vergangenen Jahr erstellten Organisationsgutachten für den Bauhof – und das nicht zum ersten Mal, wie Anna Stadelmann, die stellvertretende Leiterin der Haupt- und Personalverwaltung der Stadt, rekapitulierte. Schon dreimal habe man im Rathaus den Sachverhalt inzwischen aufgearbeitet und viel Zeit investiert. Im vergangenen September hatte das Kommunalberatungsunternehmen Schneider & Zajontz aus Heilbronn seine Ergebnisse vorgestellt.

Software für rund 9000 Euro im Jahr

„Wir nehmen die Anliegen im Bauhof ernst und wollen ein deutliches Signal“, sagte Stadelmann. Es gehe darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, um mehr Motivation und Leistung zu entfalten. Ein Schritt zu mehr Effizienz ist ein Softwarepaket, das fast 9000 Euro im Jahr plus einmalig 1000 Euro kostet. Der Stadtrat billigte es einstimmig. Es enthält einen Ressourcenmanager und ein Modul für den Straßenunterhalt. Baum- und Spielplatzkontrollen, die regelmäßig fällig sind, können damit elektronisch abgewickelt werden. Die ebenfalls vorgeschriebenen Straßenüberprüfungen erfolgen bislang „nicht nach den gesetzlichen Vorgaben“, betonte Stadelmann.

Solche Programme seien „heute Standard“, merkte Renate Götzenberger (ALL/Grüne) an. Ihre Frage, wie viel Zeiteinsparung dadurch zu erwarten sei, blieb offen. Erwin Heidenfelder (SPD) warnte davor, sich diesbezüglich zu viel zu erhoffen. Bürgermeister Markus Liebich erklärte: „Wir optimieren die Abläufe.“ Es gehe nicht primär um Zeitersparnis, sondern darum, Transparenz zu schaffen. Bislang gebe es noch viele Prozesse auf Papier, die nicht digital durchgängig und schnell verfügbar seien.

Mit Hermann Lang geht „eine Seele der Stadt“

Bei Aktenlage und Dokumentation sei noch „viel Luft nach oben“, sprang Stadelmann ihrem Chef bei. Die Software sei nötig, um „ordentlich zu arbeiten“. Der Bauhofleiter solle sich künftig mehr „um die Mitarbeiter kümmern“. Derzeit übernehme er viele administrative Aufgaben. Fortan soll er sich mehr auf die Koordination von Projekten und die Anleitung der Kräfte konzentrieren.

Diese Zielsetzung geht demnächst mit einem Wechsel an der Bauhofspitze einher. Denn Hermann Lang, der jahrzehntelang viel Fachwissen gesammelt hat, geht in spätestens zwei Jahren in den Ruhestand. Die Verwaltung wünscht sich eine „intensive Einarbeitung“ seines Nachfolgers. Und auch Thomas Härpfer (CSU) empfahl, einmal „gemeinsam den Jahreszyklus durchzuspielen“.

Als „eine Seele in der Stadt“ bezeichnete der Bürgermeister Hermann Lang. Sein Wissen sei „sehr, sehr viel im Kopf“. Um sicherzustellen, dass man einen geeigneten neuen Bauhof-Chef findet, müsse man sich frühzeitig auf die Suche begeben – also möglichst bald.

„Wieviel Überlappung ist notwendig? Was können wir uns leisten, was ist wünschenswert?“, wollte Renate Götzenberger wissen. Knapp zwei Jahre halte sie angesichts der Verschuldung der Stadt für zu viel. Möglich sei nur, „was wir uns gerade noch leisten können“. Sie stimmte letztlich als einzige dagegen, die Stelle des Nachfolgers schon heuer in den Stellenplan aufzunehmen und den Posten auszuschreiben. Beate Boch (SPD) mahnte: „Vor Herbst bekommen wir garantiert niemanden. Das wird nicht mehr als ein Jahr Überlappung.“ Und Wilfried Walz (CSU) merkte an: „Das Stadtgebiet ist groß. Bis man das kennenlernt, ist ein Jahr gleich rum.“

168 Straßenkilometer sind zu unterhalten

Zu den Ergebnissen des Organisationsgutachtens zählten auch mehrere Empfehlungen für neue Aufgabengebiete, also zusätzliche Stellen. Die eingehende Beratung darüber vertagte der Stadtrat indes auf die Debatte über den Haushalt und den damit verbundenen Stellenplan. Beispielsweise schlagen die Experten einen Posten für Dokumentation und Kataster vor, außerdem eine Personalstelle für die regelmäßige Kontrolle der 168 Straßenkilometer der Stadt – eine Pflichtaufgabe, die bislang nicht ausreichend erfüllt wird. Welchen Umfang sie ausmacht, muss noch diskutiert werden.

Dasselbe gilt für Grünpflege und Stadionunterhalt. 8407 Hektar und 49 Ortsteile umfasst das Stadtgebiet. Um die Attraktivität des Stadtbildes, die Funktionalität und Ästethik der Anlagen zu erhalten, fehle es derzeit an genügend Personal, so die Verwaltung.

Auch hier war es wieder Renate Götzenberger, die für „geringstmöglichen Aufwand“ plädierte angesichts der knappen freien Finanzspanne. „Schade“ nannte sie es, dass die Gutachter – statt Vorschläge zu machen, wie Abläufe verbessert werden können – für zusätzliches Personal werben: „Plus drei Stellen – das passt nicht zu unserer finanziellen Lage.“ Dem hielt Markus Liebich entgegen: „Eine Stadt unserer Größenordnung hat gesetzliche Pflichtaufgaben. Und Erwartungen der Bürger.“


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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