Der Bad Windsheimer Bürgermeister soll an seinem „diskreditierenden Stil” arbeiten | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.11.2025 18:00

Der Bad Windsheimer Bürgermeister soll an seinem „diskreditierenden Stil” arbeiten

Der Wahlkampf um die Plätze im Bad Windsheimer Rathaus ist in vollem Gange.  (Foto: Katrin Merklein)
Der Wahlkampf um die Plätze im Bad Windsheimer Rathaus ist in vollem Gange. (Foto: Katrin Merklein)
Der Wahlkampf um die Plätze im Bad Windsheimer Rathaus ist in vollem Gange. (Foto: Katrin Merklein)

Beleidigungen und Anfeindungen gegen den Stadtrat soll Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel künftig unterlassen. Das forderte die CSU in der Sitzung. Heckel wies die Vorwürfe zurück und kündigte an: „Jetzt pack' ich aus.” Online distanzierte sich jetzt auch die FW-Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt von der Gruppierung „WiR”.

CSU-Stadtrat Bernhard Kisch trug das Anliegen stellvertretend für seine Fraktion vor. Das Schreiben war Heckel bereits im Vorfeld der Sitzung am Nachmittag per E-Mail zugestellt worden, erklärte Kisch. „Mit Befremden” hätten er und seine Kollegen die Berichterstattung über die Listennominierung von Heckels Gruppierung Windsheimer und Ortsteilbürger ins Rathaus (WiR) in unserer Zeitung gelesen. „Insbesondere die sehr persönlichen und abwertenden Äußerungen über Stadtratskollegen haben uns sehr betroffen gemacht”, sagte Kisch.

„Nicht mit dem Grundverständnis einer Wertegemeinschaft vereinbar”

Heckel war damit zitiert worden, dass die Zusammenarbeit im Stadtrat „von Hass geprägt” sei. CSU, FWG und Liste Land seien die Störenfriede. WiR-Stadtratskandidat Dr. Christian Enz, der aktuell für die Freien Wähler im Stadtrat Herrieden sitzt, habe, indem er das CSU-Mitglied und den Vorsitzenden des Vereins „Unternehmer vereint für Bad Windsheim”, Christian Hahn, als „dummen Vogel auf einem Haufen Scheiße” bezeichnet hatte, eine Grenze überschritten und sich auf ein Niveau begeben, „welches mit dem Grundverständnis einer Wertegemeinschaft” nicht vereinbar sei.

Auf ihrer Facebook-Seite meldete sich auch die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Gabi Schmidt, zu Wort. Auch sie sei entsetzt gewesen über die Äußerungen von Enz. Der Wahlkampf in Bad Windsheim treibe „ungewöhnliche Blüten”. Es müsse endlich wieder Ruhe einkehren, fordert Schmidt. „Hetze und Beleidigungen gehören nicht zum Stil unserer Demokratie.”

Als Kreisvorsitzende der Freien Wähler im Landkreis „distanziere ich mich in diesem Zusammenhang von den Äußerungen von Dr. Christian Enz”, so Schmidt. Er sei kein Mitglied der Kreisvereinigung der Freien Wähler im hiesigen Landkreis. Diese „befürwortet weder die Kandidatur von Christian Enz, noch die Zusammenarbeit mit der Gruppe WiR”.

Das könnte Sie auch interessieren
Debatte um Sanierung der Roßmühle in Feuchtwangen nimmt „merkwürdige Schlagseite“Wassertrüdinger CSU reflektiert Wahl: Weniger Sitze, aber weiter stärkste FraktionMehr Sicherheit in Betzendorf: Stadtrat stimmt Verkehrsinseln zuInsinger Gemeinderat startet: Ein Neuer wird gleich zweiter BürgermeisterIntegrationsarbeit in Ansbach: Ein Brückenbauer im Einsatz für MigrantenPersonelle Neuausrichtung beim Bürgerbündnis Stadt und Land WassertrüdingenAbschied und Willkommen im Gemeinderat Ohrenbach: Fünf Neugewählte vereidigtGedenktafel an den Theologen Friedrich Dörr in Wolframs-Eschenbach enthülltBeim Dorfgemeinschaftshaus Oberscheckenbach hat der Feuerwehrteil PrioritätFünf Großbaustellen in Burgoberbach: Bürgermeister sieht Gemeinde auf gutem WegIn Wettringen werden fünf neue Mitglieder des Gemeinderates vereidigt„Fang mer ou”: Die neue Rathauschefin von Geslau legt mit einem Mundartsatz losVier Stunden lang vereidigt und diskutiert: Das ist der neue Uffenheimer StadtratDer neue Neustädter Kreistag gibt seinen Ausschüssen mehr MachtUnstimmigkeiten: So lief die konstituierende Sitzung in Windsbach

Abwertende Äußerungen gehören nicht in die Kommunalpolitik

Auch die Äußerung von Heckels Ehefrau Dr. Annette Volkamer, die angekündigt hatte, „der Bösartigkeit Stimmen abnehmen” zu wollen, sei „in höchstem Maße diskreditierend und inakzeptabel abwertend”, so Kisch in der Sitzung. Es sei ein Stil, der weder im Stadtrat noch in der Bad Windsheimer Kommunalpolitik etwas zu suchen habe.

Heckel sei „Vertreter des ganzen Stadtrats nach außen”, als solcher und als Stadtoberhaupt solle er derartige Äußerungen künftig unterlassen, forderte der CSU-Rat. Er erinnerte den Bürgermeister an seine „Fürsorgepflicht gegenüber den Mitgliedern des Stadtrats”. Würden derartige Anschuldigungen bei einer Versammlung, bei der Heckel auch anwesend ist, getätigt, erwarten Kisch und seine Fraktion künftig, dass dieser solch „inakzeptable, diskreditierende Äußerungen Dritter” nicht so stehen lasse.

Diese Äußerungen seien auch nicht damit zu rechtfertigen, „dass wir das Ziel verfolgen, ab Mai 2026 einen Wechsel im Amt des Bürgermeisters herbeizuführen”, betonte Kisch: „Dies ist ein ganz normaler demokratischer Vorgang einer Wahl.” Die CSU-Fraktion lasse sich nicht vorwerfen, sich „einer Sprache der Missachtung oder Verachtung” zu bedienen.

„Konfrontation, Anfeindung und Spaltung”

Den Umgangsstil Heckels und der Gruppierung WiR, sehe die CSU „mehr als problematisch. Wir bitten eindringlichst, zu bedenken, dass unsere Aufgabe nicht das Eigeninteresse ist, sondern unser ehrenamtliches kommunalpolitisches Wirken einzig dem Wohl der Stadt und unserer Sozialgemeinschaft dienen darf.” Es dürfe nicht sein, dass „durch getätigte Äußerungen unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger in den kommenden vier Monaten in den Zustand einer Konfrontation, Anfeindung und Spaltung geführt werden”.

Die Kommunalwahl werde vorübergehen; Aufgabe des neuen Stadtrats und Bürgermeisters werde es dann sein, „das Gremium möglichst vereint zusammenzufügen. Alles, was wir heute durch einen übergriffigen Stil an Verwerfungen produzieren, wird dieses Ziel gefährden und schadet damit unserer Stadt”, schloss Kisch seinen Appell und forderte „eine öffentliche Rückmeldung, zum Beispiel jetzt in der Stadtratssitzung”. Die Besucher applaudierten.

Vorwurf: „Den Dorfdepp aus der Stadt treiben”

Gar nichts werde er zurücknehmen, sagte Heckel laut und bestimmt. Im Gegenteil: Er werde sich das alles nicht mehr gefallen lassen. „Jetzt pack' ich aus. Ihr werdet sehen.” Die Äußerungen seiner Frau – Stichwort „Bösartigkeit” – seien durchaus zu rechtfertigen. Der Grund, dass sie nach 18 Jahren nicht mehr in den Stadtrat wollte und die Freie Wählergemeinschaft verlassen habe, sei folgender gewesen: „Unser Altbürgermeister Eckardt hat mich als ,Dorfdepp' bezeichnet. Das ist alles nachzulesen. Aus der Stadt wollte er mich treiben”, rief Heckel.

Dass sich die CSU jetzt auf Dr. Christian Enz einschieße, dafür habe Heckel eine „einfache Erklärung”: „Oder ist es nicht so, dass Dr. Enz bei ihnen vorstellig wurde?” Als Bürgermeisterkandidat habe er für die CSU ins Rennen gehen wollen, so Heckel. „Vielleicht habt ihr einfach nicht damit gerechnet, dass er bei mir auf der Liste auftaucht.”

Alexandra Horst (FWG) forderte zum Abschluss „einen normalen, fairen und demokratischen Wahlkampf. Bitte, bitte, an alle.”


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
north