Die Kritik am Schienenersatzverkehr (SEV) der Deutschen Bahn (DB) auf der Strecke Nürnberg–Würzburg reißt nicht ab. Verspätungen und Probleme zerren an den Nerven der Pendler. Ein Bahnfahrer aus Langenfeld berichtet derweil von einer Erfahrung in einer neuen Dimension.
Eigentlich ist die Bilanz der Großbaustelle aus Fahrgastsicht schon jetzt an kuriosen und unangenehmen Erlebnissen nicht arm: Busfahrer, die den Weg nicht finden. Busse, die auf halbem Weg einfach umdrehen. Zug-Fahrpläne für den Abschnitt Neustadt–Würzburg, bei denen baubedingte Verzögerungen nicht bedacht wurden.
Wer aber denkt, damit wäre es nun auch mal gut, der sollte einem Fahrgast aus Langenfeld sein Ohr leihen, der seinen Namen nicht in der Presse lesen möchte. Seine Geschichte klingt so bedenklich, dass die DB auf Anfrage der FLZ zum Thema direkt klarstellt: „Wir nehmen den Sachverhalt sehr ernst.“
In Kurzfassung: Dem Fahrgast wurden laut eigenen Angaben während der Fahrt im Ersatzbus Schläge angedroht – vom Chef des Busfahrers. Doch schon die Vorgeschichte irritiert.
Wie der Mann der FLZ schildert, sei er im Ersatzbus auf dem Weg nach Fürth gewesen, als der Busfahrer in Emskirchen während des Fahrgastbetriebs eine Tankstelle angesteuert habe. Da der Fahrer dort aber nicht tanken durfte, sei die Kurverei weitergegangen. „Da war schon absehbar, dass die Verspätung weiter zunimmt.“
Statt zum nächsten Halt in Siegelsdorf zu fahren, habe der Buslenker in Cadolzburg einen nächsten Tankstopp anvisiert. Während der Odyssee habe der Fahrer ständig am Handy telefoniert. Da inzwischen die Anschlüsse etlicher Businsassen durch die Verzögerungen bedroht schienen, habe er sich an den Busfahrer gewandt, berichtet der Fahrgast. „Ich hab' ihm gesagt, er möge doch mal bitte die Bahnhöfe anfahren. Zum Tanken ist davor Zeit.“
Daraufhin habe ihm der Fahrer („selbst sehr aggressiv“) das Handy weitergereicht. Am anderen Ende der Leitung: mutmaßlich ein Vorgesetzter. Und der habe dem um seinen Anschluss fürchtenden Fahrgast unverblümt eine Ansage gemacht: „Wenn du meine rechte Faust ins Gesicht brauchst, kannst du das sagen. Dann komm' ich vorbei.“
Er sei erst mal verdutzt gewesen, schildert der Fahrgast. Als er am Ende mit 30 Minuten Verspätung in Fürth ankam – Anschluss weg, später deshalb Übernachten am Hauptbahnhof Leipzig nötig – sei dann aber ein DB-Mitarbeiter auf ihn zugekommen. Der habe gefragt, ob er sich über den SEV beschweren wolle. Eben jener „rote Bus“ sei nämlich schon häufiger negativ aufgefallen.
Der Fahrgast erzählt die Geschichte unaufgeregt. Eines stellt er aber klar: „Ich muss mir keine Gewalt androhen lassen.“
Die Pressestelle der DB versichert, den Vorwürfen umgehend nachzugehen. Die Schilderungen entsprächen „selbstverständlich nicht unserem Anspruch“. Solange das Ergebnis der Prüfung nicht vorliege, könne das Unternehmen aber noch nicht genauer auf den Fall eingehen.
Nur so viel: Grundsätzlich würden Busse vor dem Einsatz betankt. Gerade bei kurzfristigen Fahrten könne es in Ausnahmefällen aber auch dazu kommen, dass im Passagierbetrieb eine Tankstelle angefahren werden müsse. Bei dem betroffenen Fahrzeug habe es sich um solch einen „Dispo-Bus“ für Entlastungsfahrten gehandelt. „Wir wissen, wie wichtig verlässliche Anschlüsse für unsere Fahrgäste sind und setzen alles daran, diese auch zu ermöglichen“, betont eine Sprecherin. Zudem seien die Busfahrer sensibilisiert, Anschlüsse von verspäteten Zügen abzuwarten, soweit möglich.
Auch zu den Problemen zwischen Neustadt und Würzburg äußert sich die Bahnsprecherin. Dort fahren seit Anfang August zwar wieder Züge auf frisch sanierter Strecke. Doch der Betrieb läuft bislang nur eingleisig. Auch ist zeitweise nur verringertes Tempo möglich. Die Umstände führen zu längeren Fahrzeiten, die „leider nicht vorab im Fahrplan der Züge berücksichtigt werden konnten“. Mit einer zusätzlich inzwischen wieder hergestellten Kreuzungsmöglichkeit für Züge in Markt Einersheim habe die Bahn Verspätungen jedoch reduzieren können.
Der Baufahrplan gilt noch bis Montag, 11. September. Bis dahin will die DB zwischen Fürth und Würzburg 144 Kilometer Gleise saniert und die Infrastruktur modernisiert haben. Ein Kraftakt, der in der Form der mehrmonatigen Totalsperrung als Blaupause für andere sanierungsbedürftige Strecken in Deutschland gelten soll.